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05.05.2015

12:17 Uhr

Nach Übernahme von E-Plus

Telefónica Deutschland steigert den Gewinn

Telefónica Deutschland steigert zum Jahresauftakt den operativen Gewinn. Unter dem Strich stehen jedoch tiefrote Zahlen. Der Kauf des Rivalen E-Plus wird den Telekomkonzern noch länger belasten.

Der deutsche Telefónica-Ableger schreibt nach dem E-Plus-Kauf rote Zahlen. Reuters

„o2“-Kundin

Der deutsche Telefónica-Ableger schreibt nach dem E-Plus-Kauf rote Zahlen.

FrankfurtDer Telekomkonzern Telefónica Deutschland hat dank geringerer Werbeausgaben und mehr Mobilfunkkunden zum Jahresauftakt den Gewinn gesteigert. Der Betriebsgewinn habe in den ersten drei Monaten 2015 um sechs Prozent auf 378 Millionen Euro zugenommen, teilte die unter der Marke „o2“ bekannte Telefónica Deutschland am Dienstag mit. Die Zahl der Handynutzer stieg um gut 50.000 auf 42,18 Millionen – damit telefonieren mit o2 mehr Bundesbürger als mit den Rivalen Deutsche Telekom oder Vodafone.

Unter dem Strich drückte der voriges Jahr besiegelte Kauf des Rivalen E-Plus den Konzern mit 176 Millionen Euro Fehlbetrag in die roten Zahlen. Das Minus resultiert unter anderem aus einer Wertminderung infolge des Zusammenschlusses. Zudem werden für die Netzzusammenschaltung überflüssige Sendestationen abgebaut – das ist teuer und langwierig. Die Belastungen zusammen summierten sich im ersten Quartal auf einen niedrigen dreistelligen Millionen-Betrag.

Für dieses Jahr erwartet Konzernchef Thorsten Dirks einen Anstieg des Betriebsgewinns um mehr als zehn Prozent. 2014 lag die Kennzahl bei 679 Millionen Euro – das waren 45 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Wie geplant soll die Fusion mit E-Plus die Kosten in diesem Jahr um 250 Millionen Euro drücken. Telefónica Deutschland hatte E-Plus für 8,6 Milliarden Euro geschluckt.

Was die Fusion von E-Plus und O2 für den Kunden bedeutet

Worum geht es?

Die niederländische KPN verkauft ihre Tochter E-Plus an Telefónica Deutschland. Das wurde bereits im Juli 2013 angekündigt. Telefónica Deutschland gehört seinerseits zum spanischen Telefónica-Konzern und bietet vor allem die Mobilfunk-Marke O2 an. „Das neue Unternehmen wird erhebliche Größen- und Effizienzvorteile erzielen“, erklärte Telefónica Deutschland am Mittwoch. Abgeschlossen sein soll der Kauf voraussichtlich bis Ende September.

Wie viele Mobilfunkanbieter gibt es jetzt noch?

Von den großen Anbietern, die ein eigenes Mobilfunknetz besitzen, gibt es in Deutschland künftig nur drei statt vier. Neben Telefónica Deutschland sind dies die Deutsche Telekom und Vodafone. Allerdings gibt es noch viele weitere Mobilfunkmarken. Sie gehören entweder auch zu diesen großen Konzernen oder zu anderen Anbietern. Diese Anbieter leihen sich sozusagen das Netz von den Großen und bieten dann den Endkunden eigene Verträge an. Außerdem könnte sich künftig nach Einschätzung der EU-Kommission auch wieder ein weiterer Anbieter mit eigenem Netz etablieren.

Was bedeutet der Wegfall eines so großen Unternehmens?

Die EU-Kommission hatte bei der Fusion zunächst Bedenken. Sie befürchtete, die Konzentration könne dazu führen, dass sich die verbleibenden Firmen nicht mehr so hart bekriegen - was für die Kunden schlecht wäre, die gerade vom Wettbewerb Vorteile haben. Deshalb hat die EU-Behörde eine ganze Reihe Auflagen für die Fusion gemacht. Dazu gehört zum Beispiel, dass Telefónica 30 Prozent der Netzkapazitäten des neuen Unternehmens verkaufen muss.

Reichen die Auflagen aus?

Die EU-Kommission sagt Ja: „Verbraucher werden weiterhin in den Genuss der Vorteile eines wettbewerbsorientierten Marktes kommen“, kündigte Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia an. Der auf die Branche spezialisierte Professor Torsten J. Gerpott von der Universität Duisburg-Essen hält die Auflagen dagegen für ungenügend. Sie dienten als „Deckmäntelchen“ für eine industriefreundliche und verbraucherfeindliche Politik der Kommission, sagte er AFP. Auch Ilja Braun von der Verbraucherzentrale Bundesverband warnt: „Eine Konzentration im Markt birgt für Verbraucher immer Gefahren.“

Steigen jetzt die Preise?

Das ist nicht ausgeschlossen. Zwar seien kurzfristig keine Preissteigerungen zu befürchten, glaubt Gerpott. Er verweist aber zugleich auf Österreich, wo es vor 18 Monaten eine vergleichbare Übernahme gab. Dort seien „die Preise nicht mehr so schnell gefallen und zum Teil sogar gestiegen“. Das könnte mittelfristig auch in Deutschland passieren, meint der Wirtschaftsprofessor. Telefónica äußert sich nicht konkret zu Preisen. In einer Erklärung versichert das Unternehmen aber, „den Markt mit innovativen Produkten und Services (...) noch stärker herauszufordern.“

Ändern sich die bestehenden Mobilfunk-Verträge?

Bei bereits abgeschlossene Verträgen besteht kein Grund zur Sorge. „Bestehende Verträge ändern sich nicht“, sagte ein Sprecher von Telefónica Deutschland.

Verschwindet E-Plus jetzt ganz?

Ob die Marke E-Plus bestehen bleibt oder verschwindet, das lässt sich laut Telefónica Deutschland noch nicht sagen. Dafür müsse erst der Abschluss der Übernahme abgewartet werden.

Was kann noch passieren?

Denkbar sind laut Verbraucherschützer Braun, dass einige Billigmarken wegfallen, die bisher unter dem Dach von E-Plus und Telefónica angeboten werden. Ferner könnten auch Läden geschlossen werden. „Es macht keinen Sinn, dann einen O2-Laden neben einem E-Plus-Laden zu haben“, sagte Braun.

Derzeit wirft eines der wichtigsten Ereignisse des Jahrzehnts in der Telekom-Branche seine Schatten voraus. Ab Ende Mai bieten die Netzbetreiber wieder für Mobilfunkfrequenzen, die für jeden der drei Anbieter überlebenswichtig sind. Bei der letzten Auktion vor fünf Jahren legten Telekom, Vodafone und die mittlerweile fusionierte E-Plus/Telefónica zusammen 4,4 Milliarden Euro auf den Tisch.

Allerdings hat sich die Branche seitdem deutlich gewandelt, da die Funknetze wegen des Booms von Smartphones und Tablet-Computern bald an ihre Grenzen stoßen. Und da künftig wohl so gut wie jedes technische Gerät - vom Kühlschrank bis zum Auto - ständig mit dem Internet verbunden sein wird, steigen die Anforderungen noch weiter. In die Karten blicken ließ Dirks sich nicht. „Wir fühlen uns für bevorstehende Frequenzauktion gut gerüstet“, sagte er lediglich.

Von

rtr

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