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17.01.2007

09:55 Uhr

Mobilfunk

Drillisch erwägt Aktientausch

VonGregory Lipinski

Der Mobilfunkanbieter Drillisch strebt im Rahmen eines Aktientausches einen engeren Verbund mit Telunico an, die aus der bevorstehenden Fusion von Mobilcom mit Freenet hervorgeht. Ob Drillisch allerdings als Partner bei Telunico auf Zustimmung trifft, ist fraglich.

HAMBURG. „Wenn Telunico sich für eine Konsolidierung im Markt entscheidet, kann ich mir durchaus vorstellen, Drillisch auch im Rahmen eines Aktientausches einzubringen“, sagte Drillisch-Vorstandschef Paschalis Choulidis. Voraussetzung hierfür sei aber, dass Drillisch als strategischer Partner bei Telunico erwünscht ist.

Dies ist fraglich. Denn Mobilcom-Chef Eckhard Spoerr hatte bereits im vergangenen Jahr durchblicken lassen, dass er den Konkurrenten bei Mobilcom nicht im Boot haben will. Drillisch-Chef Choulidis hatte hingegen mehrfach damit geliebäugelt, unter dem Dach von Mobilcom die Konsolidierung des deutschen Mobilfunkmarktes vorzutreiben. Der Serviceprovider hatte sich deshalb 2006 an Mobilcom mit mehr als zehn Prozent beteiligt und sukzessive weitere Anteile dazugekauft. Sollte die Fusion von Mobilcom und Freenet Ende Februar vollzogen sein, würde dieser Anteil auf gut fünf Prozent an dem neuen Unternehmen betragen. Ein Mobilcom-Sprecher wollte sich hierzu nicht äußern.

Nach einer einjährigen Hängepartie war am gestrigen Dienstag der Weg für die Verschmelzung von Mobilcom und Freenet frei gemacht worden, nachdem sich der Vorstand mit dem letzten Fusionsgegner geeinigt hatte. Mit der Verschmelzung erhöht der Mobilcom-Chef seinen finanziellen Spielraum. Bereits Ende September vergangenen Jahres bewegten sich die Barmittel auf mehr eine halbe Mrd. Euro zu. Neuere Angaben zum Nettofinanzvermögen will ein Mobilcom-Sprecher aber derzeit nicht machen, da der Abschluss für das Jahr 2006 noch erstellt wird. Analysten gehen davon aus, dass Spoerr die freien Kapitalmittel nicht für weitere Zukäufe einsetzen wird.

„Ich halte es für wahrscheinlicher, dass es zu einer großen Sonderausschüttung kommt als zu einer Akquisition“, sagt Frank Rothauge, Analyst bei der Kölner Privatbank Sal. Oppenheim. In Aktionärskreisen von Mobilcom war in den vergangenen Monaten bereits befürchtet worden, dass der Mobilcom-Großaktionär Texas Pacific Group (TPG) auf eine Sonderausschüttung drängt. Damit wolle der Finanzinvestor sein millionenschweres Engagement refinanzieren, hieß es. TPG hatte dies stets zurückgewiesen. Die Amerikaner sind an Mobilcom mit 28 Prozent beteiligt.

Sollte TPG dennoch auf eine Sonderausschüttung drängen, dürfte Telunico langfristig zum Übernahmekandidaten werden, meinen Analysten. Denn das Unternehmen verfüge in diesem Fall nicht über den finanziellen Spielraum, um auf dem wachstumsträchtigen Markt für schnelle Internetzugänge (DSL) attraktive Zukäufe zu tätigen. Doch Akquisitionen seien notwendig, um deutlich Marktanteile zu gewinnen, meinen Analysten. 2006 hatte sich Spoerr vergeblich bemüht, Teile von AOL Deutschland zu übernehmen. Am Ende machte die Telecom-Italia-Tochter Hansenet das Rennen.

Vorsichtig äußert sich hingegen Jochen Reichert, Analyst bei SES Research, über die Zukunft der Telunico. „Ich gehe davon aus, dass sich der Vorstand im Herbst dieses Jahres entschieden wird, ob es eine Sonderausschüttung gibt oder weitere Akquisitionen getätigt werden“, sagt Reichert. Er hält die Mobilcom-Aktie für fair bewertet und nennt ein Kursziel von 22,80 Euro.

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