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30.10.2012

07:21 Uhr

Nach Karten-Debakel

Apple baut Spitzenmanagement um

Der misslungene Start des Kartendienstes hat nun erste Folgen. Der zuständige Topmanager Scott Forstall muss die Konsequenzen ziehen und verlässt Apple. Der Designer Jony Ive wird stattdessen zur Schlüsselfigur.

Ein Kunde mit einem Apple iPhone 5. AFP

Ein Kunde mit einem Apple iPhone 5.

CupertinoBei Apple beginnt eine neue Ära: Konzernchef Tim Cook legt die kreative Verantwortung in die Hand von Designer Jony Ive. Nach dem Debakel mit den ersten Apple-Karten geht der Manager Scott Forstall, dem auch Ambitionen auf die Firmenspitze nachgesagt wurden.
Apples Design-Guru Jony Ive wird zur kreativen Schlüsselfigur für die Zukunft des Unternehmens. Ein massiver Umbau der Apple-Führungsspitze gibt ihm deutlich mehr Macht. Ive soll zusätzlich zur Design-Verantwortung konzernweit für das „Human Interface“ zuständig sein - also für die Gestaltung der Software und letztlich das Zusammenspiel von Mensch und Gerät. Er rückt damit der kreativen Führungsrolle des verstorbenen Apple-Gründers Steve Jobs näher, während Konzernchef Tim Cook sich weiter ums Geschäftliche kümmert.

Dagegen geht der einflussreiche Chef der iOS-Softwareplattform für iPhone und iPad, Scott Forstall, nach dem misslungenen Start des ersten eigenen Kartendienstes von Apple. Zudem hat sich der aus Großbritannien geholte Chef der Apple Stores, John Browett, nur wenige Monate gehalten. Der größte Umbau der Chefetage seit Jahren zeigt, dass Cook die Zügel fest in der Hand hat.

Der Brite Ive war seit der Rückkehr von Gründer Steve Jobs vor 15 Jahren für das Design der Apple-Geräte. Er hatte auch bisher schon eine Sonderrolle bei Apple: „Niemand kann ihm reinreden. Das habe ich so eingerichtet“, sagte Jobs seinem Biografen Walter Isaacson. Zugleich soll es in den vergangenen Jahren immer wieder Spannungen zwischen Ive und Forstall gegeben haben, der mit iOS die Software-Plattform für die beiden wichtigsten Geräte von Apple verantwortete: iPhone und iPad. Ive, der mehrfach durchblicken ließ, dass er sich oft zu sehr im Schatten von Jobs fühlte, bekam jetzt in der Apple-Mitteilung eine ausdrückliche Würdigung.

Mit dem Führungsumbau solle die Zusammenarbeit zwischen den Bereichen Hardware, Software und Dienste verbessert werden, teilte Apple am Montag mit. Die Aufgaben Forstalls, der 2013 geht, werden entsprechend zwischen mehreren Managern aufgeteilt. So wird der Chef der Online-Plattform iTunes, Eddy Cue, die Verantwortung für die Kartendienste und den persönlichen Assistenten Siri übernehmen.

Die eigenen Karten für iPhone und iPad, auf die Apple im Herbst mit dem Marktstart des iPhone 5 umstieg, hatten heftige Kritik der Nutzer ausgelöst, weil sie zu fehlerhaft und ungenau sind. Tim Cook entschuldigte sich öffentlich dafür. Forstall trug als iOS-Chef auch die Verantwortung für den Kartendienst. Ihm wurden von Apple-Kennern Ambitionen auf den Chefposten nachgesagt. Das Magazin „Bloomberg Businessweek“ bezeichnete ihn einmal als „Zauberlehrling“ des legendären Apple-Gründers Steve Jobs. Laut US-Medienberichten lehnte Forstall es ab, Cooks Entschuldigungsbrief ebenfalls zu unterschreiben - und das soll das Fass zum Überlaufen gebracht haben.

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