Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

23.01.2017

11:32 Uhr

Nach Galaxy-Note-Debakel

Neues Samsung-Handy verzögert sich

Nach einer Serie von Explosionen musste Samsung das Galaxy Note 7 vom Markt nehmen. Nun ist klar: Das Design des Akkus und die Art der Herstellung waren schuld. Auch beim neuen Premium-Smartphone gibt es Verzögerungen.

Brennendes Galaxy Note 7

Deswegen ging Samsungs Flaggschiff-Handy in Flammen auf

Brennendes Galaxy Note 7: Deswegen ging Samsungs Flaggschiff-Handy in Flammen auf

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

SeoulFehler bei Design und Herstellungsprozess der Akkus: Samsung hat die Probleme bei seinem Pannen-Handy Galaxy Note 7 nun endgültig ausgemacht. Dafür übernehme das Unternehmen die Verantwortung, teilte der Elektronikkonzern am Montag mit. Im Oktober war das Smartphone vom Markt genommen worden, weil einzelne Modelle sich zum Teil zu schnell erhitzt hatten und explodierten.

Nach einer umfassenden Untersuchung von mehr als 200.000 Geräten und mehr als 30.000 Batterien sei klar, dass das Design der Akkus und deren Herstellung die einzigen Probleme des Smartphones gewesen seien. Dies sagte der Chef der Sparte für Mobilgeräte, Koh Dong Jin. Hard- und Software seien in Ordnung gewesen. Zudem wies er Vorwürfe zurück, dass Samsung sich bei der Herausgabe des Premiumhandys zu stark beeilt hätte, um seinen Konkurrenten Apple bei der Veröffentlichung des neuen iPhones zu schlagen.

Das Galaxy Note 7 wurde unter anderem damit beworben, eine so hohe Akku-Leistungsfähigkeit wie kein anderes Smartphone zuvor zu haben. Es gibt Koh zufolge keinen Hinweis darauf, dass die Pannen mit der hohen Energiedichte der Telefone zusammenhängen und sie daher so schnell Feuer fangen konnten.

Die Causa Samsung: Eine doppelte Demütigung

Die Causa Samsung

Premium Eine doppelte Demütigung

Die Vorwürfe der südkoreanischen Ermittler gegen Samsung-Chef Lee Jae-yong wiegen schwer. Die Demütigung des Konzernchefs sollte Anlass für Reformen der Konglomerate sein. Ein Kommentar.

Der Konzern setzt nun alles daran, positiv in die Zukunft zu blicken. Die Geschehnisse sollten als Chance begriffen werden, die Sicherheit von Batterien auf Basis von Lithium-Ionen für die gesamte Industrie zu stärken - nicht nur für das eigene Unternehmen.

Der durch das Pannen-Handy erzeugte Verlust beträgt nach Schätzung des Konzerns mindestens 5,3 Milliarden Dollar. Bei der Untersuchung der Akkus stellte ein 700-köpfiges Team aus Forschern und Ingenieuren fest, dass es bei zwei unterschiedlichen Batterietypen von zwei unterschiedlichen Herstellern Fehler gab. Dabei hätten relativ große Akkus beispielsweise nicht gut genug in die Telefone gepasst. Zudem sei das isolierende Material nicht ausreichend gewesen.

Laut Samsung untersuchten die US-Sicherheits- und Ingenieurfirmen UL und Exponent die Batterien, der deutsche TÜV Rheinland habe die Zuliefererkette überprüft. Von dem Rückruf des Smartphones waren weltweit 3,06 Millionen Geräte betroffen. Rund 120.000 seien noch nicht zurück.

Wie Samsungs Debakel mit dem Galaxy Note 7 immer größer wurde

2. August 2016

Samsung stellt das „Phablet“ mit der Bildschirm-Diagonale von 5,7 Zoll vor. Das Vorzeigemodell soll im oberen Preissegment punkten, in dem Apple mit seinem iPhone stark ist. Der Finanzdienst Bloomberg berichtet später, Samsung habe sich beeilt, es deutlich vor dem September-Marktstart des iPhone 7 auf den Markt zu bringen.

19. August

Das Galaxy Note 7 kommt in mehreren Ländern in den Handel. Nach und nach gibt es Berichte von Nutzern über brennende oder zumindest überhitzte Telefone. Ein Überblick über das Ausmaß des Problems fehlt zunächst.

2. September

An dem Tag, an dem das Note 7 unter anderem auch in Deutschland breit in den Handel kommen sollte, gibt Samsung eine weltweite Umtauschaktion bekannt. Zunächst ist von 35 bestätigten Zwischenfällen die Rede.

