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02.01.2016

17:41 Uhr

Musiknoten-Verlage unter Druck

Legal, illegal, digital

Immer mehr Musiker besorgen sich Noten aus dem Internet – legal und illegal. Viele Musikverlage fremdeln aber noch mit der digitalen Revolution. Und der Markt ist sehr klein: Nur wenige Verlage verdienen viel.

Musiker besorgen sich heutzutage die Noten aus dem Internet. Der Umsatz mit Noten ist in den vergangenen Jahren gesunken. Imago

Musiknoten

Musiker besorgen sich heutzutage die Noten aus dem Internet. Der Umsatz mit Noten ist in den vergangenen Jahren gesunken.

MainzDer Musiknotenmarkt hat eine jahrhundertealte Tradition. Er ist weitaus kleiner als der Buchmarkt - und gerät ebenfalls unter den Druck des Internets. Wie reagieren Deutschlands Musikverlage? Wird Haus- und Profimusik digital?

Der Geschäftsführer des fast 200 Jahre alten Deutschen Musikverleger-Verbands (DMV) in Berlin, Heinz Stroh, beziffert den Umsatz mit Noten auf rund 75 Millionen Euro im Jahr 2014. Der Buchmarkt erlöste dagegen 2014 rund 9,3 Milliarden Euro.

Der Umsatz mit Noten ist laut Stroh in den vergangenen Jahren eher gesunken. Dieser Markt ist schon immer eng - Renditen von drei Prozent gelten als gut, wie die Sprecherin des 1770 gegründeten deutschen Marktführers Schott Music in Mainz, Christiane Krautscheid, berichtet.

Der deutsche Musikmarkt im Wandel

Musikverkauf insgesamt (physisch und digital)

2005: 1,748 Milliarden Euro
2009: 1,575 Milliarden Euro
2013: 1,452 Milliarden Euro
2014: 1,479 Milliarden Euro
Veränderung 2013/14: +1,8 Prozent


* Gesamtumsatz aus Musikverkauf, Synchronisation und Leistungsschutzrechten

Quelle: Jahrbuch der Musikindustrie

Davon physisch

2005: 1,717 Milliarden Euro
2009: 1,402 Milliarden Euro
2013: 1,124 Milliarden Euro
2014: 1,107 Milliarden Euro
Veränderung 2013/14: -1,5 Prozent

* Cds, Schallplatten etc.

Davon digital

2005: 30 Millionen Euro
2009: 173 Millionen Euro
2013: 328 Millionen Euro
2014: 371 Millionen Euro
Veränderung 2013/14: +13,1 Prozent

* Downloads und Streaming

„Die meisten Unternehmen sind Kleinverlage mit einem Jahresumsatz von bis zu 50.000 Euro. Nur neun deutsche Musikverlage machen mehr als zehn Millionen Euro Umsatz.“

Krautscheid verweist auf illegale Notenangebote im Internet - und auf das Sterben traditioneller Handelspartner: „Die Zahl der inhabergeführten, mittelständischen Musikalienhandlungen sinkt pro Jahr um bis zu zehn Prozent.“ Gerade jüngere Kunden hätten im digitalen Zeitalter eine „Alles-umsonst-Erwartung“.

DMV-Geschäftsführer Stroh sagt zum illegalen Herunterladen aus dem Netz: „Meist sind das Server im Ausland, an die wir schwer herankommen. Der Internationale Musikverleger-Verband (ICMP) versucht dagegen vorzugehen - mit wechselndem Erfolg.“

Etliche Noten sind aber auch gratis und legal im Netz zu haben. „Für die Urheberrechte gibt es eine 70-jährige Frist“, erklärt Stroh. Viele Komponisten sind jedoch schon länger tot.

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