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26.11.2013

20:01 Uhr

Mobiles Bezahlen

Wenn das Gesicht zum Portemonnaie wird

VonChristof Kerkmann

Der Zahlungsdienstleister Paypal will Bargeld und Kreditkarte abschaffen. Mit Experimenten sucht die Ebay-Tochter nach der Formel für das Bezahlen 2.0. Abgerechnet wird sogar per Gesicht.

Das Internet ist nicht genug: Paypal bietet Bezahltechnologie fürs Smartphone an. dpa - picture-alliance

Das Internet ist nicht genug: Paypal bietet Bezahltechnologie fürs Smartphone an.

BerlinWenn ein Berliner Hipster am Rosenthaler Platz in Berlin-Mitte Latte Macchiato trinken will, muss er dafür künftig nicht mehr das Portemonnaie aus der Gesäßtasche der engen Jeans ziehen. In einem Pilotprojekt führen zwölf Restaurants und Cafés in dem angesagten Kiez das Bezahlen per Smartphone ein – mit Unterstützung des Zahlungsdienstleisters Paypal.

Für das Unternehmen ist es ein Feldversuch von vielen. „Man muss auf breiter Front experimentieren“, sagt Deutschland-Chef Arnulf Keese in Gespräch mit Handelsblatt Online. Das mobile Bezahlen ist derzeit zwar nur etwas für die digitale Avantgarde. Doch je mehr Menschen ein Smartphone in der Tasche haben, desto häufiger wird der kleine Alleskönner auch Bargeld und Kreditkarte ersetzen. Für diese Zukunft will sich die Ebay-Tochter rüsten – und damit ihre üppigen Gewinne sichern.

Arnulf Keese über das mobile Bezahlen:  „Man muss auf breiter Front experimentieren.“ Paypal

Arnulf Keese über das mobile Bezahlen: „Man muss auf breiter Front experimentieren.“

In dem Projekt am Rosenthaler Platz experimentiert Paypal mit einem sogenannten Check-In: Der Nutzer sieht in der Smartphone-App des Unternehmens, welche Restaurants in der Nähe das System unterstützen. In der Software gibt er auch an, wenn er ein Geschäft betritt. Das Personal bekommt dann das Foto des Nutzers auf einem Tablet-Computer eingeblendet – und kann die Einkäufe an der Kasse mit einem Fingerzeig bestätigen. Das Geld wird dann automatisch beim Käufer abgebucht. Partner bei dem Projekt ist Orderbird, ein Anbieter von iPad-Kassensystemen für die Gastronomie.

Mobile Bezahlsysteme fürs Smartphone

Square

Der Vorreiter ist Square: Das US-Unternehmen, hinter dem Twitter-Gründer Jack Dorsey steckt, bietet sein Adapter für Smartphones und Tablet-Computer seit Mai 2010 in den USA an. Zu den Geldgebern gehören neben namhaften Risikokapitalgebern auch der Kreditkarten-Gigant Visa und die Kaffeekette Starbucks, die das System in ihren Geschäften einsetzt. In Europa bietet Square seine Dienste aber noch nicht an.

iZettle

Das schwedische Unternehmen iZettle ging im Mai 2011 an den Start. Es ist bislang vor allem in Europa tätig, macht Square aber seit Juni 2013 aber auch in dessen Hinterhof Mexiko Konkurrenz. Zu den Geldgebern zählen die Kreditkarten-Riesen American Express und Mastercard, außerdem die spanische Großbank Banco Santander und der skandinavische Finanzkonzern SEB. Die Deutsche Telekom und die Volksbanken vertreiben das Lesegerät in Deutschland. iZettle hat nach eigenen Angaben „weit mehr als 100.000 Nutzer“ in Europa.