8. September

Die US-Flugaufsicht FAA und dann auch ihr europäisches Pendant EASA verbieten, Geräte des Modells in Flugzeugen zu nutzen oder aufzuladen. Sie dürfen auch ausgeschaltet nicht ins aufgegebene Gepäck.

16. September

In den USA gibt es auch einen offiziellen Rückruf über die Verbraucherschutz-Behörde CPSC. Dabei werden deutlich mehr Fälle bekannt. Allein in dem Land seien demnach 26 Verbrennungen und 55 Fälle von Sachbeschädigung gemeldet worden.

19. September

Samsung leitet den Austausch der Geräte ein. Zugleich wird der Verkauf von Beteiligungen an anderen Tech-Unternehmen im Wert von rund einer Billion Won (etwa 800 Mio. Euro) bekannt. Die Kosten des Rückrufs für Samsung werden auf mindestens eine Milliarde Dollar (rund 900 Mio. Euro) geschätzt.

22. September

Die südkoreanische Behörde für Technologie und Standards (KATS) fordert von Samsung vor der Wiederaufnahme des Verkaufs zusätzliche Sicherheitsprüfungen. Unter anderem solle jede Batterie für das Gerät einem Röntgentest unterzogen werden.

27. September

Samsung kündigt an, dass das Note 7 in Europa am 28. Oktober wieder regulär in den Handel kommen soll.

5. Oktober

Ein gerade ausgeschaltetes Note 7-Gerät in einem Flugzeug, das vor dem Abflug noch am Gate steht, gerät in Brand. Nach Darstellung des Besitzers ist es bereits ein Austauschgerät.

9. Oktober

Es werden vier weitere Fälle bekannt, in denen US-Verbraucher von Bränden mit Ersatzgeräten berichten. Zwei davon füllten demnach in der Nacht ein Schlafzimmer mit Rauch. Ein Telefon soll sich in den Händen eines 13-jährigen Mädchens in einer Schule entzündet haben. Die Mobilfunk-Anbieter AT&T, Verizon und T-Mobile US geben an ihre Kunden gar keine Note 7 mehr heraus.

11. Oktober

Innerhalb weniger Stunden stoppt Samsung erst den Verkauf der Geräte und gibt dann bekannt, dass die Produktion komplett eingestellt wird. Verbraucher werden aufgefordert, auch die Ersatzgeräte nicht mehr zu benutzen und zurückzugeben - oder gegen andere Modelle einzutauschen.

23. Januar 2017

Nach monatelangen Untersuchungen stellt Samsung seinen Bericht vor. Demnach gab es zwei verschiedene Fehler in den ersten Batterien und den Akkus der Austauschgeräte. Das Design des Smartphones selbst sei nicht das Problem gewesen.

Zugleich signalisierte der Branchenprimus Verzögerungen beim Start des neuen Prestigemodells, mit dem er dem neuen iPhone von Apple die Stirn bieten will: Das Galaxy S8, das neue Top-Handy der Südkoreaner, soll nach bisherigen Erwartungen im April oder Mai auf den Markt kommen. Doch Samsung-Mobilchef Koh erklärte, das S8 werde nicht bei der am 27. Februar beginnenden Branchenmesse in Barcelona vorgestellt. Samsung wählt normalerweise genau dieses Fachtreffen, um gerade seine Premium-Modelle der Öffentlichkeit zu präsentieren. Koh ließ den Grund für die Verzögerung ebenso offen wie den nun geplanten Termin der Vorstellung.

Die Märkte konnte Samsung am Montag offenbar dennoch mit dem Willen überzeugen, einen Schlussstrich unter das Debakel zu ziehen: Die Aktie schloss 2,3 Prozent im Plus, während die Börse in Seoul kaum von der Stelle kam.

Am Dienstag will Samsung seinen endgültigen Quartalsbericht vorlegen. Nach vorläufigen Zahlen steckte der Technologiekonzern den Handy-Fehlschlag im vierten Quartal dank florierender Geschäft der Chip-Sparte gut weg.

Kommentare (3)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Renatus Isenberg

23.01.2017, 09:09 Uhr

Man hätte gern Photos und genauere Beschreibung der Batterie gesehen. Es kann sein, dass das Design der Batterie nur eine Entschuldigung für andere Probleme des Phones sein könnte.

Herr Holger Narrog

23.01.2017, 09:32 Uhr

Es hat mich immer wieder erstaunt wie die Hersteller dieser elektronischen Geräte ihre Geräte unter enormen Zeitdruck mit derartiger Perfektion und Qualität herstellen können.

Eine derartige Panne war überfällig. Schade das es Samsung getroffen hat.

Herr Franz Giegl

23.01.2017, 11:38 Uhr

Akku Design war Schuld?

Meine Infos sagen ganz klar, dass russische Hacker unter persönlicher Führung von Putin hinter dem ganzen stecken.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×