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12.04.2016

20:08 Uhr

Musikindustrie

Streaming bringt erstes Umsatzplus seit Jahren

Erstmals seit fast 20 Jahren verbucht die globale Musikindustrie wieder steigende Erlöse. Zufrieden ist die Branche mit der Entwicklung des Streaming-Geschäfts trotzdem nicht: Gratis-Angebote im Netz sorgen für Ärger.

Der Erfolg von Streaming-Diensten hat der Musikindustrie das erste deutliche Umsatzwachstum seit rund zwei Jahrzehnten beschert. dpa

Musik-Streaming

Der Erfolg von Streaming-Diensten hat der Musikindustrie das erste deutliche Umsatzwachstum seit rund zwei Jahrzehnten beschert.

LondonDas Geschäft mit Streaming aus dem Netz hat der gebeutelten Musikbranche das erste deutliche Wachstum seit rund zwei Jahrzehnten beschert. Der globale Umsatz stieg im vergangenen Jahr um 3,2 Prozent auf 15 Milliarden Dollar (rund 13 Milliarden Euro). Zugleich griff die Musikindustrie im Jahresbericht ihres Verbandes IFPI noch schärfer als sonst Gratis-Angebote wie Googles Videoplattform YouTube an.

Bei den Streaming-Angeboten sprangen die Erlöse 2015 um 45,2 Prozent auf 2,9 Milliarden Dollar hoch. „Das Geschäft mit Streaming-Diensten explodiert förmlich“, sagte Edgar Berger, Internationaler Geschäftsführer von Sony Music, am Dienstag in London. Beim Streaming wird die Musik direkt aus dem Netz abgespielt, für eine monatliche Abo-Gebühr gibt es Zugang zum gesamten Angebot eines Dienstes. Einige Anbieter haben auch werbefinanzierte Gratis-Versionen.

Insgesamt haben die digitale Musikangebote den Handel mit Tonträgern nun klar abgehängt. So werden inzwischen 45 Prozent der Erlöse mit dem Verkauf von rein digitaler Musikprodukte wie Streaming und Downloads erzielt. Der Verkauf von CDs und anderen Tonträgern macht nur noch 39 Prozent der weltweiten Umsätze aus.

Wer am Musikstreaming verdient

Zur Studie

Wirtschaftsexperten von Ernst & Young haben im Auftrag des Verbandes der französischen Musikindustrie SNEP exemplarisch ausgerechnet, wieviel die einzelnen Parteien von jenen 9,99 Euro erhalten, die ein Premiumabo bei Diensten wie Spotify und Deezer kostet.

Der Dienst selbst ...

... behält demnach 2,08 Euro.

Der Staat ...

... bekommt 1,67 Euro insbesondere durch die Umsatzsteuer.

Die Verwertungsgesellschaften ...

... bekommen einen Anteil von einem Euro.

Die Labels ...

... behalten 4,56 Euro.

Den Künstlern ...

... bleiben am Ende 0,68 Euro. Die werden nach Häufigkeit der Abrufe unter den Musikern aufgeteilt. Unbekanntere Bands erhalten entsprechend wenig.

In Deutschland ist das Verhältnis allerdings noch umgekehrt, hier ist der Handel mit Tonträgern immer noch für 60 Prozent des Umsatzes verantwortlich. Doch auch in Deutschland sind die Streaming-Dienste im Kommen. Sie bescherten der Branche nach Angaben des Bundesverbands der Musikindustrie im vergangenen Jahr sogar ein Umsatzwachstum von 4,6 Prozent. Der IFPI kam mit einer etwas anderen Berechnungsgrundlage auf ein plus von 3,3 Prozent.

Für Spannungen sorgen vor allem Plattformen wie der Video-Streaming-Dienst Youtube, bei dem Musik nach wie vor kostenlos verfügbar ist.

„Es gibt ein Missverhältnis zwischen der Zahl der Nutzer von Musikangeboten und den Erlösen“, sagte IFPI-Geschäftsführerin Frances Moore. Den weltweit 900 Millionen Nutzern kostenloser Musikangebote im Internet stünden nur 634 Millionen Dollar an jährlichen Einnahmen gegenüber. Dagegen zahlten 68 Millionen Nutzer von Bezahldiensten pro Jahr rund 2 Milliarden Dollar für ihre Musik im Netz.

Der deutsche Musikmarkt im Wandel

Musikverkauf insgesamt (physisch und digital)

2005: 1,748 Milliarden Euro
2009: 1,575 Milliarden Euro
2013: 1,452 Milliarden Euro
2014: 1,479 Milliarden Euro
Veränderung 2013/14: +1,8 Prozent


* Gesamtumsatz aus Musikverkauf, Synchronisation und Leistungsschutzrechten

Quelle: Jahrbuch der Musikindustrie

Davon physisch

2005: 1,717 Milliarden Euro
2009: 1,402 Milliarden Euro
2013: 1,124 Milliarden Euro
2014: 1,107 Milliarden Euro
Veränderung 2013/14: -1,5 Prozent

* Cds, Schallplatten etc.

Davon digital

2005: 30 Millionen Euro
2009: 173 Millionen Euro
2013: 328 Millionen Euro
2014: 371 Millionen Euro
Veränderung 2013/14: +13,1 Prozent

* Downloads und Streaming

Anders als bei Anbietern von Streaming-Diensten wie Spotify, Apple Music, Deezer oder Napster werden die Inhalte auf YouTube auch von Nutzern hochgeladen. Der internationale Musikverband IFPI fordert deshalb Gesetzesänderungen, um YouTube und andere dazu zwingen zu können, Lizenzen zu erwerben. Zugleich platzieren Musikfirmen oft auch selbst Videos ihrer Künstler bei YouTube – um die Songs populärer zu machen, wie es heißt.

Der Streaming-Marktführer Spotify wies die Kritik an kostenlosen Varianten von Streaming-Diensten zurück. „Wir brauchen Gratis-Nutzer, weil wir sie zu Abo-Kunden machen“, sagte Deutschlandchef Stefan Zilch. Spotify hat nach jüngsten Angaben rund 30 Millionen zahlende Abo-Kunden. „Der weltweite Musikmarkt ist sehr gesund“, betonte Zilch. „Allein das Plus bei Spotify ist größer als der Rückgang bei den Downloads.“

Das Geschäft der Musikindustrie war mit der Verbreitung illegaler Kopien im Internet drastisch eingebrochen. Die Musikfirmen hoffen, dass der Markt dank Streaming-Angeboten mit der Zeit auch größer als vor Beginn der Talfahrt werden kann.

Von

dpa

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