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24.02.2015

09:18 Uhr

Mobilfunkkonzern in Deutschland

E-Plus-Kauf drückt Telefónica tief ins Minus

Mehr als acht Milliarden Euro hat sich Telefónica den Kauf von E-Plus kosten lassen. Die Folge sind rote Zahlen im Jahr 2014 in Deutschland. Trotzdem können sich die Aktionäre freuen.

Telefónica Deutschland belastete der Kauf mit Restrukturierungskosten in Höhe von mehr als 400 Millionen Euro. dpa

Die Marke E-Plus wird es bald nicht mehr geben

Telefónica Deutschland belastete der Kauf mit Restrukturierungskosten in Höhe von mehr als 400 Millionen Euro.

FrankfurtDer Telekomkonzern Telefónica Deutschland rutscht wegen der Kosten für den Kauf des Rivalen E-Plus tief in die roten Zahlen. Unter dem Strich habe 2014 ein Fehlbetrag von 721 Millionen Euro gestanden nach 78 Millionen Euro Überschuss im Jahr zuvor, teilte die unter der Marke O2 bekannte Telefónica Deutschland am Dienstag mit. Die Sonderbelastungen für die Restrukturierung beliefen sich allein auf gut 410 Millionen Euro.

Der Großteil der Summe entfalle auf Ausgaben für den bereits bekannten Abbau von 1600 Stellen der insgesamt 9000 Jobs im Konzern. Trotzdem zahlt der Konzern eine Dividende in Höhe von mindestens 700 Millionen Euro für 2014 - je Aktie sind das 24 Cent.

Anleger zeigten sich erfreut: Im TecDax schossen Telefónica Deutschland trotz des Gewinneinbruches um 8,4 Prozent nach oben.

Was die Fusion von E-Plus und O2 für den Kunden bedeutet

Worum geht es?

Die niederländische KPN verkauft ihre Tochter E-Plus an Telefónica Deutschland. Das wurde bereits im Juli 2013 angekündigt. Telefónica Deutschland gehört seinerseits zum spanischen Telefónica-Konzern und bietet vor allem die Mobilfunk-Marke O2 an. „Das neue Unternehmen wird erhebliche Größen- und Effizienzvorteile erzielen“, erklärte Telefónica Deutschland am Mittwoch. Abgeschlossen sein soll der Kauf voraussichtlich bis Ende September.

Wie viele Mobilfunkanbieter gibt es jetzt noch?

Von den großen Anbietern, die ein eigenes Mobilfunknetz besitzen, gibt es in Deutschland künftig nur drei statt vier. Neben Telefónica Deutschland sind dies die Deutsche Telekom und Vodafone. Allerdings gibt es noch viele weitere Mobilfunkmarken. Sie gehören entweder auch zu diesen großen Konzernen oder zu anderen Anbietern. Diese Anbieter leihen sich sozusagen das Netz von den Großen und bieten dann den Endkunden eigene Verträge an. Außerdem könnte sich künftig nach Einschätzung der EU-Kommission auch wieder ein weiterer Anbieter mit eigenem Netz etablieren.

Was bedeutet der Wegfall eines so großen Unternehmens?

Die EU-Kommission hatte bei der Fusion zunächst Bedenken. Sie befürchtete, die Konzentration könne dazu führen, dass sich die verbleibenden Firmen nicht mehr so hart bekriegen - was für die Kunden schlecht wäre, die gerade vom Wettbewerb Vorteile haben. Deshalb hat die EU-Behörde eine ganze Reihe Auflagen für die Fusion gemacht. Dazu gehört zum Beispiel, dass Telefónica 30 Prozent der Netzkapazitäten des neuen Unternehmens verkaufen muss.

Reichen die Auflagen aus?

Die EU-Kommission sagt Ja: „Verbraucher werden weiterhin in den Genuss der Vorteile eines wettbewerbsorientierten Marktes kommen“, kündigte Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia an. Der auf die Branche spezialisierte Professor Torsten J. Gerpott von der Universität Duisburg-Essen hält die Auflagen dagegen für ungenügend. Sie dienten als „Deckmäntelchen“ für eine industriefreundliche und verbraucherfeindliche Politik der Kommission, sagte er AFP. Auch Ilja Braun von der Verbraucherzentrale Bundesverband warnt: „Eine Konzentration im Markt birgt für Verbraucher immer Gefahren.“

Steigen jetzt die Preise?

Das ist nicht ausgeschlossen. Zwar seien kurzfristig keine Preissteigerungen zu befürchten, glaubt Gerpott. Er verweist aber zugleich auf Österreich, wo es vor 18 Monaten eine vergleichbare Übernahme gab. Dort seien „die Preise nicht mehr so schnell gefallen und zum Teil sogar gestiegen“. Das könnte mittelfristig auch in Deutschland passieren, meint der Wirtschaftsprofessor. Telefónica äußert sich nicht konkret zu Preisen. In einer Erklärung versichert das Unternehmen aber, „den Markt mit innovativen Produkten und Services (...) noch stärker herauszufordern.“

Ändern sich die bestehenden Mobilfunk-Verträge?

Bei bereits abgeschlossene Verträgen besteht kein Grund zur Sorge. „Bestehende Verträge ändern sich nicht“, sagte ein Sprecher von Telefónica Deutschland.

Verschwindet E-Plus jetzt ganz?

Ob die Marke E-Plus bestehen bleibt oder verschwindet, das lässt sich laut Telefónica Deutschland noch nicht sagen. Dafür müsse erst der Abschluss der Übernahme abgewartet werden.

Was kann noch passieren?

Denkbar sind laut Verbraucherschützer Braun, dass einige Billigmarken wegfallen, die bisher unter dem Dach von E-Plus und Telefónica angeboten werden. Ferner könnten auch Läden geschlossen werden. „Es macht keinen Sinn, dann einen O2-Laden neben einem E-Plus-Laden zu haben“, sagte Braun.

Der hohe Verlust ist eine Folge der 8,6 Milliarden Euro schweren Übernahme von E-Plus. Der Deal wurde nach Zustimmung der EU erst Anfang Oktober endgültig abgeschlossen. Mit 42 Millionen Handykunden ist das neue Unternehmen, das vom früheren E-Plus-Chef Thorsten Dirks geführt wird, noch vor der Deutschen Telekom und Vodafone der größte Mobilkonzern in Deutschland.

Für dieses Jahr erwartet Dirks zehn Prozent mehr Betriebsgewinn (OIBDA). 2014 lag die Kennzahl bei 679 Millionen Euro - das waren 45 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Der Umsatz stieg voriges Jahr um zwölf Prozent auf 5,5 Milliarden Euro.

Zuletzt hatte sich das Unternehmen mit den Arbeitnehmervertretern auf einen Sozialplan für den Abbau von 1600 Stellen bis zum Jahr 2018 geeinigt. Das Unternehmen bietet demnach betroffenen Mitarbeitern Abfindungszahlungen. Das Programm startet noch im laufenden Quartal. Telefónica Deutschland hatte seine Kürzungspläne im Herbst bestätigt. Vor alle gehe es darum, Doppelfunktionen abzubauen, die es nach der Übernahme von E-Plus im Konzern gebe.

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