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17.10.2014

14:20 Uhr

Nach Übernahme von E-Plus

Telefónica Deutschland will 1600 Stellen streichen

Erst kürzlich hat Telefónica den Rivalen E-Plus übernommen. Durch den Zusammenschluss will der Telekommunikationskonzern rund fünf Milliarden Euro sparen. Nun setzt das Unternehmen den Rotstift bei den Arbeitsplätzen an.

Telefónica Deutschland hatte bereits angekündigt, durch den Zusammenschluss mit E-Plus massiv Kosten zu sparen. dpa

Telefónica Deutschland hatte bereits angekündigt, durch den Zusammenschluss mit E-Plus massiv Kosten zu sparen.

MünchenDer Mobilfunkanbieter Telefonica Deutschland („o2“) will einem Brancheninsider zufolge nach dem Kauf des Rivalen E-Plus jede sechste Stelle streichen. Der Konzern plane, in Deutschland bis 2018 etwa 1600 Vollzeitstellen zu streichen, sagte eine mit der Situation vertraute Person am Freitag der Nachrichtenagentur Reuters.

Zusammen zählen die beiden Unternehmen derzeit 9100 Mitarbeiter. Telefonica strebe dabei ein Abfindungsprogramm für ausscheidende Mitarbeiter an. Betriebsbedingte Kündigungen sollten möglichst vermieden werden. Der Vorstand habe die Pläne am Vortag dem Kontrollgremium von Telefonica in München vorgestellt – nun würden die Betriebsräte informiert, mit denen in den nächsten Wochen das weitere Vorgehen abgestimmt werden solle.

Die beiden Firmen sollen von dem Abbau gleichermaßen betroffen sein, wobei die frühere E-Plus-Zentrale in Düsseldorf wichtige Funktionen behalten solle, sagte der Insider. Grund für die Streichungen sei nicht nur die Anfang Oktober abgeschlossene Fusion mit E-Plus, sondern auch der Umbruch in der Branche. Nutzer buchten etwa Mobilfunkabos verstärkt über das Internet, anstatt beim Kundenservice anzurufen, sagte die Person weiter.

Telefonica Deutschland, eine Tochter des spanischen Telefonica -Konzerns, leidet wie die Konkurrenten unter dem Kampf um Kunden, der vor allem über den Preis geführt wird. Der operative Gewinn ging im zweiten Quartal um 15 Prozent zurück. Um auf dem Markt langfristig mitzuhalten, übernahm Telefonica für 8,6 Milliarden Euro den Branchen-Dritten E-Plus von KPN.

Was die Fusion von E-Plus und O2 für den Kunden bedeutet

Worum geht es?

Die niederländische KPN verkauft ihre Tochter E-Plus an Telefónica Deutschland. Das wurde bereits im Juli 2013 angekündigt. Telefónica Deutschland gehört seinerseits zum spanischen Telefónica-Konzern und bietet vor allem die Mobilfunk-Marke O2 an. „Das neue Unternehmen wird erhebliche Größen- und Effizienzvorteile erzielen“, erklärte Telefónica Deutschland am Mittwoch. Abgeschlossen sein soll der Kauf voraussichtlich bis Ende September.

Wie viele Mobilfunkanbieter gibt es jetzt noch?

Von den großen Anbietern, die ein eigenes Mobilfunknetz besitzen, gibt es in Deutschland künftig nur drei statt vier. Neben Telefónica Deutschland sind dies die Deutsche Telekom und Vodafone. Allerdings gibt es noch viele weitere Mobilfunkmarken. Sie gehören entweder auch zu diesen großen Konzernen oder zu anderen Anbietern. Diese Anbieter leihen sich sozusagen das Netz von den Großen und bieten dann den Endkunden eigene Verträge an. Außerdem könnte sich künftig nach Einschätzung der EU-Kommission auch wieder ein weiterer Anbieter mit eigenem Netz etablieren.

Was bedeutet der Wegfall eines so großen Unternehmens?

Die EU-Kommission hatte bei der Fusion zunächst Bedenken. Sie befürchtete, die Konzentration könne dazu führen, dass sich die verbleibenden Firmen nicht mehr so hart bekriegen - was für die Kunden schlecht wäre, die gerade vom Wettbewerb Vorteile haben. Deshalb hat die EU-Behörde eine ganze Reihe Auflagen für die Fusion gemacht. Dazu gehört zum Beispiel, dass Telefónica 30 Prozent der Netzkapazitäten des neuen Unternehmens verkaufen muss.

Reichen die Auflagen aus?

Die EU-Kommission sagt Ja: „Verbraucher werden weiterhin in den Genuss der Vorteile eines wettbewerbsorientierten Marktes kommen“, kündigte Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia an. Der auf die Branche spezialisierte Professor Torsten J. Gerpott von der Universität Duisburg-Essen hält die Auflagen dagegen für ungenügend. Sie dienten als „Deckmäntelchen“ für eine industriefreundliche und verbraucherfeindliche Politik der Kommission, sagte er AFP. Auch Ilja Braun von der Verbraucherzentrale Bundesverband warnt: „Eine Konzentration im Markt birgt für Verbraucher immer Gefahren.“

Steigen jetzt die Preise?

Das ist nicht ausgeschlossen. Zwar seien kurzfristig keine Preissteigerungen zu befürchten, glaubt Gerpott. Er verweist aber zugleich auf Österreich, wo es vor 18 Monaten eine vergleichbare Übernahme gab. Dort seien „die Preise nicht mehr so schnell gefallen und zum Teil sogar gestiegen“. Das könnte mittelfristig auch in Deutschland passieren, meint der Wirtschaftsprofessor. Telefónica äußert sich nicht konkret zu Preisen. In einer Erklärung versichert das Unternehmen aber, „den Markt mit innovativen Produkten und Services (...) noch stärker herauszufordern.“

Ändern sich die bestehenden Mobilfunk-Verträge?

Bei bereits abgeschlossene Verträgen besteht kein Grund zur Sorge. „Bestehende Verträge ändern sich nicht“, sagte ein Sprecher von Telefónica Deutschland.

Verschwindet E-Plus jetzt ganz?

Ob die Marke E-Plus bestehen bleibt oder verschwindet, das lässt sich laut Telefónica Deutschland noch nicht sagen. Dafür müsse erst der Abschluss der Übernahme abgewartet werden.

Was kann noch passieren?

Denkbar sind laut Verbraucherschützer Braun, dass einige Billigmarken wegfallen, die bisher unter dem Dach von E-Plus und Telefónica angeboten werden. Ferner könnten auch Läden geschlossen werden. „Es macht keinen Sinn, dann einen O2-Laden neben einem E-Plus-Laden zu haben“, sagte Braun.

Durch den Schulterschluss sollen die Kosten vor allem durch die Verschmelzung der beiden Handy-Netze um mehr als fünf Milliarden Euro sinken. Zusammen kommen die beiden Anbieter auf 45 Millionen Kunden und ziehen damit am Führungsduo Deutsche Telekom und Vodafone vorbei. Damit bleiben in Deutschland nur noch drei Handynetz-Betreiber übrig. Ein Sprecher von Telefonica in München wollte keine Stellungnahme zu den Informationen abgeben.

Von

dpa

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