Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

17.11.2015

18:52 Uhr

Musik-Streaming

Internet-Radio Pandora schluckt Rdio

Das Internet-Radio Pandora könnte künftig eine viel größere Rolle im Musik-Geschäft spielen. Die bisher nur in den USA aktive Firma filetiert den Streaming-Dienst Rdio, dem das Geld ausgegangen war.

Der Streaming-Pionier Rdio wird durch den US-Radioanbieter Pandora geschluckt. dpa

Musik-Streaming

Der Streaming-Pionier Rdio wird durch den US-Radioanbieter Pandora geschluckt.

New YorkDie Auslese bei Streaming-Musikdiensten hat nun auch bekanntere Player der Branche erreicht. Die seit 2010 aktive Firma Rdio stellte einen Insolvenzantrag, ein Großteil des Unternehmens wird für 75 Millionen Dollar vom Internet-Radio-Betreiber Pandora aufgegriffen. Rdio erklärte in einem Blogeintrag, der Dienst werde zunächst weiterbetrieben, für die nächsten Wochen wurden aber weitere Informationen zur Zukunft angekündigt. Der Insolvenzrichter muss den Deal noch absegnen.

Pandora kaufe Technologie und Design-Lösungen von Rdio, hieß es. Auch ein Teil der Mitarbeiter werde übernommen. Damit solle der Pandora-Dienst im kommenden Jahr ausgebaut werden. Zuletzt war von Plänen der Firma für eine internationale Expansion berichtet worden. Pandora ist bisher nur in den USA verfügbar.

Rdio war unter anderem von Janus Friis, einem Mitgründer des Internettelefonie-Dienstes Skype, gestartet worden. Das Geschäftsmodell ist ähnlich wie etwa beim Streaming-Marktführer Spotify: Eine Gratis-Variante mit eingeschränkter Funktionalität und ein Abo-Angebot für rund zehn Dollar bzw. Euro im Monat.

Das Musik-Streaming ist zwar weltweit auf dem Vormarsch und löst allmählich CD-Käufe und Musik-Downloads ab. Doch es ist auch ein Geschäft, in dem hohe Nutzerzahlen entscheidend sind. Die Kosten des laufenden Betriebs hängen kaum von der Größe ab - aber über zwei Drittel der Einnahmen gehen direkt an die Musik-Konzerne. Deswegen brauchen die Anbieter möglichst viele Abo-Kunden. In Deutschland war in diesem Jahr dem Dienst Simfy die Puste ausgegangen, die Kunden wurden vom aus Franreich stammenden Wettbewerber Deezer übernommen.

Rdio habe Ende vergangenen Jahres 98.000 zahlende Kunden in den USA gehabt, berichtete das „Wall Street Journal“. Spotify hat weltweit nach jüngsten Zahlen 75 Millionen Nutzer, von denen 20 Millionen für ein Abo bezahlen.

Streaming-Dienste

Nutzen statt besitzen

Beim Musik-Streaming werden Songs direkt aus dem Internet abgespielt, statt sie auf die Geräte herunterzuladen. Dafür werden die Dateien in viele kleine Pakete zerlegt und in einem konstanten Strom aufs Gerät übertragen. Fans können damit Musik nutzen, ohne sie zu besitzen.

Marktführer Spotify

Es ist ein noch relativ kleines aber schnell wachsendes Geschäft. Größter Anbieter ist die schwedische Firma Spotify mit aktuell 15 Millionen zahlenden Kunden und 45 Millionen Gratis-Nutzern. Es gibt aber auch zahlreiche andere Dienste – allein in Deutschland gibt es 15 Anbieter, darunter Radio und Deezer und Apple Music.

Volle Auswahl für 10 Euro

Die meisten Anbieter setzen auf ein Abo-Modell: Für einen monatlichen Betrag gibt es den Zugriff auf ein Angebot aus Millionen Songs. Die Paketpreise beginnen bei fünf Euro, für rund 10 Euro bekommen Nutzer oft auch eine Offline-Funktion. In einigen Fällen können Musikfans eine werbefinanzierte Variante mit weniger Funktionen auch kostenlos nutzen.

Erfolg im zweiten Versuch

Schon vor rund zehn Jahren versuchten verschiedene Anbieter, Abo-Dienste zu etablieren – der Durchbruch kam aber erst mit der Verbreitung von Smartphones und allgegenwärtigen schnellen Datenverbindungen.

Mäßiger Sound

Als eine Schwäche gilt bei Musik-Enthusiasten die starke Kompression, die nötig ist, um die Dateien möglichst sparsam durch die Netze zu kriegen. Das kann die Sound-Qualität drücken.

Stand: Januar 2015

Pandora hatte vor kurzem auf einen Schlag über ein Drittel des Börsenwerts verloren, unter anderem weil die Nutzerzahl von 79,4 auf 78,1 Millionen gesunken war. Investoren vermuteten dahinter eine Folge des Einstiegs von Apple in das Geschäft. Pandora betreibt bisher vor allem Radio-Sender aus dem Netz, könnte mit Rdio aber auch das Geschäft mit Streaming-Angeboten ausweiten.

Für Rdio-Investoren ist es ein bitterer Ausgang: Sie pumpten über die Jahre laut Medienberichten 125 Millionen Dollar in die Firma, zum Teil zu einer Bewertung von einer halben Milliarde Dollar. Laut dem Insolvenzantrag vom späten Montag schuldet Rdio Musikfirmen wie Universal Music oder Warner Music, aber auch etwa Facebook und Dell noch Geld.

Von

dpa

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×