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21.02.2016

12:19 Uhr

Mobile World Congress in Barcelona

Wasserdichte Smartphones und superschnelle Netze

VonIna Karabasz, Christof Kerkmann

Telefone mit Spritzschutz, Fahrräder mit digitalem Doppelgänger und kostenloses Internet mit einem Haken: Auf dem Mobile World Congress zeigt die Mobilfunkbranche ihre Neuigkeiten. Was Sie im Blick haben müssen.

Auf Tauchstation: Dieses Smartphone ist wasserdicht. Gerüchten zufolge will auch Samsung das neue Galaxy S7 gegen Feuchtigkeit schützen. dpa

Wasserdichtes Smartphone

Auf Tauchstation: Dieses Smartphone ist wasserdicht. Gerüchten zufolge will auch Samsung das neue Galaxy S7 gegen Feuchtigkeit schützen.

BarcelonaEs ist das wichtigste Ereignis des Jahres für die Mobilfunkbranche: Auf dem Mobile World Congress in Barcelona, kurz MWC, zeigen die Unternehmen ihre Neuigkeiten und reden über Trends. Dabei geht es beileibe nicht immer harmonisch zu. Ob Smartphones mit Wärmebildkamera, vernetzte Fahrräder oder superschneller Datenfunk – hier bekommen Sie einen Überblick über die wichtigsten Trends.

Internet der Dinge: Funkende Fahrräder und Flaschen

Dicke Reifen, dicke Feder – und ein dicker Strang Kabel: Dieses Fahrrad ist vernetzt. Zahlreiche Sensoren messen, welchen Belastungen es ausgesetzt ist, und funken die Daten an den Hersteller. Der wiederum kann auswerten, welche Teile schnell verschleißen und gleich einen Reparaturservice anbieten.

Mit diesem Prototypen will die US-Firma PTC zeigen, welche Vorzüge das Internet der Dinge hat, also die Vernetzung von Gegenständen. Es ist eines der Hype-Themen in der Technologiebranche. Nach einer Prognose des Analystenhauses Gartner werden bis Ende des Jahres 6,4 Milliarden Geräte mit dem Netz verbunden sein. Das hat zum einen damit zu tun, dass die Technik es ermöglicht – Chips, Sensoren und Funkmodule werden immer billiger und besser. Zum anderen versprechen sich die Anbieter neue Erlösmodelle.

Das Internet der Dinge

Alltägliche Objekte im Netz

Das Internet ist bekannt als Infrastruktur, über die Menschen Daten austauschen – ob mit dem PC, Laptop oder Smartphone. Es geht also letztlich um Computer, die miteinander kommunizieren. Doch heutzutage lassen sich immer mehr Objekte vernetzen: Heizung und Haustür, T-Shirt und Brille, Auto und Heizung.

Eine Sache, viele Begriffe

Den Begriff „Internet der Dinge“ prägten Wissenschaftler am Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Boston Ende der 90er Jahre. Es kursieren aber viele Begriffe. „Industrial Internet“ betont die wirtschaftliche Bedeutung, „Machine to Machine“ (abgekürzt M2M) beschreibt eher technisch, dass Geräte autonom Daten austauschen.

Einsatz in der Wirtschaft

Bislang ist das Internet der Dinge vor allem eine Sache der Wirtschaft: Logistikunternehmen verfolgen beispielsweise den Weg von Lieferungen. Technologie-Hersteller bringen aber zunehmend auch Produkte für Verbraucher auf den Markt, etwa Heizungssteuerungen.

Mini-Computer und Funkantenne

Vernetzte Objekte benötigen eine Art Mini-Computer und eine Funkantenne, außerdem Sensoren – im Fall einer Heizungssteuerung etwa, um die Temperatur zu messen. Diese Komponenten sind in den vergangenen Jahren so geworden, dass immer neue Einsatzgebiete in Frage kommen.

Sextillionen von Adressen

Damit vernetzte Objekte übers Internet gesteuert werden können, muss man sie eindeutig ansprechen können. Ein neuer Standard namens IPv6 soll dafür sorgen, dass auch im Zeitalter vernetzter Autos und Heizungen genügend IP-Adressen vorhanden sind – es sind 340 Sextillionen, also eine 340 mit 36 Nullen.

Markt mit Riesenpotenzial

Es ist schwierig, den Vernetzungstrend in Zahlen zu fassen, der Markt ist noch zu jung. Der Marktforscher Gartner wagt die Prognose, dass bis 2020 rund 26 Milliarden Geräte im Internet der Dinge sind – PCs, Tablets und Smartphones sind darin nicht eingeschlossen. Der Umsatz mit Produkten und Diensten werde auf mehr als 300 Milliarden Dollar wachsen. Noch optimistischer ist der Netzwerkausrüster Cisco, der bis dahin 50 Milliarden vernetzte Geräte erwartet.

Diskussion über Datenschutz

Der Siegeszug der vernetzten Geräte dürfte einige Diskussionen über den Datenschutz nach sich ziehen. Ein Beispiel: Darf eine Versicherung die Bewegungsdaten eines Autobesitzers auswerten, um den Tarif ans Fahrverhalten anzupassen? Oder darf die Polizei nach einem Unfall überprüfen, ob der Fahrer zu schnell war?

Vernetzen lässt sich im Prinzip alles, von der Flasche über das Fahrrad bis zur Fabrik. Die Entwicklung steht noch am Anfang, doch die Erwartungen sind hoch. Zahlreiche Unternehmen zeigen auf dem MWC, wie es gehen kann: Da sind Gerätehersteller, die Produkte vernetzen. Netzbetreiber, die die Infrastruktur für den Datenaustausch aufbauen. Softwarespezialisten, deren Algorithmen die riesigen Datenmengen analysieren. Und Systemintegratoren, die alles zusammenbringen.

Vernetzung: Internet für alle?

Es dürfte einer der meistbeachteten, aber auch meistdiskutierten Auftritte auf dem MWC sein: Mark Zuckerberg wird wie im Vorjahr auf die große Bühne kommen und aller Voraussicht nach für sein Lieblingsprojekt „Free Basics“ werben. Der Facebook-Chef will damit Menschen in Schwellenländern ohne Internetzugang ermöglichen, einige Anwendungen kostenlos zu verwenden – darunter natürlich Facebook.

Mit diesem Vorhaben stößt der junge Unternehmer jedoch auf massiven Widerstand. Einerseits bei den Netzbetreibern, ohne deren Infrastruktur es nicht geht. Für sie ergibt eine Kooperation mit dem Internetriesen nur Sinn, wenn ausreichend Nutzer sich entschließen, über die „Free Basics“ hinaus einen kostenpflichtigen Vertrag abzuschließen. Andererseits bei den Befürwortern der sogenannten Netzneutralität: Sie fordern den diskriminierungsfreien Zugang zum Internet, ohne dass Facebook oder jemand anders die Inhalte vorgibt. Jüngst hat die Telekommunikationsregulierung in Indien das Projekt verboten.

In Barcelona wird Zuckerberg also weiter überzeugen müssen. Die Auseinandersetzung steht stellvertretend für den Konflikt zwischen Netzbetreibern und Internetkonzernen, der seit Jahren schwelt und auch bei der Messe immer wieder auflodert.

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