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12.05.2014

13:05 Uhr

Mit Sky Deutschland

Murdoch will Pay-TV-Reich neu ordnen

Es wäre ein Milliardendeal: Der Medienmogul Rupert Murdoch will seine Pay-TV-Sender unter dem Dach des britischen Konzerns BSkyB zusammenlegen. Den Aktionären von Sky Deutschland will er aber nicht viel bieten.

Könnte bald britisch werden: Medienmogul Rupert Murdoch möchte den Pay-TV-Sender Sky Deutschland dem britischen Konzern BSkyB zuschlagen. dpa

Könnte bald britisch werden: Medienmogul Rupert Murdoch möchte den Pay-TV-Sender Sky Deutschland dem britischen Konzern BSkyB zuschlagen.

LondonDer Medienzar Rupert Murdoch will sein Fernsehimperium in Europa neu ordnen – und der deutsche Pay-TV-Sender Sky spielt dabei eine wichtige Rolle. Der 83-jährige Unternehmer plant, unter dem Dach der britischen Sendergruppe BSkyB die Bezahlkanäle in Großbritannien, Deutschland und Italien zu bündeln. Die Gespräche seien in einem frühen Stadium, erklärte BSkyB am Montag. Ob es zu einer Transaktion kommt, sei nicht sicher. Nach Informationen der Nachrichtenagentur Bloomberg laufen die Verhandlungen indes schon seit Monaten, ein Deal könnte im Sommer erreicht werden.

Überlegungen zum Umbau der europäischen Pay-TV-Aktivitäten hatte es in Murdochs Konzern 21st Century Fox immer wieder gegeben. Bislang kontrolliert er die Anteile an den drei europäischen Gesellschaften direkt von den USA aus: Sky Italia gehört Murdoch komplett, an Sky Deutschland hält er eine Mehrheit von 57 Prozent. Nur das britische Geschäft hat der Medienzar nicht voll unter Kontrolle, hier beträgt der Anteil von 21st Century Fox knapp 40 Prozent.

Das Imperium des Rupert Murdoch

Geerbtes Unternehmen

Rupert Murdoch kam 1931 in Australien zur Welt. Das Unternehmertum liegt in der Familie: Sein Vater kaufte sich in die Zeitungskette News Limited ein, Sohn Rupert erbte sie 1952 – und baute sie zu einem Medienimperium aus, zu dem heute neben den Zeitungen in aller Herren Länder auch der Buchverlag Harper Collins, Internetbeteiligungen, Fernsehsender und mit „20th Century Fox“ ein legendäres Hollywood-Studio gehören.

Von der „Sun“ bis zum „Wall Street Journal“

Begonnen hat alles mit der Zeitung „The News“ aus dem australischen Adelaide, die der damals Anfang 20-jährige Rupert von seinem Vater übernahm. Später verleibte sich Murdoch in Großbritannien die renommierte Londoner „Times“ ein, außerdem das Massenblatt „Sun“. Die britische Sonntagszeitung „News of the World“ stampfte Murdoch nach einem Abhörskandal kurzerhand ein. Im Jahr 2007 landete Murdoch einen seiner größten Coups, indem er den US-Konzern Dow Jones übernahm, den Herausgeber Wirtschaftsblatts „Wall Street Journal“.

Fox-Fernsehsender

Flaggschiff des Konglomerats sind die amerikanischen Fox-Fernsehsender, die wegen ihrer konservativen Ausrichtung berühmt-berüchtigt sind. Hier ist aber auch die Heimat der Kultsendung „Die Simpsons“. Die gelbe Zeichentrick-Familie mit Oberhaupt Homer und der guten Seele Marge nimmt in vielen Folgen den Sender und seinen Patriarchen selbst auf die Schippe.

Auch in Deutschland aktiv

Murdoch hält die Mehrheit am Bezahlsender Sky, dem früheren Premiere. Sein Sohn James ist seit 2016 wieder Vorsitzender des Aufsichtsrates beim britischen Mutterkonzern.

Schiffbruch mit MySpace

Murdoch erkannte früh die Chancen des Internet und traute sich als einer der ersten großen Verleger, Geld für Nachrichten im Netz zu verlangen. Mit einem anderen Projekt erlitt er indes Schiffbruch: Das einstmals größte Online-Netzwerk MySpace ist nach dem Siegeszug von Facebook heute nur noch ein Schatten seiner selbst.

Aufspaltung in zwei Bereiche

2013 spaltete Murdoch sein Imperium in zwei Reiche auf: die profitable Filmsparte 21st Century Fox und das schwächelnde Verlagsgeschäft News Corp.

Murdoch könnte die beiden Sender Sky Deutschland und Sky Italia nun BSkyB zuschlagen. Nach Einschätzung von Bloomberg würde der britische Konzern rund 10 Milliarden Euro zahlen.

Der Verbund hätte das Potenzial, eine „internationale Pay-TV-Gruppe von Weltklasse“ zu werden, erklärte BSkyB am Montag. Das Kalkül hinter dem Deal: Der britische Konzern erhielte gegenüber den Inhabern von Sport- und Filmrechten ebenso mehr Verhandlungsmacht wie gegenüber der Werbewirtschaft.

Sollte BSkyB die Sky-Deutschland-Anteile übernehmen, müsste der Konzern den übrigen Aktionären ein Übernahmeangebot machen. Dabei würde BSykB aber nur den gesetzlich geforderten Mindestpreis von 6,80 Euro zahlen, der dem Durchschnittskurs der vergangenen drei Monate entspricht – einen Aufschlag will das britische Unternehmen nicht anbieten.

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