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30.04.2014

01:56 Uhr

Nach Vorlage der Quartalszahlen

Twitter stürzt auf tiefsten Stand seit Börsengang

Obwohl immer mehr Menschen den Kurznachrichtendienst Twitter nutzen, machte das US-Unternehmen deutlich mehr Verlust als im Vorjahr. Die Verschlechterung hängt zum Teil mit dem Börsengang zusammen.

Twitter hat keine guten Nachrichten für die Anleger, die seit dem Börsengang im November 2013 Anteile an dem Unternehmen halten. Reuters

Twitter hat keine guten Nachrichten für die Anleger, die seit dem Börsengang im November 2013 Anteile an dem Unternehmen halten.

San FranciscoTrotz eines anhaltenden Nutzerzustroms bleibt der Kurznachrichtendienst Twitter unprofitabel. Im ersten Quartal lag der Verlust bei unterm Strich 132 Millionen Dollar (96 Mio Euro), wie das Unternehmen aus San Francisco am Dienstag mitteilte. Twitter hatte im Vorjahreszeitraum 27 Millionen Dollar verloren.

Die Aktie fiel nachbörslich um 10 Prozent auf 38 Dollar und damit auf den tiefsten Stand seit dem Börsengang. Twitter kam zuletzt auf 255 Millionen Nutzer im Monat. „Es gibt nur wenige Unternehmen, die diese Reichweite haben“, sagte Firmenchef Dick Costolo in einer Telefonkonferenz mit Analysten.

Twitter war im November erfolgreich an die Börse gegangen. Der damalige Ausgabekurs lag bei 26 Dollar und kletterte sofort nach dem Handelsstart. Die Aktie hatte am Zweiten Weihnachtstag mit gut 73 Dollar ihren Höchststand erreicht. Seitdem ging es wieder abwärts wegen der Sorgen um die Nutzerentwicklung.

Warum Twitter?

Viele Nutzer - viel Meinung

Beschwerden über verspätete Züge, Lästereien über den „Tatort“, private Absprachen: Twitter ist ein öffentliches Medium, wird aber auch für private Kommunikation genutzt. Das irritiert viele Beobachter, die sich nicht mit Twitter beschäftigen, auch heute noch.

In der Kürze liegt die Würze

140 Anschläge – länger darf ein Tweet nicht sein. Darin liegt der Reiz: Nutzer wissen sofort, worum es geht. Wer mehr in die Tiefe gehen will, kann sich mit den verlinkten Texten und Videos beschäftigen.

Nur ein Tenor

Der Tenor in den kurzen Twitter-Nachträgen ist meist eindeutig. Entweder man ist für eine Aktie oder eben dagegen. Ganz anders bei Blog- oder Foreneinträgen. Dort schwankt die Stimmung schon mal in jedem Absatz. Für einen Algorithmus ist es eine große Herausforderung, solche längeren Textstücke eindeutig zuzuordnen.

Reaktion in Echtzeit

Auf Twitter wird nicht lang gefackelt. Ein Ereignis, eine Information, und das Zwitschern ist eröffnet. Wer die Stimmung im Netz abgreifen will, sollte auf die Echtzeit-Tweet nicht verzichten.

Twitter konnte von Januar bis März 14 Millionen Nutzer hinzugewinnen. Das war zwar mehr als von Oktober bis Dezember mit 9 Millionen. Doch verglichen mit Rivalen wie Facebook ist es wenig. Das weltgrößte Online-Netzwerk hatte in den vergangenen drei Monaten rund 50 Millionen Leute neu angelockt und kam zuletzt auf 1,28 Milliarden Nutzer im Monat.

Die Nutzerzahlen sind wichtig für Twitter: Von der Reichweite hängt die Attraktivität des Dienstes für Werbekunden ab. Anzeigen sind die größte Einnahmequelle, vor allem auf Smartphones.

Zuletzt hatte Twitter seine Anstrengungen im Werbegeschäft erhöht. Der Quartalsumsatz lag bei 250 Millionen Dollar und damit mehr als doppelt so hoch wie im Vorjahreszeitraum. Für das Gesamtjahr rechnet das Management nun mit bis zu 1,25 Milliarden Dollar. Die bisherige Prognose lag bei maximal 1,2 Milliarden Dollar.

Trotz dieser Verbesserung scheinen die Börsianer etwas den Glauben an Twitter verloren zu haben - zumal der Kurznachrichtendienst weiterhin kein Geld verdient. Im Gegenteil: Der Quartalsverlust lag bei unterm Strich 132 Millionen Dollar nach 27 Millionen Dollar im gleichen Zeitraum des Vorjahres.

Die Verschlechterung bei den Quartalszahlen ist eine Spätfolge des Börsengangs aus dem November. Twitter muss für Aktien, die das Unternehmen seinen Mitarbeitern gewährt, hohe Kosten verbuchen. Das hatte dem Unternehmen bereits das Ergebnis des Jahres 2013 verhagelt. Ohne Sondereffekte wäre ein kleiner Gewinn herausgekommen, rechnete Twitter vor.

Bei Twitter kann man bis zu 140 Zeichen lange Nachrichten absetzen, die auch Links zu Websites, Bildern oder Videos enthalten können. Das Unternehmen positioniert sich damit als Medium für Nachrichten. Um attraktiver für Neulinge zu werden, führt Twitter nach und nach ein neues Design für seine Website ein.

Von

dpa

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