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12.09.2012

12:17 Uhr

Münchener Sicherheitskonferenz

Wettrüsten gegen die Kriminalität im Netz

VonJens Koenen, Martin Wocher

Meldungen über Hackerattacken gehören zum Alltag. Der Schaden ist immens. Experten der Münchener Sicherheitskonferenz suchen nun mit Vertretern von Politik und Wirtschaft nach Abwehrstrategien gegen Cyber-Angriffe.

Der Schaden durch Netzkriminalität ist gewaltig. dpa

Der Schaden durch Netzkriminalität ist gewaltig.

Frankfurt/DüsseldorfAnfang dieser Woche erwischte es eine der größten Internetfirmen in den USA: Hacker attackierten die Server von GoDaddy. Tausende Internetseiten in den USA waren über Stunden nicht erreichbar. Ein Debakel für GoDaddy, mit mehr als 45 Millionen Kunden einer der weltweit größten Dienstleister für Webseiten.

Fast im wöchentlichen Rhythmus machen Nachrichten über Angriffe von Hackern die Runde. Vor zwei Wochen klaute ein Unbekannter eine Million Geräte-Nummern von Apple iPhones und iPads von Servern des App-Herstellers Blue Toad. Mit den Daten könnten Nutzer identifiziert werden. Zuvor hatte ein eingeschleuster Computervirus das Kommunikationsnetz des größten Rohölexporteurs Saudi Aramco blockiert.

Sicherheitstipps für PC und Mac

Datensparsamkeit

Nutzer von Internetdiensten sollten sparsam mit Daten umgehen und nur so viel Informationen preisgeben wie nötig. Man kann sich durchaus auch mit einem Anbieter in Verbindung setzen und fragen, warum er unbedingt eine bestimmte Information braucht.

Überlegen Sie sich grundsätzlich, ob es notwendig ist, sich bei einem bestimmten Dienst mit Daten anzumelden. Verlangen Sie von Diensten, die Sie nicht mehr nutzen die Löschung Ihrer personenbezogenen Daten. Sofern das Unternehmen die Daten – beispielsweise für Abrechnungen – nicht mehr benötigt, ist es dazu verpflichtet, die Daten auf Wunsch zu löschen. Sie können sich dabei auf das Bundesdatenschutzgesetz berufen.

Software-Updates einspielen

Wenn Sicherheitslücken ausgenutzt werden, befinden sich diese heutzutage nur noch selten im Betriebssystem selbst, sondern viel häufiger in installierter Standard-Software wie dem Webbrowser, Adobe Acrobat Reader oder Adobe Flash. Die drei genannten und besonders gefährdeten Anwendungen können selbst aktiv Inhalte ausführen und sind daher für Attacken beliebt. Achten Sie daher darauf, dass nicht nur das Betriebssystem regelmäßig aktualisiert wird, sondern auch Ihr Webbrowser sowie die installierte Standard-Software wie PDF-Betrachter und Flash-Plugin.

Sämtliche installierte Software auf Aktualität und Sicherheitslücken zu prüfen, ist ohne Hilfe natürlich eine Herkulesaufgabe. Zum Glück gibt es die kostenlose Software Secunia Personal Software Inspector (PSI). PSI sucht automatisch nach veralteter Software. Mit dem Menüpunkt „Secure Browsing“ lässt sich außerdem nach veralteten Browser-Erweiterungen suchen. Übrigens sind diese Erweiterungen auch der häufigste Grund für Abstürze von Browsern – weniger ist daher meist mehr.

Anti-Viren-Lösung

Viren und Würmer gefährden die Daten-Sicherheit. Daher sind Präventionsmaßnahmen angeraten. „Viel hilft viel“ ist hier allerdings nicht angesagt, da sich verschiedene Anti-Viren-Scanner gegenseitig stören. Optimal ist daher die Kombination aus drei Schutzarten. Installieren sollte man eine Personal Firewall, die ein- und ausgehende Verbindungen kontrolliert und einen Virenscanner, der mit seinen Virensignaturen bekannte Schädlinge stoppt; außerdem sollte die Schutz-Software heuristische Methoden einsetzen, die auch unbekannte Schädlinge aufgrund des Verhaltens erkennt. Anti-Virus-Lösungen gibt es nicht nur für Windows-Rechner, sondern auch für Macs.

Verhalten

Mac und Windows

Noch wichtiger als ein stets aktueller Virenschutz ist allerdings das Verhalten des Nutzers: Führen Sie keine Dateien aus dubiosen Quellen aus und öffnen Sie keine Anhänge von E-Mails, die Ihnen seltsam vorkommen.

Festplatte verschlüsseln

Mac und Windows

Wenn wichtige geschäftliche oder private Daten in falsche Hände geraten, können große Schäden entstehen. Die Gefahr ist insbesondere bei mobilen Rechnern groß. Von daher ist es ratsam, sensible Daten zu verschlüsseln. Als besonders sicher gilt die kostenlose Software TrueCrypt, die für Windows, Linux und Mac OS X verfügbar ist. Damit können sowohl einzelne Ordner als auch die gesamte Festplatte verschlüsselt werden. Selbst das FBI hat sich an TrueCrypt schön die Zähne ausgebissen: Nach fast einem Jahr musste die US-Behörde die Festplatte eines brasilianischen Bankiers zurückgeben – nach wie vor verschlüsselt. 

