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31.01.2007

12:44 Uhr

Mitarbeiter-KG wählt neue Führung

Augstein-Erben stärken „Spiegel“-Chef den Rücken

VonH.-P. Siebenhaar und G. Lipinski

Der Chefredakteur des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“, Stefan Aust, hat gute Chancen, seinen Posten behalten zu können. In der seit Wochen schwelenden Machtprobe gegen den Hauptgesellschafter, die Mitarbeiter-KG, erhält er inzwischen offiziell Rückendeckung durch die Erben des Spiegel-Gründers Rudolf Augstein.

Die Eigentümerstruktur der Spiegel-Gruppe im Überblick.

Die Eigentümerstruktur der Spiegel-Gruppe im Überblick.

DÜSSELDORF/HAMBURG. „Aust ist und bleibt Chefredakteur des ,Spiegels’“, sagt Jakob Augstein, Sprecher der Erben, dem Handelsblatt. Er und seine Schwester Franziska sind mit 24 Prozent an Deutschlands größtem Nachrichtenmagazin beteiligt.

Die Mitarbeiter wählen vom 5. Februar bis 20. März die fünfköpfige Führung der Mitarbeiter-KG, die mit mehr als 50,5 Prozent an dem Nachrichtenmagazin beteiligt ist. Der Ausgang der Wahl ist mitentscheidend dafür, ob der langjährige Chefredakteur möglicherweise eher als geplant das Haus verlässt. Sein Vertrag läuft 2010 aus. Das Rennen um die künftige fünfköpfige Führung der Mitarbeiter-KG ist noch völlig offen. Der gewählte Kandidat mit den meisten Stimmen ist traditionell der Sprecher. Thomas Darnstädt, bislang KG-Geschäftsführer und Madrid-Korrespondent, ist weiter im Gespräch für die Position. „Darnstädt ist aber kein Favorit. Dafür ist die Lage derzeit zu unübersichtlich“, sagte ein Insider.

Sollte Darnstädt erneut gewählt werden, entstünde für Aust eine unbequeme Situation. Denn der Journalist gilt seit Jahren als scharfer Kritiker des Chefredakteurs. So hatte unter seiner Führung die Mitarbeiter-KG Ende 2004 dafür gesorgt, dass der 60-jährige Redaktionschef keinen neuen Fünfjahresvertrag erhielt. Stattdessen wurde sein Vertrag um drei Jahre verlängert mit einer Option auf zwei weitere Jahre.

Angefangen hatte der Streit zwischen Darnstädt und Aust im Oktober 2005. Damals hatten die Mitarbeiter-KG und die Augstein-Erben eine Diskussion über Qualitätsmängel bei Deutschlands Vorzeigeblatt losgetreten. Sie forderten deshalb Aust auf, hierzu auf einer Gesellschafterversammlung Stellung zu beziehen. Doch Aust lehnte ab. Er verwies die Gesellschafter auf Redaktionsstatuten, die eine journalistische Unabhängigkeit der Redaktion garantieren.

Aust war bereits 1994 unter turbulenten Umständen beim „Spiegel“ an die Macht gekommen. So hatte sich die Mehrheit der „Spiegel“-Redakteure gegen die Absetzung des damaligen Chefredakteurs Hans Werner Kilz gestemmt. Als Rudolf Augstein allerdings mit seinem Rückzug als Herausgeber und Geschäftsführer drohte, knickten die Mitarbeiter ein.

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