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30.06.2012

17:48 Uhr

Mobile Zahlsysteme

Telefonkonzerne greifen Kreditbranche an

VonChristoph Schlautmann

Für Telefonkonzerne ist es ein lukratives Geschäftsfeld: Kunden können dann mit dem Smartphone im Einzelhandel zahlen. Die Finanzdienstleister fühlen sich bedroht - sie basteln bereits an einem Gegenschlag.

Neue Bezahlstrategien, die von Anbietern wie PayPall und Google angeboten werden. dpa

Neue Bezahlstrategien, die von Anbietern wie PayPall und Google angeboten werden.

FrankfurtDie Ankündigung des O2-Mobilfunkbetreibers Telefónica dürfte in den Chefetagen von Mastercard und Visa für blankes Entsetzen sorgen. "Ich gehe davon aus", sagt Sparten-Geschäftsführer Michiel van Eldik, "dass Kunden bereits im nächsten Jahr ihre Kreditkarte zu Hause lassen". Stattdessen, glaubt der Holländer, werden sie dann ihre Rechnungen per Handy bezahlen.

Spätestens bis Jahresende, versichert van Eldik, werden die ersten deutschen Einzelhändler die notwendigen Geräte aufgestellt haben. Die Namen möglicher Partner sind noch geheim, man sei aber mit vielen Händlern im Gespräch. "Unser Bezahlsystem stößt im Handel auf großes Interesse", heißt es bei O2.

Den Kreditkartenfirmen will O2 die Kunden mit dem Bezahlsystem "Mpass" abspenstig machen, das seit 2010 mit Deutscher Telekom und Vodafone entwickelt wurde und nun als eigenständige Firma vor der Ausgründung steht. Handynutzer sollen damit künftig an der Ladentheke kontaktlos Rechnungen begleichen, indem sie ihr Gerät in die Nähe eines Kartenlesers halten.

Für den Datenaustausch zwischen Kasse und Kundenkonto sorgt die Kurzstrecken-Funktechnologie "Near Field Communication" (NFC), die Zahlung erfolgt über Lastschriftverfahren. Um die Sicherheit zu maximieren, entwickelte die Münchener Sicherheitsfirma Giesecke & Devrient (G&D) eine neue Generation von SIM-Karten. Notfalls reicht ein kleiner Zusatzaufkleber auf dem Handy.

Die Kartenfirmen sind allerdings nicht bereit, sich tatenlos die Butter vom Brot nehmen zu lassen. "Für uns ist das kontaktlose Bezahlen ein Teil der Wachstumsstrategie", zeigt sich Mastercard-Deutschland-Chef Christian Stolz kämpferisch.

Gestern kündigte Mastercard an, ab Spätsommer selbst mit einem Bezahl-Handy auf den deutschen Markt zu kommen, mit dem Beträge unter 25 Euro kontaktlos und ohne PIN von der Kreditkarte abgebucht werden können. Als Kooperationspartner sind E-Plus und die Targobank vorgesehen.

Im Abwehrkampf wähnt sich der Kreditkartenriese vorn. Immerhin, sagt Stolz, gebe es derzeit nicht nur weltweit 100 Millionen Paypass-fähige Karten, sondern auch über 400 000 Kontaktlos-Terminals im Einzelhandel - mit zunehmendem Anteil auch in Deutschland.

Kommentare (7)

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Maximilian.Baehring

30.06.2012, 18:38 Uhr

[+++ Beitrag von der Redaktion gelöscht +++]

Coza

30.06.2012, 22:04 Uhr

Als Kunde werde ich mich hüten, ein belegloses Zahlungsmittel zu nutzen. Abgesehen von den Gefahren der Funkübertragung.

barheine

01.07.2012, 08:28 Uhr

Bei einer Reichweite von NFC von lediglich vier Zentimetern mache ich mir um die Sicherheit wenig sorgen, dass meine Daten ausspioniert werden könnten. Außerdem sollen per NFC nur kleine Beträge mit dem Handy beglichen werden können. Wenn die Beträge allerdings aus Sicherheitsgründen so klein sind (bei den Sparkassen sind es maximal 20 Euro), dass ich noch nicht einmal meinen Wocheneinkauf damit bezahlen kann, ist das Verfahren relativ witzlos. 50 bis 100 Euro dürften es schon sein.

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