Payleven

Payleven stammt aus dem Umfeld der Berliner Startup-Schmiede Rocket Internet, mit der die Gebrüder Samwer zahlreiche Unternehmen gründen oder unterstützen. Über die Investment-Firma halten sie etwas mehr als 50 Prozent der Anteile. Zu den weiteren Investoren zählen Holtzbrinck Ventures und New Enterprise Associates. Der Bezahldienstleister hat mit Apple einen prestigeträchtigen Vertriebspartner gewinnen können, die Lesegeräte werden europaweit in den Apple Stores und online verkauft. Im Handel ist das System unter anderem bei Metro Cash & Carry, Selgros und Schaper erhältlich.

Das Bezahlsystem ist seit August 2012 auf dem Markt, in Deutschland wie auch in etlichen anderen Ländern in Europa. Zu Nutzerzahlen und Umsatz äußert sich das Unternehmen nicht.

Das Chip-Lesegerät kostet einmalig 99 Euro plus Mehrwertsteuer, Die Gebühren betragen 0,95 Prozent der Summe mit EC- und Debitkarten sowie 2,75 Prozent der Summe bei Zahlung mit Kreditkarte.

SumUp

Der Berliner Mobil-Bezahldienst SumUp ist in Deutschland seit August 2012 am Start. Das Unternehmen ist außerdem in Ländern wie Großbritannien, Frankreich und Italien aktiv, ebenso in Russland.

Zu den Investoren gehören der Kreditkarten-Riese American Express und das Gutschein-Portal Groupon – sie investierten einen zweistelligen Millionenbetrag. Auch die spanische Großbank BBVA hat sich beteiligt. Zu den deutschen Kapitalgebern zählen die Beteiligungsgesellschaften b-to-v Partners, Shortcut Ventures und Tengelmann Ventures sowie der Investor Klaus Hommels.

Das Kartenlesegerät gibt SumUp in Deutschland derzeit kostenlos ab, pro Transaktion werden 2,75 Prozent Gebühr fällig. Darüber hinaus gibt es eine „EC-Flatrate“, bei der für rund 30 Euro im Monat ein Umsatz von bis zu 5000 Euro mit EC-Karten inklusive ist.

Wie viele Geräte im Einsatz sind, legt das Unternehmen nicht offen, ebenso wenig den Umsatz.

Streetpay

Hinter der Firma Streetpay steckt die Firma Masterpayment AG aus Starnberg. Sie brachte im Juni 2012 ihr Bezahlsystem auf den Markt. Insgesamt 3000 Geräte sind nach Unternehmensangaben in regelmäßiger Verwendung. Beim Vertrieb arbeitet sie unter anderem mit dem Mobilfunker E-Plus zusammen. Ein Schwerpunkt des Geschäfts liegt im Nahen Osten, wo lokale Firmen die Lesegeräte vertreiben. Kein Wunder: Die königliche Familie von Abu Dhabi hält 33 Prozent der Anteile. Der Rest gehört den Gründern und dem Management.

Streetpay bietet unterschiedliche Geräte an, im günstigsten Fall kostenlos. Pro Transaktion werden bis zu 2,7 Prozent fällig. Das Unternehmen peilt nach eigenen Angaben einen Jahresumsatz von drei Millionen Euro an, das Volumen an abgewickelten Zahlungen wächst demnach von Quartal zu Quartal um 100 bis 150 Prozent.

Wirecard AG

Das deutsche Unternehmen Wirecard AG ist mit Systemen für Zahlungsverkehr und Risikomanagement groß geworden. Jetzt bietet es als White-Label-Lösung auch ein Kartenlesegerät an, das andere Unternehmen unter eigener Marke vermarkten. So stattet der Dienst MyTaxi seit März 2013 Fahrer in Deutschland, Spanien und den mit dem Terminal aus.

Paypal

Die Ebay-Tochter Paypal gehört zu den großen Zahlungsdienstleistern im Internet, will aber auch außerhalb der virtuellen Welt expandieren. Das Aufstecksystem Paypal Here wird bislang allerdings noch nicht in Deutschland vertrieben.

