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08.10.2012

14:31 Uhr

Nach US-Bericht

Technikkonzern Huawei wehrt sich gegen Spionage-Vorwürfe

VonFinn Mayer-Kuckuk

In einem Bericht zur Vertrauenswürdigkeit chinesischer Firmen warnt die USA vor einer Zusammenarbeit mit dem Technikkonzern Huawei. Das Unternehmen weist die Vorwürfe zurück.

Mitarbeiterin in einem Büro des chinesischen Technikkonzerns Huawei. AFP

Mitarbeiterin in einem Büro des chinesischen Technikkonzerns Huawei.

PekingNach einem Frontalangriff durch die US-Politik verteidigt der chinesische Technikkonzern Huawei seine Produkte. „Die Sicherheit und Integrität unserer Produkte haben sich weltweit bewiesen“, sagte eine Unternehmenssprecherin in Shenzhen Handelsblatt Online. Huawei arbeite in fast 150 Märkten mit mehr als 500 Großkunden zusammen. Es habe nie eine Klage über mangelnde Datensicherheit gegeben.

In Washington war zuvor der Entwurf eines Parlamentsberichts zu den chinesischen Netzausrüstern Huawei und ZTE bekannt geworden, der die Firmen als Sicherheitsrisiko bezeichnet. Diese Firmen seien „nicht frei vom Einfluss ausländischer Mächte“, lautet das Fazit der Abgeordneten.

Der Bericht empfiehlt, Huawei von Investitionen und Übernahmen in den USA abzuhalten. Mögliche Kunden sollten „einen anderen Anbieter finden, wenn ihnen der Datenschutz ihrer Kunden am Herzen liegt“, sagte der Abgeordnete Mike Rogers im US-Fernsehen. Der Ausschuss sollte unter seiner Leitung die Vertrauenswürdigkeit der chinesischen Firmen beurteilten. Der Bericht ist noch nicht offiziell veröffentlicht.

Huawei stellt Gerätschaften für Internet- und Handynetze her. Das Misstrauen gegenüber den chinesischen Firmen reicht schon mehrere Jahre zurück. Der Gründer des chinesischen Technikkonzerns, Reng Zhengfei, hat einst in der Armee gedient. US-Politiker begründen damit ihre Befürchtung, der chinesische Staat könne in die Produktsoftware eingreifen. Die Netzwerkrechner des Unternehmens könnten beispielsweise Kopien des Datenverkehrs an die chinesischen Geheimdienst funken, so der Gedanke. Rogers nannte Huawei daher auch eine Gefahr für die nationale Sicherheit der USA.

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Auch in anderen Märkten schlägt Huawei Misstrauen entgegen. Indien hat Huawei und ZTE von bestimmten Staatsaufträgen ausgeschlossen. Die chinesische Seite sieht die Zurückweisung durch diese Länder in erster Linie als politisch motiviert. „Dahinter stecken Manöver in Washington. Kritik in China kommt bei den Wählern anscheinend gut an“, sagte ein Huawei-Mitarbeiter vor Bekanntwerden des Berichtsentwurfs.

Eine Huawei-Sprecherin vermutet „politische Ziele“ hinter dem Parlamentsbericht. Ein Sprecher des  chinesischen Außenministeriums betonte, die IT-Firmen des Landes richteten ihr internationales Geschäft „nach marktwirtschaftlichen Gesichtspunkten“ aus. Er verwies auf die Wichtigkeit chinesischer Investitionen in den USA auch für die dortige Wirtschaft.

Huawei hat im ersten Halbjahr weltweit rund zwölf Milliarden Euro Umsatz gemacht, davon eine runde halbe Milliarde in den USA. Das Unternehmen hat in den vergangenen zwei Jahrzehnten den Aufstieg von einer kleinen südchinesischen Technikbude zu einem harten Konkurrenten für Namen wie Cisco, Ericsson oder Nokia Siemens Networks geschafft. Der US-Parlamentsbericht wies ausdrücklich darauf hin, dass Huawei zu einem erheblichen Konkurrenten für einheimische Unternehmen geworden sei.

Zu den Kunden und Partnern in Deutschland gehören der Mobilfunkbetreiber Vodafone oder die Telekom. Klagen darüber, dass die Router Daten unerlaubt nach China umleiten, sind bisher noch nie bekannt geworden. Technikexperten halten es für theoretisch möglich, aber extrem unwahrscheinlich, dass Huawei-Produkte gezielt Kopien eines Teils des Datenverkehrs an Adressen in China senden. Eine solche Manipulation lasse sich leicht nachweisen. Zudem wäre ihre Aufdeckung extrem schädlich fürs Geschäft.

Kommentare (5)

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Jaja

08.10.2012, 14:48 Uhr

Na, da sieht es bei iPhone wohl nicht so rosig aus, wenn schon die VSA-Politik für Apfel Konkurrenten vom Hals halten muss.

Numismatiker

08.10.2012, 15:23 Uhr

Huawei ist chinesisch, also haben sie auch spioniert.

Account gelöscht!

08.10.2012, 15:48 Uhr

"Der US-Parlamentsbericht wies ausdrücklich darauf hin, dass Huawei zu einem erheblichen Konkurrenten für einheimische Unternehmen geworden sei."

na, das hätte ja wohl niemand gedacht, tse :)

Wer ausgerechnet die Technik eines der wichtigsten Kommunikationsbereiche in solche Länder, die den Weltmarkt mit Markenkopien und geklauten Patenten überschwemmen, exportiert, der muß sich doch nicht wundern. Schwemmt ruhig noch mehr rein, die Menscheit braucht das.
Netze und Kommunikationsdienste werden in Zukunft wichtiger als Waffen sein.

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