Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

14.12.2014

16:52 Uhr

Nach Übernahme von E-Plus

O2 will bis 2017 gleiche Netzqualität anbieten wie Konkurrenz

ExklusivTelefonica Deutschland will so gut werden wie Vodafone und Telekom: Spätestens 2017 will das Unternehmen die gleiche Netzqualität anbieten können wie die Konkurrenz. Zudem soll das Angebot flexibler gestaltet werden.

Der Anfang Oktober vollzogene Zusammenschluss von O2 und E-Plus schaffte die Voraussetzung zur Aufholjagd. Reuters

Der Anfang Oktober vollzogene Zusammenschluss von O2 und E-Plus schaffte die Voraussetzung zur Aufholjagd.

DüsseldorfDer neue Chef von Telefonica Deutschland setzt sich nach der Übernahme des früheren Mobilfunk-Discounters E-Plus ehrgeizige Ziele: Spätestens 2017 will er die gleiche Netzqualität anbieten können wie die beiden Wettbewerber Telekom und Vodafone. „Wir werden im ersten Halbjahr kommenden Jahres unseren Kunden erste Vorteile aus der Netzfusion zeigen können“, kündigte Thorsten Dirks im Gespräch mit dem Handelsblatt (Montagsausgabe) an. „Wir werden sehr schnell aufholen, was das Netz angeht. In den nächsten zwei Jahren möchten wir auf Augenhöhe mit dem Wettbewerb sein“, sagte er.

Wegen deutlich geringerer Investitionen hatten sowohl Telefonica Deutschland als auch E-Plus als Nummer Drei und Vier im deutschen Mobilfunkmarkt in Netzqualitätstests stets schlechter abgeschnitten als die Konkurrenz. Auch beim Ausbau des Mobilfunkturbos LTE hinkt der fusionierte Anbieter hinterher.

Der Anfang Oktober vollzogene Zusammenschluss der beiden Unternehmen schaffe jetzt die Voraussetzung zur Aufholjagd, sagte Dirks. Der 51-jährige Hamburger hatte zuvor schon E-Plus geleitet. „Wir brauchen die Skaleneffekte, um an die Investitionen heranzukommen.“

Was die Fusion von E-Plus und O2 für den Kunden bedeutet

Worum geht es?

Die niederländische KPN verkauft ihre Tochter E-Plus an Telefónica Deutschland. Das wurde bereits im Juli 2013 angekündigt. Telefónica Deutschland gehört seinerseits zum spanischen Telefónica-Konzern und bietet vor allem die Mobilfunk-Marke O2 an. „Das neue Unternehmen wird erhebliche Größen- und Effizienzvorteile erzielen“, erklärte Telefónica Deutschland am Mittwoch. Abgeschlossen sein soll der Kauf voraussichtlich bis Ende September.

Wie viele Mobilfunkanbieter gibt es jetzt noch?

Von den großen Anbietern, die ein eigenes Mobilfunknetz besitzen, gibt es in Deutschland künftig nur drei statt vier. Neben Telefónica Deutschland sind dies die Deutsche Telekom und Vodafone. Allerdings gibt es noch viele weitere Mobilfunkmarken. Sie gehören entweder auch zu diesen großen Konzernen oder zu anderen Anbietern. Diese Anbieter leihen sich sozusagen das Netz von den Großen und bieten dann den Endkunden eigene Verträge an. Außerdem könnte sich künftig nach Einschätzung der EU-Kommission auch wieder ein weiterer Anbieter mit eigenem Netz etablieren.

Was bedeutet der Wegfall eines so großen Unternehmens?

Die EU-Kommission hatte bei der Fusion zunächst Bedenken. Sie befürchtete, die Konzentration könne dazu führen, dass sich die verbleibenden Firmen nicht mehr so hart bekriegen - was für die Kunden schlecht wäre, die gerade vom Wettbewerb Vorteile haben. Deshalb hat die EU-Behörde eine ganze Reihe Auflagen für die Fusion gemacht. Dazu gehört zum Beispiel, dass Telefónica 30 Prozent der Netzkapazitäten des neuen Unternehmens verkaufen muss.

Reichen die Auflagen aus?

Die EU-Kommission sagt Ja: „Verbraucher werden weiterhin in den Genuss der Vorteile eines wettbewerbsorientierten Marktes kommen“, kündigte Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia an. Der auf die Branche spezialisierte Professor Torsten J. Gerpott von der Universität Duisburg-Essen hält die Auflagen dagegen für ungenügend. Sie dienten als „Deckmäntelchen“ für eine industriefreundliche und verbraucherfeindliche Politik der Kommission, sagte er AFP. Auch Ilja Braun von der Verbraucherzentrale Bundesverband warnt: „Eine Konzentration im Markt birgt für Verbraucher immer Gefahren.“

Steigen jetzt die Preise?

Das ist nicht ausgeschlossen. Zwar seien kurzfristig keine Preissteigerungen zu befürchten, glaubt Gerpott. Er verweist aber zugleich auf Österreich, wo es vor 18 Monaten eine vergleichbare Übernahme gab. Dort seien „die Preise nicht mehr so schnell gefallen und zum Teil sogar gestiegen“. Das könnte mittelfristig auch in Deutschland passieren, meint der Wirtschaftsprofessor. Telefónica äußert sich nicht konkret zu Preisen. In einer Erklärung versichert das Unternehmen aber, „den Markt mit innovativen Produkten und Services (...) noch stärker herauszufordern.“

Ändern sich die bestehenden Mobilfunk-Verträge?

Bei bereits abgeschlossene Verträgen besteht kein Grund zur Sorge. „Bestehende Verträge ändern sich nicht“, sagte ein Sprecher von Telefónica Deutschland.

Verschwindet E-Plus jetzt ganz?

Ob die Marke E-Plus bestehen bleibt oder verschwindet, das lässt sich laut Telefónica Deutschland noch nicht sagen. Dafür müsse erst der Abschluss der Übernahme abgewartet werden.

Was kann noch passieren?

Denkbar sind laut Verbraucherschützer Braun, dass einige Billigmarken wegfallen, die bisher unter dem Dach von E-Plus und Telefónica angeboten werden. Ferner könnten auch Läden geschlossen werden. „Es macht keinen Sinn, dann einen O2-Laden neben einem E-Plus-Laden zu haben“, sagte Braun.

Dirks, schon lange als „enfant terrible“ der Branche bekannt, will sich strategisch zudem anders positionieren als ein Großteil der Branche. Dem allgemeinen Trend zum Komplettangebot, also der Bündelung von Mobilfunk, Festnetz, schnellem Internet und TV, will er nur teilweise folgen. „Dem Kunden in Deutschland ist Flexibilität wichtig, er will einzelne Produkte auswählen und kombinieren.“ Dies sei bei den derzeit vermarkteten Bündelprodukten nicht so einfach. „Wir gehen den Trend zur Konvergenz ein Stück mit, aber anders als unsere Wettbewerber. Was am Ende zum Erfolg führt, werden wir sehen.“

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×