Orderbird

Auf Restaurants, Bars und Diskotheken ist der Kassensystemhersteller Orderbird spezialisiert – auch eine Aufstecklösung für mobile Geräte hat er im Angebot. Bei EC-Kartenzahlungen wird eine Gebühr von 1,7 Prozent fällig, bei Kreditkartenzahlungen 2,7 Prozent. Dabei gebe es weder eine Mindestvertragslaufzeit noch eine Grundgebühr, teilt das Unternehmen mit. Für die Profilösung my.orderbird werden 39 Euro im Monat fällig.

Pilotprojekte rund ums mobile Bezahlen gibt es auch in anderen Städten. In Oldenburg haben 32 Händler die Produkte im Schaufenster mit QR-Codes versehen – so können bummelnde Passanten nach Ladenschluss per Smartphone bestellen. Gerade in Deutschland seien die Pixelquadrate beliebt, sagt Keese: „Das ist eine Brückentechnologie, die man anfassen und auch in Zeitungen und Magazinen nutzen kann.“

Dagegen zögert Paypal noch mit der Einführung eines Aufsteck-Gerätes, das Händlern erlaubt, Smartphones und Tablets zur Kasse aufzurüsten. In den USA ist das System Here bereits auf dem Markt, in Großbritannien testet das Unternehmen ein Lesegerät für Karten mit Chip, die in Europa zum Einsatz kommen. Kunden können damit ihre Rechnung mit der Kreditkarte direkt auf dem Smartphone des Kellners bezahlen. Ob Here auch in Deutschland herauskommt, lässt Keese offen. Die Deutschen gelten als Kartenmuffel.

Kommentare (8)

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Sir_Walter

26.11.2013, 20:12 Uhr

Ohne mich

Paypal_Sucks

26.11.2013, 20:19 Uhr

Paypal hat zurecht immer wieder Ärger mit Kartellamt und Verbraucherklagen wegen monopolistischen Gebarens und Knebel-AGBs !!!
Paypal kassiert horrende Gebühren, z.B. bei Ebayern 4% vom Verkaufspreis.
Paypal limitiert auch willkürlich den Kontozugang, wenn Guthaben irgendwelche imaginären Höhenschwellen überschreiten, Kontos wildfremder Teilnehmer irrtümlich miteinander verknüpft werden (das machen die teils aus Kontrollgründen, da Paypal zum Tummelplatz von sowohl Kleingaunern und internatonalen Geldwäschern geworden ist), etc.
Verbraucher-Guthaben unterliegen NICHT der deutschen Einlagensicherung, obwohl Paypal sich zur Bank erklärt hat.
Zuständig ist die laxe Luxemburger Bankenaufsicht CSSF, Commission de Surveillance du Secteur Financier, 110, route d’Arlon, L-2991 LUXEMBOURG, die auch Beschwerden entgegennimmt.

sfsdf

27.11.2013, 07:56 Uhr

Ich finde es schon erstaunlich dass die Banken in Deutschland (noch DEM Onlinemarkt europas schlecht hin) nicht in der Lage sind ein so ein Zahlsystem zu etablieren dass als sicher und von jedem risikolos verwendbar gilt. Ein Schritt in diese Richtung wäre die Summen sofort nach Überweisung am Empfängerkonto gutzuschreiben.
Mich würde sehr interessieren wo hier die Probleme liegen. Paypal ist die Geldsau von Ebay, dort wird aktuell Geld geschäffelt. Sind den Banken 3% zu wenig? Oder ist das Kartellamt dagegen?

Ich hasse diese amerikanischen Firmen die nur deshalb profitabel sind weil sie es aus den Mitarbeitern rausquetschen. Mit scientology Methoden versuchen diese Jungstudenten Systeme zu etablieren die vorne und hinten nicht funktionieren und wenn dann nur aufgrund Monopolistischer Strukturen. Wir hätten ebay schon längst den Rücken gelehrt würde es neben Amazon (80% Mehr Umsatz) eine Alternative geben. Das Systemversagen vom 15.08.2013 mit fast 7 Wochen Instandsetzung hat einigen Händlern schwer geschadet.

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