Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

15.06.2012

17:16 Uhr

Nach Werksschließung

Nokia-Beschäftigte hoffen auf Hilfe der Politik

Das Ende kam schneller als erwartet. Bereits im September sollen das Nokia-Werk in Ulm geschlossen werden. Rund 730 Mitarbeitern droht die Arbeitslosigkeit. Jetzt hoffen sie auf Hilfe aus der Politik.

Bei Nokia in Ulm gehen bald die Lichter aus. dpa

Bei Nokia in Ulm gehen bald die Lichter aus.

UlmDie 730 Nokia-Beschäftigten in Ulm wollen die Schließung ihres Standorts nicht kampflos hinnehmen. Betriebsratschef Heiner Mosbacher sagte am Freitag, er hoffe, dass sich die Politik einschalten werde. Der Standort für Forschung und Entwicklung soll nach Angaben des kriselnden Unternehmens Ende September 2012 schließen.

Die Ankündigung habe die Beschäftigten völlig überrascht, sagte Mosbacher. „Ulm ist ein sehr motivierter und leistungsfähiger Standort.“ Die Entscheidung sei auch völlig unverständlich, weil es in den vergangenen eineinhalb Jahren 250 Neueinstellungen in Ulm gegeben habe. Von Nokia gebe es bislang kein Angebot, die betroffenen Mitarbeiter an anderen Stellen im Konzern weiter zu beschäftigen.
Nokia hatte am Donnerstag den Abbau von weltweit 10 000 Arbeitsplätzen bis Ende 2013 angekündigt - das ist jeder fünfte Job im Mobilfunkbereich. Der einstige Handy-Weltmarktführer will sich auf Kernbereiche wie Smartphones der Marke Lumia, digitale Fotografie und mobile Navigation konzentrieren.

Wer den Markt der Smartphones regiert

Apple

Platz 1: Mit einem Marktanteil von 18,4 Prozent führte Apple im zweiten Quartal des Jahres den Smartphone-Markt an. Insgesamt 20, 34 Millionen Smartphones lieferte der Hersteller in diesem Zeitraum an den weltweiten Handel. Im Vergleich zum ersten Quartal entspricht das einer Steigerung von über neun Prozent. Verglichen mit dem Vorjahr konnte Apple damit sogar eine Steigerung von über 140 Prozent erzielen.

Samsung

Platz 2: Direkt hinter Apple reiht sich der südkoreanische Rivale Samsung mit einem Marktanteil von 17,8 Prozent ein. Insgesamt 19,6 Millionen Smartphones brachten die Koreaner im zweiten Quartal in den weltweiten Handel. Damit hat sich der Hersteller selbst übertroffen: Im Vergleich zum ersten Quartal entspricht das einer Steigerung von fast 56 Prozent, im Vergleich zum Vorjahr ist das sogar eine 600-prozentige Steigerung.

Nokia

Platz 3: Mit einem Marktanteil von 15,1 Prozent hat es Nokia trotz der Verluste bei den Smartphones im zweiten Quartal noch unter die drei Besten geschafft. 16,7 Millionen Modelle lieferte der Hersteller aus - das sind 31 Prozent weniger als noch im ersten Quartal.

RIM

Platz 4: Ebenfalls Verluste machte RIM im zweiten Quartal des Jahres. Mit 13,2 Millionen ausgelieferten Smartphones erreichte der Hersteller einen Marktanteil von 12 Prozent, musste im Vergleich zum Quartal zuvor aber einen Rückgang von fast 11 Prozent in Kauf nehmen.

HTC

Platz 5: Der Marktanteil der HTC-Smartphones lag im zweiten Quartal bei 10,8 Prozent. Insgesamt fast 12 Millionen Modelle brachte der Hersteller in den Handel und steigerte damit sein Ergebnis aus dem Quartal zuvor um fast 25 Prozent.

Motorola

Platz 6: Motorola-Smartphones erreichten im zweiten Quartal einen Marktanteil von 4 Prozent. 4,4 Millionen Modelle brachte der Hersteller in diesem Zeitraum in den weltweiten Handel und steigerte sein Ergebnis aus dem ersten Quartal damit um mehr als sieben Prozent.

Sharp

Platz 7: Der japanische Elektronikkonzern Sharp hat mit 1,48 Millionen ausgelieferten Smartphones im zweiten Quartal einen Marktanteil von 6,8 Prozent erreicht. Im Vergleich zum ersten Quartal konnte der Konzern sein Ergebnis um 1,3 Prozent steigern.

Andere

Unter ferner liefen: Alle anderen, weniger nennenswerten Hersteller machten im zweiten Quartal mit rund 22,7 Millionen ausgelieferten Smartphones zusammengenommen einen Marktanteil von 20,6 Prozent aus. Im Vergleich zum Quartal zuvor entspricht das einer Steigerung von fast 31 Prozent. Betrachtet man den gesamten Markt, so wurden im zweiten Quartal weltweit über 1,1 Milliarden Smartphones der verschiedenen Hersteller ausgeliefert. Im Vergleich zum ersten Quartal entspricht das einer Steigerung von 7,5 Prozent, im Vergleich zum Vorjahr ist es sogar eine Steigerung um rund 82 Prozent.

Die Rating-Agentur Moody's stufte Nokia nach Vorstellung des Sanierungsplans auf Ramsch-Niveau zurück. Die Ankündigungen offenbarten einen stärkeren Druck auf die Ergebnisse und höhere Kosten als bisher angenommen, erklärte Nokia-Experte Wolfgang Draack am Freitag. Deswegen wurde das Rating auf „Ba1“ gesenkt. Angesichts der Bewertung muss das Unternehmen nun damit rechnen, dass es Kredite künftig nur noch gegen spürbar höhere Zinsen erhält. Moody's erwartet eine weitere Umstrukturierung, wenn sich die Umsatzentwicklung nicht bald stabilisiert.

Ein Termin für Verhandlungen zwischen Betriebsrat und Geschäftsleitung über die Abwicklung des Standorts stehe noch nicht fest, sagte Betriebsratschef Mosbacher. In Ulm arbeiten vorwiegend Ingenieure. Die Beschäftigten sind im Durchschnitt 38 Jahre alt und gehören 38 Nationalitäten an. Der Betriebsrat kann sich vorstellen, dass eventuell ein Investor den Standort übernimmt.

Gewerkschaftsfunktionärin Petra Wassermann von der IG Metall verwies darauf, dass der Arbeitsmarkt in Ulm in den vergangenen Wochen einige Rückschläge verkraften musste - beispielsweise die Pleite der Drogeriekette Schlecker, den Arbeitsplatzabbau bei EvoBus und die geplante Verlagerung der Lastwagenproduktion bei der Fiat-Tochter Iveco Magirus.
Deutschland bleibe für Nokia ein wichtiger Standort, hatte Konzernchef Stephen Elop am Donnerstag betont. Er hob vor allem das Zentrum für ortsbezogene Dienste in Berlin hervor. In Ulm aber arbeiteten die Mitarbeiter an Projekten, die Nokia nicht mehr fortführen werde.

Von

dpa

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×