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18.10.2013

11:44 Uhr

Nachrichtenportale

Schweizer Konzern plant „Buzzfeed“-Kopie

VonHolger Alich

ExklusivDer Schweizer Medienkonzern Ringier plant ein neues Online-Portal, das Nachrichten für junge und urbane Leser bieten soll. Eine US-Webseite soll als Vorbild dienen. Auch andere Verleger im Alpenland verfolgen neue Ideen.

Das amerikanische Info-Portal Buzzfeed setzt auf eine Mischung aus Nachrichten und zeitlosen Listen, die zum Klicken anregen. Screenshot

Das amerikanische Info-Portal Buzzfeed setzt auf eine Mischung aus Nachrichten und zeitlosen Listen, die zum Klicken anregen.

ZürichIn der Schweiz wird sich der Wettbewerb der News-Portale verschärfen. Gleich mehrere neue Projekte sind die Planung. Nun steigt auch das Schweizer Medienhaus Ringier in den Ring und will unter der Dachmarke "Blick" ein neues Online-Portal starten, das sich an die Gratis-Pendler-Zeitung „Blick am Abend“ anlehnen soll.

Zielgruppe sind junge, urbane Leser, heißt es in den Kreisen weiter. Ringier-Sprecher Edi Estermann erklärte: „Ja, es ist richtig, dass wir aktuell an einer neuartigen Plattform dieser Art arbeiten.“ Weitere Details wollte er nicht nennen.

Parallel plant der ehemalige Chef-Redakteur von 20minuten.ch, Hansi Voigt, den Start seines neuen Online-Portals „Watson“. Voigt hatte den Tamedia-Verlag im Streit verlassen, weil er nicht mit der Zusammenlegung der Print-Redaktion der Gratis-Zeitung und der Online-Redaktion einverstanden war. Laut der „NZZ“ sind ihm mittlerweile viele ehemalige Web-Redakteure von 20minuten.ch gefolgt. Voigt will seinem alten Arbeitgeber mit dem neuen Portal ab dem ersten Quartal 2014 Konkurrenz machen.

Die Zeitungskrise

Deutschland, Zeitungsland

Trotz aller Hiobsbotschaften aus der Medienbranche ist Deutschland immer noch ein Zeitungsland: Nach aktuellen Angaben des Bundesverbandes deutscher Zeitungsverleger (BDZV) gibt es hier 315 lokale und regionale Abonnementzeitungen, 10 überregionale Blätter sowie 8 Straßenverkaufszeitungen, vor allem die „Bild“.

Die Auflagen sinken

Doch die meisten Blätter verlieren von Jahr zu Jahr an Auflage. Im zweiten Quartal 2013 wurden pro Erscheinungstag 20,64 Millionen Tageszeitungen verkauft, wie aus einer Erhebung der IVW hervorgeht. Das sind rund 4 Prozent weniger als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Darin sind rund 0,38 Millionen E-Paper-Ausgaben enthalten. Bei den Wochenzeitungen zeichnet sich ein ähnlicher Trend ab: Die verkaufte Auflage sank um rund 20.000 auf 1,73 Millionen Exemplare.

Der Werbemarkt schwächelt

Die sinkende Auflage trifft die Zeitungen gleich doppelt: Zum einen sinken die Vertriebserlöse, wenn die Verlage den Verkaufspreis nicht anheben (was in den letzten Jahren aber viele getan haben). Zum anderen verdienen sie weniger mit den Anzeigen – deren Preis richtet sich nach der Reichweite. Während der Gesamtwerbemarkt 2012 um 0,9 Prozent schrumpfte, verzeichneten die Zeitungen einen Umsatzrückgang von 9,1 Prozent auf 3,5 Milliarden Euro. Fürs laufende Jahr erwartet der Zentralverband der Deutschen Werbewirtschaft, dass die Verlage maximal eine schwarze Null erreichen.

Rubrikenmärkte wandern ins Netz ab

Mit Kleinanzeigen, Stellenausschreibungen und Autoanzeigen haben die Verlage jahrzehntelang gutes Geld verdient. Doch die Rubrikenmärkte sind weitgehend ins Internet abgewandert – viele der Portale gehören nicht Verlagen, sondern anderen Akteuren. Hier gibt es nur wenige Ausnahmen. Im Online-Geschäft sehr aktiv ist beispielsweise der Axel-Springer-Verlag, ihm gehören das Immobilienportal Immonet und das Stellenportal Stepstone.

Digitale Produkte gleichen Minus nicht aus

Die große Hoffnung auf den Verkauf digitaler Ausgaben hat sich bislang nicht erfüllt. Zwar verkaufen sich E-Paper immer besser, im zweiten Quartal 2013 waren es rund 380.000 Exemplare. Doch das ist zu wenig, um den Rückgang der Printauflage aufzufangen. Die Reichweite der Web-Portale steigt zwar, doch die Werbeeinnahmen gleichen das Umsatzminus nicht aus. Viele Verlage hoffen, mit Bezahlmodellen im Netz mehr Geld zu erwirtschaften.

Hoffnung auf die große Reichweite

„Gedruckt, online und mobil erreichen die Zeitungen aktuell ein Publikum, das so groß ist wie nie zuvor“, erklärt der BDZV. Auf diese Reichweite hoffen die Verleger. Als Chancen nennt der Verband das Digitalgeschäft, aber auch neue Geschäftsfelder wie Aus- und Weiterbildung oder Veranstaltungsmanagement. Allerdings haben viele Verlage mit diversen Sparrunden das Personal stark ausgedünnt – das erschwert die Umsetzung neuer Ideen.

Bezahlinhalte als Ausweg?

Immer mehr Verlage hoffen, mit Bezahlinhalten den Umsatz steigern zu können. Beim „metered model“, das etwa die „Welt“ verwendet, dürfen die Leser nur eine bestimmte Zahl an Artikeln kostenlos lesen – danach müssen sie ein Abo abschließen. Und die „Bild“ stellt nur einen Teil der Artikel kostenlos ins Netz, andere Beiträge bekommen nur zahlende Kunden zu sehen.

Offenbar will ihm Ringier mit dem neuen „Blick am Abend“-Portal nun zuvorkommen. Zunächst hatte es Gerüchte gegeben, dass sich das größte Schweizer Medienhaus an „Watson“ beteiligen könnte. Im August hatte dann die „Sonntagszeitung“ publik gemacht, dass Ringier von der Idee Abstand genommen habe. Nun wird auch klar, warum: Ringer geht mit einem eigenen neuen Portal an den Markt.

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