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18.01.2005

10:05 Uhr

Nachgefragt: Markus Schächter

Schächter: „Erstmals kein Kreditbedarf“

VonH.-P. Siebenhaar (; Handelsblatt)

Das Gejammere unter den Öffentlich-Rechtlichen ist trotz einer Gebührenerhöhung von 88 Cent ab dem 1. April groß. Das Handelsblatt sprach mit Markus Schächter, dem Intendant des ZDF über die finanzielle Sanierung des Mainzer Senders.

Handelsblatt: Herr Schächter, das Gejammere unter den Öffentlich-Rechtlichen ist trotz einer Gebührenerhöhung groß. Wie kommen Sie mit der Erhöhung von 88 Cent ab 1. April zurecht?

Markus Schächter: Ich bin nicht in Oberjammergau zu Hause. Wir wissen, dass das ZDF 37 Cent pro Gebührenzahler monatlich dazubekommt. Das wissen wir zu schätzen. Allerdings sind wir über die Art des Verfahrens der Gebührenerhöhung außerordentlich besorgt. Es hat ein Paradigmenwechsel stattgefunden. Statt einer unabhängigen Gebührenkommission namens KEF hat nun die Politik das Sagen.

Wie stellt sich die finanzielle Situation des ZDF dar?

Wir sind gut in der Spur. Wir werden die Gebührenperiode ausgeglichen abschließen.

Wie sieht die Finanzplanung aus?

Wir haben zum Jahresende 2004 zum ersten Mal seit vielen Jahren keinen Kreditbedarf gehabt.

Wie sieht der Schuldenstand aus?

Unser Defizit für die letzte Gebührenperiode von über 200 Mill. Euro haben wir auf unter 100 Mill. Euro deutlich reduziert.

Warum wurden die Schulden nicht noch schneller abgebaut?

Die Ausfälle bei der Werbung waren höher als angenommen. Wir hatten in der letzten Gebührenperiode Ausfälle in der Werbung von 170 Mill. Euro. 2004 brachen zudem die Gebührenerträge ein.

Der ARD-Vorsitzende Thomas Gruber schließt Entlassungen als letztes Mittel nicht mehr aus. Wird es auch beim ZDF Entlassungen geben?

Ich schließe betriebsbedingte Kündigungen für das ZDF aus. Wir haben in den vergangenen zwölf Jahren unsere Ausgaben für Personal um 30 Prozent gesenkt. Unser Personalaufwand beläuft sich heute auf unter 15 Prozent des Gesamtetats. Damit können wir uns international sehen lassen. In Europa gibt es keine andere öffentlich-rechtliche Anstalt, die eine solche Quote erreicht. Für die öffentlich-rechtlichen Anstalten ist bekanntlich die sündhaft teuere Altersversorgung ein Riesenproblem.

Wie steht es um die Altersversorgung beim ZDF?

Die Altersversorgung haben wir bereits seit den späten neunziger Jahren reduziert. Wir stehen daher nicht so unter Druck wie andere Sender. Bei der Altersversorgung liegen wir sogar unter dem Öffentlichen Dienst. Das ZDF ist zukunftssicher.

Wie würden Sie die Stimmung beim ZDF in der momentanen Lage beschreiben?

Motiviert, weil wir erfolgreich sind und die Reformen vorantreiben. Aus der öffentlich-rechtlichen Anstalt wird ein Unternehmen.

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