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25.07.2014

07:06 Uhr

Mobilfunkmarkt

MediaSaturn greift nach dem Handymarkt

Die Übernahme von E-Plus durch den Konkurrenten O2 hat Verbraucherschützer auf den Plan gerufen. Sie bangen, um den Wettbewerb auf dem Mobilfunkmarkt. Nun steigt mit MediaSaturn ein weiterer Player in den Ring.

Einkauf-Apps von Saturn und Media Markt: Künftig bieten Media Markt und Saturn eigene Tarife auf dem umkämpften deutschen Mobilfunkmarkt an. dpa

Einkauf-Apps von Saturn und Media Markt: Künftig bieten Media Markt und Saturn eigene Tarife auf dem umkämpften deutschen Mobilfunkmarkt an.

IngolstadtMedia Markt und Saturn drängen mit eigenen Tarifen auf den umkämpften deutschen Mobilfunkmarkt. Wie andere Einzelhändler wollen auch die beiden Elektronikketten vor allem Kunden, die Vertragsbindungen und lange Laufzeiten scheuen, mit Prepaid-Tarifen ködern, also im Voraus bezahlten Angeboten. Aldi, Lidl oder auch der Kaffeeröster Tchibo haben ähnliche Tarife im Angebot. Seit Freitag haben Media Markt und Saturn einen ersten eigenen Smartphone-Tarif am Start, ein Datentarif für Tablet-Computer soll folgen, überhaupt soll das Angebot noch wachsen.

Es spricht also einiges dafür, dass trotz der inzwischen genehmigten Übernahme von E-Plus durch Telefónica Deutschland (O2) der Druck auf die Anbieter kaum nachlassen wird, denn der Kampf um den Kunden wird vor allem über den Preis entschieden. Im Schnitt hat nämlich jeder Deutsche bereits mehr als einen Mobilfunkvertrag, häufig geht es also vor allem darum, wechselwillige Kunden abzuwerben. Damit haben die Elektronikketten bereits Erfahrung, der Kooperationspartner Mobilcom Debitel bietet in den Filialen bereits Handytarife an, auch mit dem Verkauf von Smartphones und Tablets verdient die Metro-Tochter Geld.

Was die Fusion von E-Plus und O2 für den Kunden bedeutet

Worum geht es?

Die niederländische KPN verkauft ihre Tochter E-Plus an Telefónica Deutschland. Das wurde bereits im Juli 2013 angekündigt. Telefónica Deutschland gehört seinerseits zum spanischen Telefónica-Konzern und bietet vor allem die Mobilfunk-Marke O2 an. „Das neue Unternehmen wird erhebliche Größen- und Effizienzvorteile erzielen“, erklärte Telefónica Deutschland am Mittwoch. Abgeschlossen sein soll der Kauf voraussichtlich bis Ende September.

Wie viele Mobilfunkanbieter gibt es jetzt noch?

Von den großen Anbietern, die ein eigenes Mobilfunknetz besitzen, gibt es in Deutschland künftig nur drei statt vier. Neben Telefónica Deutschland sind dies die Deutsche Telekom und Vodafone. Allerdings gibt es noch viele weitere Mobilfunkmarken. Sie gehören entweder auch zu diesen großen Konzernen oder zu anderen Anbietern. Diese Anbieter leihen sich sozusagen das Netz von den Großen und bieten dann den Endkunden eigene Verträge an. Außerdem könnte sich künftig nach Einschätzung der EU-Kommission auch wieder ein weiterer Anbieter mit eigenem Netz etablieren.

Was bedeutet der Wegfall eines so großen Unternehmens?

Die EU-Kommission hatte bei der Fusion zunächst Bedenken. Sie befürchtete, die Konzentration könne dazu führen, dass sich die verbleibenden Firmen nicht mehr so hart bekriegen - was für die Kunden schlecht wäre, die gerade vom Wettbewerb Vorteile haben. Deshalb hat die EU-Behörde eine ganze Reihe Auflagen für die Fusion gemacht. Dazu gehört zum Beispiel, dass Telefónica 30 Prozent der Netzkapazitäten des neuen Unternehmens verkaufen muss.

Reichen die Auflagen aus?

Die EU-Kommission sagt Ja: „Verbraucher werden weiterhin in den Genuss der Vorteile eines wettbewerbsorientierten Marktes kommen“, kündigte Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia an. Der auf die Branche spezialisierte Professor Torsten J. Gerpott von der Universität Duisburg-Essen hält die Auflagen dagegen für ungenügend. Sie dienten als „Deckmäntelchen“ für eine industriefreundliche und verbraucherfeindliche Politik der Kommission, sagte er AFP. Auch Ilja Braun von der Verbraucherzentrale Bundesverband warnt: „Eine Konzentration im Markt birgt für Verbraucher immer Gefahren.“

Steigen jetzt die Preise?