Haupteinfallstor E-Mail-Account

Jedem ist bewusst, dass die Nutzerkonten bei Amazon, Ebay oder Paypal durch ein langes und sicheres Passwort geschützt sein sollten. Der beste Schutz dort nützt aber nichts, wenn nicht auch das E-Mail-Konto gut abgesichert ist. Hat sich ein Angreifer Zugang zum Posteingang verschafft, kann er auch ohne großen Aufwand auf alle weiteren Nutzerkonten zugreifen, indem er sich einfach neue Passwörter zuschicken lässt – egal ob bei Ebay oder anderen Services im Web.

Passwörter

Grundsätzlich ratsam ist es, nicht nur sichere Passwörter zu verwenden, sondern auch immer unterschiedliche bei verschiedene Diensten. Mit den einmal geklauten Login-Informationen lassen sich ansonsten Benutzerkonten auf Einkaufs-Websites, bei Reiseanbietern oder anderen Dienstleistern öffnen und widerrechtlich nutzen.

Wie so häufig beim Thema Sicherheit steht dabei jedoch die Bequemlichkeit im Weg: Wie nur soll man sich mehrere Passwörter merken, die auch noch sicher sind – das heißt keine Wörter, die man im Duden findet und möglichst noch mit Sonderzeichen?

Dafür gibt es einen Trick: Statt eines kryptischen Wortes merken Sie sich einfach einen sinnvollen Satz, der für Sie eine Bedeutung hat. Das Passwort besteht dann auf den jeweiligen Anfangsbuchstaben des Satzes – bei Beachtung der Groß- und Kleinschreibung. Ein Beispiel wäre der Satz: Meinen Rechner mache ich mit einem komplizierten Passwort sicher. Als Passwort wird daraus: MRmimekPs – ein Wort, das Sie garantiert in keinem Lexikon finden.

Auf sichere Datenübertragung achten

Wann immer sensible Informationen im Web übertragen werden, sollte unbedingt darauf geachtet werden, dass es sich um eine verschlüsselte SSL-Verbindung handelt. Das erkennen Sie daran, dass die Webadresse im Adressfeld mit https:// beginn statt http://. Aktuelle Versionen der gängigen Browser Firefox, Internet Explorer, Chrome, Opera und Safari überprüfen dabei automatisch, ob der Anbieter der verschlüsselten Verbindung auch der ist, für den er sich ausgibt. Wichtig ist dabei, die jeweils neueste Version des Browsers zu verwenden. Diese haben einen Phishing-Schutz eingebaut, der die meisten Websites erkennt, die nicht das sind, was sie vorgeben.

Die Netzkriminalität, auch Cyberwar genannt, gehört längst zum digitalen Alltag. Der Schaden ist gewaltig. Alleine Privatpersonen haben laut einer aktuellen Studie der Sicherheitsfirma Symantec in den vergangenen zwölf Monaten weltweit rund 110 Milliarden US-Dollar verloren. Hinzu kommen Ausfälle bei Unternehmen. Auf eine Billion Dollar schätzt EU-Kommissarin Neelie Kroes den weltweiten Schaden jährlich.

Eine Summe, die alarmiert, auch die Experten der Münchener Sicherheitskonferenz. Eigentlich befassen sie sich mit internationalen Konflikten wie dem Afghanistan-Krieg. Doch der Krieg im Netz beschäftigt die Fachleute mittlerweile so sehr, dass sie heute zusammen mit der Deutschen Telekom zum ersten "Cyber Security Summit" nach Bonn laden.

Rund 50 Topmanager werden sich mit Politikern und Behördenvertretern über die mögliche Abwehr von Attacken aus dem Internet auszutauschen - hinter verschlossenen Türen. "Längst geht es nicht mehr nur um Hacker, die aus Idealismus heraus Sicherheitslücken veröffentlichen", sagte Telekom-Vorstand und T-Systems Chef Reinhard Clemens dem Handelsblatt. "Wirtschaftssaboteure und -spione bestellen heute maßgeschneiderte Schadsoftware im Internet. Hier hat sich eine hochprofessionelle Industrie entwickelt mit enormem Schadenspotenzial."

Die Münchener Sicherheitskonferenz verfolgt das Thema Cyberkriminalität schon seit zwei Jahren. Zuletzt wurde auf der Tagung im Februar darüber gesprochen. Da entstand auch der Gedanke, die Unternehmen stärker einzubeziehen. Denn ohne sie gehe es nun mal nicht, heißt es bei dem Veranstalter. Dass die Telekom mit ins Boot gesprungen ist, hat seinen Grund. Der Konzern wirbt für seine IT-Dienste wie die Cloud auch mit dem Argument hoher Sicherheitsstandards. "Cybersicherheit lässt sich nicht als rein technologische Herausforderung einzelner Unternehmen isolieren, sondern braucht eine vernetzte Abwehr", sagt Telekom-Chef René Obermann.

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