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20.10.2015

17:11 Uhr

Nach Hetze bei Pegida

Bertelsmann macht Schluss mit Akif Pirincci

VonKai-Hinrich Renner

Der deutsch-türkische Autor Akif Pirincci hetzte bei Pegida so heftig, dass die Staatsanwaltschaft gegen ihn ermittelt. Nun nimmt Bertelsmann seine belletristischen Bücher wie den Katzenkrimi „Felidae“ aus dem Programm.

Nach einer islam- und fremdenfeindlichen Rede des deutsch-türkischen Autors Akif Pirinçci bei der Pegida-Kundgebung am Montag hat die Staatsanwaltschaft Dresden Ermittlungen aufgenommen. dpa

Akif Pirincci

Nach einer islam- und fremdenfeindlichen Rede des deutsch-türkischen Autors Akif Pirinçci bei der Pegida-Kundgebung am Montag hat die Staatsanwaltschaft Dresden Ermittlungen aufgenommen.

HamburgEs ist wohl nur eine Frage der Zeit, wann das Zitat der Zeitschrift „Allegra“ verschwindet: „Akif Pirincci ist so etwas wie der deutsche Stephen King“, steht noch auf der Website des Heyne Verlags, der zur Buchgruppe Random House gehört, die wiederum Teil des Medienkonzerns Bertelsmann ist.

Denn der Schriftsteller ist bei Random House seit diesem Dienstag Persona non grata. In einer Presseerklärung teilt die Buchgruppe mit, dass sie die „bereits vor Jahren veröffentlichten, ausschließlich belletristischen Bücher von Akif Pirincci umgehend gesperrt“ habe und nicht mehr anbieten werde.

Anzeige wegen Volksverhetzung: Pegida-Redner Pirincci im Visier der Justiz

Anzeige wegen Volksverhetzung

Pegida-Redner Pirincci im Visier der Justiz

„Die KZs sind ja leider derzeit außer Betrieb“, sagte der Autor Akif Pirincci auf der Pegida-Kundgebung am Montag – und kassierte dafür jetzt eine Strafanzeige. Die Staatsanwaltschaft prüft diese nun.

Der Zusatz „belletristisch“ ist notwendig. Der Besteller-Autor wurde durch den Katzenkrimi „Felidae“ berühmt, der zu den sechs Titeln aus seiner Feder gehört, die Random House bisher verlegte. Seit einigen Jahren schreibt er auch Sachbücher, in denen er bevorzugt gegen Schwule, Migranten und Frauen hetzt. Das tut er auch in zahlreichen Kommentaren rechter Publikationen. Wegen seiner Hassreden sperrte ihn das in dieser Hinsicht nicht gerade besonders strenge soziale Netzwerk Facebook für 30 Tage.

Doch was sich Pirincci bei seinem Auftritt bei der Pegida-Demonstration am Montagabend in Dresden leistete, ist auch für seine Verhältnisse heftig. In seinem Blog hatte er zuvor „einen hübschen Text“ angekündigt, „der in Sachen Wutrede in diesem Lande Maßstäbe setzen wird“. Seine Ausführungen über ihm missliebige Politiker gipfelten in dem Satz: „Es gäbe natürlich andere Alternativen, aber die KZ sind ja leider derzeit außer Betrieb.“ Deswegen ermittelt nun die Staatsanwaltschaft Dresden wegen des Verdachts der Volksverhetzung gegen Pirincci.

Europas Populisten: Von AfD bis Ukip

Deutschland: Alternative für Deutschland (AfD)

Die Alternative für Deutschland (AfD) wurde einst beherrscht von heftigen internen Richtungskämpfen zwischen wertkonservativem und liberalem Flügel. Den Machtkampf entschied die dem rechtskonservativen Flügel zugerechnete Frauke Petry. Aktuell lässt sich die Partei dem rechten Spektrum zuordnen. Die AfD konnte sich zunächst mit scharfer Kritik am Euro-Rettungskurs der Bundesregierung, aber auch mit Positionen zur Einwanderungspolitik und familienpolitischen Themen in der deutschen Meinungslandschaft wirksam profilieren und positionieren. Die Flüchtlingskrise gibt ihr - und vor allem den rechtsnationalen Vertretern in der Partei Rückenwind.
Quelle: Deutsche Bank Research „Europas Populisten im Profil“, April 2015; Handelsblatt-Recherchen

Finnland: Die Finnen

Dem rechten Spektrum zuzuschreiben sind die Finnen, die sich 1995 gegründet haben. Im Zuge der Euro-Krise konnten sie sich insbesondere mit EU-skeptischen Positionierungen profilieren. Sie fordern die Verteidigung der nationalen Identität und eine stärkere Verantwortung der Nationalstaaten in Europa.