Das ist nicht ausgeschlossen. Zwar seien kurzfristig keine Preissteigerungen zu befürchten, glaubt Gerpott. Er verweist aber zugleich auf Österreich, wo es vor 18 Monaten eine vergleichbare Übernahme gab. Dort seien „die Preise nicht mehr so schnell gefallen und zum Teil sogar gestiegen“. Das könnte mittelfristig auch in Deutschland passieren, meint der Wirtschaftsprofessor. Telefónica äußert sich nicht konkret zu Preisen. In einer Erklärung versichert das Unternehmen aber, „den Markt mit innovativen Produkten und Services (...) noch stärker herauszufordern.“

Ändern sich die bestehenden Mobilfunk-Verträge?

Bei bereits abgeschlossene Verträgen besteht kein Grund zur Sorge. „Bestehende Verträge ändern sich nicht“, sagte ein Sprecher von Telefónica Deutschland.

Verschwindet E-Plus jetzt ganz?

Ob die Marke E-Plus bestehen bleibt oder verschwindet, das lässt sich laut Telefónica Deutschland noch nicht sagen. Dafür müsse erst der Abschluss der Übernahme abgewartet werden.

Was kann noch passieren?

Denkbar sind laut Verbraucherschützer Braun, dass einige Billigmarken wegfallen, die bisher unter dem Dach von E-Plus und Telefónica angeboten werden. Ferner könnten auch Läden geschlossen werden. „Es macht keinen Sinn, dann einen O2-Laden neben einem E-Plus-Laden zu haben“, sagte Braun.

„Es haben noch immer nicht alle in Deutschland ein Smartphone oder einen Smartphone-Tarif. Da ist noch viel Luft nach oben“, sagt MediaSaturn-Deutschland-Chef Wolfgang Kirsch. „Für uns ist das Mobilfunkgeschäft in den vergangenen Jahren immer erfolgreicher geworden, wir haben stetig Marktanteile gewonnen, sowohl bei Hardware, als auch bei Tarifen“. Dabei habe man viel gelernt - und sich nun entschlossen, auch eigene Angebote an den Start zu bringen. Den harten Wettbewerb scheut Kirsch bei seinem Angriff auf andere Einzelhändler nicht. „Für uns ist egal, von wem die Marktanteile kommen, so lange die Anteile zu uns kommen.“

Darüber, wie viel Geld das Mobilfunkgeschäft bisher in die Kassen der beiden Ketten spült, schweigt sich Kirsch aus. Aber: „Das Geschäft ist sehr wichtig für uns und sehr profitabel.“ Auch über die Ziele, die sich Media Markt und Saturn zusammen mit ihrem Partner Mobilcom Debitel gesetzt haben, mag Kirsch nicht reden. Er geht aber nicht davon aus, dass die Übernahme von E-Plus durch O2 den Wettbewerb einfacher machen werde. „Der Wettbewerb hat sich ja in den vergangenen 12 Monaten schon verschärft. Und unser Tarif wird sicherlich dazu beitragen, dass es nicht wesentlich ruhiger wird.“

Für die großen Mobilfunker wird das Leben wohl nicht einfacher, denn sie stehen vor dringenden Milliardeninvestitionen in den Ausbau der Netze. Dabei spürt etwa O2 bereits in den letzten Quartalen einigen Gegenwind, der Umsatz pro Kunden sinkt. Die Fusion mit E-Plus soll vor allem helfen, die Kosten zu senken. Das gilt auch für den demnächst einverleibten Rivalen. Rund fünf Milliarden Euro wollen die beiden Firmen durch die Übernahmen langfristig einsparen. Gleichwohl warnten Verbraucherschützer und das deutsche Kartellamt davor, dass die Fusion den Druck von den Preisen nehmen könnte.

Der Verbraucherzentrale Bundesverband in Berlin befürchtet vor allem, dass durch den Zusammenschluss etliche der Billigmarken etwa von E-Plus verschwinden könnten. Die hatten die Preiskampf zuletzt noch weiter verschärft. Auch die deutsche Monopolkommission hat Sorge, dass mit E-Plus gerade der Anbieter verschwindet, der in der Vergangenheit oft als Preisbrecher aufgefallen ist. Kirsch sieht das anders. „Ich sehe keine Beruhigung bei der Entwicklung der Mobilfunkpreise in absehbarer Zeit“. Und er hält den Kuchen für so groß, dass für Media Markt und Saturn noch genug übrig ist.

Von

dpa

Kommentare (1)

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Herr Nicht - Dumm

25.07.2014, 10:43 Uhr

Der Tag wird kommen, an dem die Menschheit es bereut, den Konsum der Droge Smartphone nicht rechtzeitig bekämpft zu haben. Aber dann ist es zu spät und die Menschlein werden ohne den starren Blick auf ihr Display nicht einmal mehr auf dem Klo ihre Geschäfte verrichten können.

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