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23.01.2006

21:09 Uhr

Musikexportbüro Germansounds

Deutsche Musikexportförderung steht vor dem Aus

VonAxel Postinett

Das erst Ende 2003 aus der Taufe gehobene deutsche Musikexportbüro Germansounds steht schon wieder vor dem Aus. Vor allem der größte Geldgeber, die öffentliche Hand, scheint die Geduld zu verlieren.

„Die öffentliche Finanzierung war immer nur als Anschub gedacht, jetzt muss die Wirtschaft das allein weiterführen“, erklärte der haushaltspolitische Sprecher der CDU/CSU-Fraktion, Steffen Kampeter, während einer Veranstaltung auf der Musikmesse Midem in Cannes. Wie es weitergeht, werde sich „in wenigen Wochen entscheiden“, so Kampeter. In zwei Jahren wurden rund 310 000 Euro Steuergelder investiert. Die Neigung der Privatwirtschaft über das aktuelle Niveau hinaus als Geldgeber einzuspringen ist allerdings sehr gering.

Germansounds mit Sitz in Berlin wurde etabliert, um deutschen Künstlern und mittelständischen Musikverlegern bei der Vermarktung ihrer Musik im Ausland zu helfen. Die staatliche Förderung von lokaler Musik im Ausland hat bereits in vielen europäischen Ländern einen hohen Stellenwert.

Vorbild sind die Franzosen. Seit gut zwölf Jahren wird französische Musik gezielt im Ausland gefördert und angeboten. Seitdem hat sich der Absatz französischer Musik im Ausland fast verzehnfacht. Auch in Skandinavien, Irland, Italien, Holland oder Spanien wird gefördert.

Während diese Länder teilweise zweistelligen Millionenbeträge zur Verfügung stellen, muss das Exportbüro mit einem Jahresetat Etat von unter 100 000 Euro im Jahr auskommen, falls kein Ersatz für den Wegfall der öffentlichen Mittel gefunden wird. Je 25 000 Euro pro Jahr bringen die Urheberrechtsorganisation Gema und der Musikverlegerverband GVL ein.

Die Gema, die naturgemäß ein großes Interesse an zusätzlichen Einnahmen für ihre Mitglieder durch höhere Auslandseinnahmen hat, wäre bereit an dem Projekt festzuhalten. Immerhin werden rund viermal so viele Gebühren an ausländische Verwertungsgesellschaften überwiesen wie für im Ausland gespielte deutsche Musik von Künstlern wie Nena oder Rammstein eingenommen wird.

In der Kritik steht aber mangelnde Transparenz der Mittelverwendung beim Exportbüro. „Wir wollen schon sehen, was mit dem Geld gemacht wurde, aber grundsätzlich sind wir weiter bereit, das Büro mitzutragen“, erklärte Vorstandssprecher Jürgen Becker. Für 2006 sei das Geld im Prinzip bereits eingeplant.

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