Frankreich: Front National

Der 1972 gegründete Front National (FN) findet in Frankreich nach einer strategischen Neuausrichtung im Jahr 2011 unter der neuen Parteivorsitzenden Marine Le Pen zunehmend Zuspruch. Die Rhetorik und das Verhalten des FN wurden gemäßigt. Zugleich hat der FN auch sein Themenspektrum erweitert, sodass neben Einwanderung auch Globalisierungstendenzen und die EU kritisiert werden. Der FN ist daher dem rechtspopulistischen Spektrum zuzuordnen.

Griechenland: Syriza-Bündnis

Griechenland ist ein Sonderfall. Hier stehen Populisten in Regierungsverantwortung. Das linke Parteienbündnis Syriza hat die Parlamentswahlen im Januar 2015 als stärkste Kraft gewonnen und bildet eine Koalition mit den rechtspopulistischen Unabhängigen Griechen. Syriza weist die Verantwortung für Fehlentwicklungen des Landes konsequent der Euro-Rettungspolitik zu. Die Ursachen der nationalen Schieflage verortet Syriza in der internationalen Finanzwirtschaft und der EU. Im Wahlkampf konnte das Bündnis mit der Forderung nach einem Schuldenschnitt für Griechenland punkten.

Italien: Movimento 5 Stelle, Lega Nord und Forza Italia

In Italien gibt es gleich mehrere populistische Kräfte: Movimento 5 Stelle, Lega Nord und Forza Italia. Allerdings ist die Regierungspartei Partito Democratico (PD) mit 37,2 Prozent in Umfragen immer noch sehr stark und wäre eindeutiger Sieger bei Parlamentswahlen. Fraglich ist, ob eine absolute Mehrheit zustande kommen kann oder eine Koalition mit einer der populistischen Parteien gegründet werden müsste. Die Koalitionsverhandlungen dürften vermutlich wie bei den letzten Wahl en schwierig werden und den Einfluss populistischer Parteien insofern stärken, als dass die PD diesen inhaltlich entgegenkommen müsste.

Niederlande: Partei für die Freiheit

Die Partei für die Freiheit (PVV) ist dem rechtspopulistischen Parteienspektrum zuzuordnen. Im Kern positioniert sich die Partei gegen Einwanderung und die EU. Vor allem durch ihren Vorsitzenden Geert Wilders erlangt die PVV in den Niederlanden eine hohe Aufmerksamkeit in den Medien.

Österreich: Freiheitliche Partei Österreichs (FPÖ)

Die Freiheitliche Partei Österreichs (FPÖ) ist mit Gründung 1955 eine die der ältesten populistischen Parteien. Nach der Abspaltung des rechtsliberalen Flügels als Bündnis Zukunft Österreich (BZÖ) im Jahr 2005 mobilisiert die rechtspopulistische FPÖ gegen weitere europäische Integration und die „Islamisierung“ Österreichs.

Spanien: Podemos-Bewegung

Neu im linken Spektrum ist die spanische Podemos-Bewegung. Sie ging im März 2014 aus der Bewegung der „Empörten“ hervor und sieht sich als Vertretung der Bevölkerung gegen eine „politische Kaste.“

Großbritannien: United Kingdom Independence Party (Ukip)

Im Vereinigten Königreich ist EU-Skepsis tendenziell verbreiteter als in anderen EU-Ländern. Dies spiegelt sich auch in der Parteienlandschaft wieder, in der die rechtskonservative United Kingdom Independent Party (Ukip) mit ihrer Forderung nach einem EU-Austritt die stärksten EU-skeptischen Züge trägt.

Die gesamte Rede war durchsetzt von verbalen Ausfällen und Anfeindungen. So sprach Pirincci von einer „Moslem-Müllhalde“ in Deutschland, warnte vor einer „Umvolkung“, bezeichnete die Flüchtlinge als „Invasoren“ und nannte Politiker „Gauleiter gegen das eigene Volk“. Zumindest von einem Teil der etwa 20.000 Teilnehmer der Pegida-Kundgebung bekam er Applaus.

Random House hat die Rede „mit Bestürzung und Unverständnis“ zur Kenntnis genommen, wie es in der Presseerklärung der Buchgruppe heißt. Sie stehe den „Werten“, die das Haus vertritt „diametral entgegen“. Deshalb hat es die Zusammenarbeit mit ihm beendet. Dass Pirincci nun Schadensersatzsprüche geltend macht, glaubt Random-House-Justiziar Rainer Dresen nicht. Eine weitere Zusammenarbeit mit dem Autor sei seinem Haus schlicht nicht mehr zuzumuten: „Und Unzumutbarkeit ist ein Grund für eine außerordentliche Kündigung.“

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