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16.08.2011

12:30 Uhr

Nach der Motorola-Übernahme

Microsoft will Google-Gegner ködern

VonFlorian Brückner

Microsoft wittert seine Chance beim angekündigten Kauf der Handysparte von Motorola durch Google. Der Softwareriese positioniert sich als Alternative für alle Handyhersteller, die nun Googles Android verlassen wollen.

Microsoft-Chef Steve Ballmer während der Präsentation von Windows Phone 7. Quelle: Reuters

Microsoft-Chef Steve Ballmer während der Präsentation von Windows Phone 7.

DüsseldorfGoogle hat seinen Zwölf-Milliarden-Euro-Deal mit Motorola kaum verkündet, da wittert der Softwaregigant Microsoft die große Chance: nämlich sein eigenes Smartphone-Betriebsystem Windows Phone 7 als die große offene Alternative zu Googles Android zu positionieren. Windows Phone 7 sei nun die einzige Plattform, die allen Partnern die gleichen Möglichkeiten gebe, sagt Andy Lees, Chef der Mobilfunksparte bei Microsoft, in einem Statement. Eine klare Kampfansage an Google - und ein Versprechen an die Handybranche.

Mit offenen Armen will Microsoft all die Unternehmen aufnehmen, die nicht recht glauben wollen, dass Google auch nach dem Kauf von Motoroloa alle Handyhersteller gleich behandeln will. Damit zielt Microsoft auf die Achillesferse des Google-Deals ab und versucht in seiner aus der Computerwelt bekannten Rolle als Betriebssystem-Hersteller für alle zu punkten.

Googles größte Deals

Googels größte Deals

Wenn Google auf Shopping-Tour geht, sind oft Milliardenbeträge im Spiel. Was steckt hinter den größten Zukäufen in der Google-Geschichte?

Platz 7: ITA Software

Im Juli 2010 erwirbt Google für 700 Millionen Dollar die Softwareschmiede ITA. Das Unternehmen aus Boston wertet Fluginformationen aus und stellt seine Daten beispielsweise der Reisewebseite Expedia zur Verfügung. Das macht ITA für Google interessant. Denn für die Suche nach Flugpreisen gibt es zwar diverse Suchmaschinen, Google selbst bietet aber noch keine entsprechende Suchfunktion an.

Platz 6: AdMob

Im November 2009 kauft Google für 750 Millionen Euro "AdMob". Der Name steht für "Advertising on Mobile" - und genau darauf ist die Firma aus dem kalifornischen San Mateo spezialisiert: AdMob ist eine der größten Plattformen für Werbung auf mobilen Plattformen. Die Firma wirbt damit, dass sie monatlich über 40 Milliarden Banner- und Textwerbungen auf Handys, Tablets und anderen mobilen Geräten schaltet.

Platz 5: AOL

Im Dezember 2005 steigt Google bei AOL ein: Für eine Milliarde Dollar erwirbt Google fünf Prozent der Anteile des Internetanbieters - bis dato eine 100-prozentige Tochter der Time Warner Company. Doch die besten Zeiten von AOL waren da schon längst vorbei: 2009 kauft Time Warner den fünfprozentigen Anteil für schlappe 283 Millionen Dollar wieder von Google zurück, um die verlustreiche Tochter endgültig abstoßen zu können.

Platz 4: dMarc Broadcasting

Im Januar 2006 steht dMarc Broadcasting auf der Einkaufsliste von Google: Insgesamt 1,2 Milliarden Dollar lässt sich Google den Erwerb des Unternehmens kosten. DMarc ist spezialisiert auf das Werbegeschäft im Radio: Über eine automatisierte Plattform werden Werbespots an amerikanische Hörfunkstationen verteilt. Google will sich damit einen neuen Distributionskanal für seine Werbeplattform "AdWords" erschließen.

Platz 3: YouTube

Im September 2006 kauft Google für 1,8 Milliarden Dollar die Videoplattform Youtube. Auch hier wittert Google einen klickträchtigen Verbreitungskanal für seine Werbung. Wer ein Video auf der Webseite betrachtet, bekommt fortan Anzeigen von Google präsentiert.

