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16.06.2012

11:17 Uhr

Mögliches Comeback

Ex-Chef will britischen Telekom-Ableger kaufen

VonMichael Maisch

Eigentlich hatte Tom Alexander seinen Job als Chef bei Everything Everywhere an den Nagel gehängt. Doch der verfrühte Ruhestand bekommt dem Veteranen der britischen Telekomindustrie wohl nicht. Ein Comeback ist geplant.

Eine britische Telefonzelle vor dem Parlament in London. Reuters

Eine britische Telefonzelle vor dem Parlament in London.

LondonAls Tom Alexander im vergangenen Jahr seinen Job als Chef des größten britischen Mobilfunkers Everything Everywhere aufgab, wollte er sich stärker um seine Familie kümmern. Er ging in Frührente. Aber offenbar bekommt dem Manager der Ruhestand nicht. Nach Informationen aus Branchenkreisen arbeitet Alexander seit Monaten an einem Plan, seinen ehemaligen Arbeitgeber zu übernehmen, und Everything Everywhere den beiden Eigentümern Deutsche Telekom und France Telecom abzukaufen.

Den Informationen zufolge verhandelt Alexander mit einer Reihe von Beteiligungsgesellschaften darunter KKR und Apax, um eine Offerte mit einem Wert von rund acht Milliarden Pfund auf die Beine zu stellen. Die Gespräche mit den Finanzinvestoren seien bereits weit fortgeschritten, eine Reihe größerer Banken sei grundsätzlich bereit, die für die Finanzierung des Deals nötigen Kredite bereitzustellen, heißt es. Allerdings könne die allemeine Verunsicherung durch die Eurokrise das geplante Angebot noch verhindern. Außerdem ist noch nicht klar, wie groß die Verkaufsbereitschaft von Deutscher Telekom und France Telecom tatsächlich ist. Die Telekom will die Pläne nicht kommentieren und lässt nur wissen, dass sie mit der Entwicklung des Joint Ventures zufrieden sei.

Everything Everywhere entstand Mitte 2010 als Deutsche Telekom und France Télécom ihre britischen Mobilfunktöchter T-Mobile und Orange zusammenführten. Das Joint Venture, das den beiden Partnern zu gleichen Teilen gehört wurde damit zum nationalen Marktführer mit mehr als 27 Millionen Kunden, rund der Hälfte der britischen Bevölkerung. Trotz der Fusion halten die beiden Partner aber noch an den Altmarken Orange und T-Mobile fest, was nach Ansicht von Analysten unnötig hohe Kosten verursacht.

Im vergangenen Jahr seigerte Everything Everywhere das Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) um 2,4 Prozent auf 1,4 Milliarden Pfund. Die Gewinnmarge kletterte auf knap 21 Prozent. Gleichzeitig stieg der Umsatz um zwei Prozent auf 6,2 Milliarden Pfund.  Trotz dieser Fortschritte und der beherrschenden Marktstellung hinkt das Gemeinschaftsunternehmen der Konkurrenz in Sachen Profitabilität allerdings noch immer hinterher. Seit Monaten halten sich deshalb hartnäckig Gerüchte, dass sich die Deutsche Telekom schon bald von ihrer britischen Tochter trennen könnte.

Analysten zufolge spricht dafür zumindest ein gutes Argument: Der Konzern sucht nach neuen Einnahmequellen zum Schuldenabbau, nachdem der knapp 40 Milliarden Dollar schwere Verkauf der US-Mobilfunktochter Ende 2011 am Widerstand der Aufseher gescheitert ist. Auch die France Telecom konzentriert sich stärker auf ihren Heimatmarkt, wo der neue Wettbewerber Iliad einen margenzehrenden Preiskrieg ausgelöst hat. Die Franzosen haben sich bereits von ihren Mobilfunknetzen in Österreich und der Schweiz getrent.

Tom Alexander, der einst den britischen Mobilfunker Virgin Mobile aufbaute und an die Börse brachte, trat im vergangenen Jahr als Chef von Everything Everywhere zurück. Seinen Posten übernahm Olaf Swantee, der sich sofort an einen Umbau der Führungsspitze machte. „Alexander fühlt sich dem Unternehmen noch immer sehr nahe und ist überzeugt, dass er es mit einer einheitlichen Strategie deutlich voranbringen könnte“, heißt es in Branchenkreisen.

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