Platz 2: DoubleClick

Im Jahr 2007 sticht Google den Erzrivalen Microsoft im Bieterwettkampf um die Firma DoubleClick aus. DoubleClick schaltet grafische Werbeanzeigen auf Webseiten und pflegt exzellente Beziehungen zu finanzstarken Werbekunden. Das macht das Unternehmen für Google so begehrenswert, dass der Internetriese 3,1 Milliarden Dollar dafür auf den Tisch legt.

Platz 1: Motorola

Dieser Deal stellt alle bisherigen Google-Einkäufe in den Schatten: Für die Mobilfunksparte von Motorola bezahlt Google 12,5 Milliarden Dollar.

Offiziell ist in der schönen grünen Android-Welt auch am Tag nach der angekündigten Übernahme noch alles in Ordnung. Offiziell ist es kein Problem, dass Android-Erfinder Google die Mobilfunksparte von Motorola übernehmen will. Offiziell wollen all die anderen Handybauer wie Samsung oder HTC Googles Smartphone-Betriebssystem trotzdem weiter die Stange halten. Doch Experten wie Michael Gartenberg kaufen das den Unternehmen nicht ab.

“Das ist ihr Alptraum-Szenario”, sagt der renommierte Telekom-Spezialist des Marktforschungsinstitutes Gartner im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Bloomberg. "Google ist von einem Partner zum Wettbewerber geworden.” Und da lässt sich Gartenberg auch dadurch nicht beirren, dass Google-Chef Larry Page betont, Google bleibe dem Erfolg des gesamten “Ökosystems” verpflichtet. Da helfen auch offizielle Statements von HTC, Samsung, Sony Ericsson Mobile Communications und LG Electronics nichts, die unisono den angekündigten Google-Motorola-Deal begrüßen.

“Sie tun jetzt so, als ob sie alle eine große glückliche Familie wären”, sagt denn auch Ashok Kumar, Analyst von Roadman & Renshaw, zu Bloomberg. “Aber die Wirklichkeit wird ganz anders aussehen, sobald Motorola erst einmal eine bevorzugte Stellung inne hat.” Und dabei, so Kumar, sei es völlig unerheblich, ob dies tatsächlich der Fall sei oder sich die Konkurrenz dies nur einbilde.  Das Ergebnis ist für Analysten am Ende dasselbe. “Egal, wie Google das auch dreht und wendet, sie werden alle miteinander im Wettbewerb stehen.”

Kommentare (8)

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16.08.2011, 14:06 Uhr

Also ich würde nicht auf die Offerte von MS eingehen

flyingfridge

16.08.2011, 16:50 Uhr

MS auf mobilen Geräten ist schon viele Tode gestorben: Tablet PCs, PDAs, Zune, Kin. Und Windows Phone 7 ist das nächste tote Pferd. Von einem "offenen System" im Vergleich zu Android zu sprechen, ist wirklich der Hohn. Denn Android ist Open Source, jeder Hersteller kann es auf seine Bedürfnisse anpassen, Windows Phone 7 wird dagegen als ein unveränderlicher Klotz von MS geliefert. Keine Chance für Hersteller, sich zu differenzieren.
Auch sehe ich kein Risiko, dass Motorola übermäßig Vorteile erhält. Denn Kernkompetenz von Google ist weiterhin das Liefern und Organisieren von Inhalten, und die sollen auf so viele Smartphones wie möglich geliefert werden.

Oligogo

16.08.2011, 17:10 Uhr

Die Situation spielt Microsoft in die Karten...

Microsoft stellt mit dem Mango Update nun auch die benötigte Funktionalität zur Verfügung um mit Android gleichzuziehen.

Am Ende ist aber nach wie vor Apple mit seiner Plattform und seinem technisch ausgereiften Konzept der einzige Konzern der richtig Geld mit mobilen Geräten verdient.

Derjenige der es schafft, Apples Konzepte schneller als andere zu kopieren wird sich am Ende auch die entsprechenden Marktanteile sichern können.

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