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23.10.2014

12:49 Uhr

Nachrichtensuche

Axel Springer streitet weiter mit Google

Der Axel-Springer-Verlag will weiter Beweise sammeln, dass Google den Markt beherrscht. Für kurze Texte in der Nachrichtensuche soll Google bezahlen. Andere Verlage sind unterdessen zumindest vorerst eingeknickt.

Auf seiner Internetseite darf Google kurze Nachrichtentexte nicht für alle Pressetitel des Axel-Springer-Verlags übernehmen. dapd

Auf seiner Internetseite darf Google kurze Nachrichtentexte nicht für alle Pressetitel des Axel-Springer-Verlags übernehmen.

München/BerlinIm Streit mit Google über die Nachrichtensuche im Internet rüstet sich der Axel-Springer-Verlag für die nächste Runde. Während viele zur Verwertungsgesellschaft VG Media gehörende Presseverlage ihre Geldforderungen an den US-Konzern vorerst aufgegeben haben, sammelt Springer Munition für die Auseinandersetzung vor dem Kartellamt. Anders als seine Verbündeten gewährt das Berliner Medienhaus dem Suchmaschinenbetreiber nicht für alle seine Pressetitel eine Gratislizenz für kurze Nachrichtentexte, wie eine Springer-Sprecherin am Donnerstag sagte.

Während Google beispielsweise kurze Texte aus der „Bild“-Zeitung auch künftig kostenlos auf seiner Internetseite übernehmen darf, beharrt Springer bei Nachrichten aus der „Welt“, der „Auto Bild“, der „Sport Bild“ und der „Computer Bild“ auf einem Vergütungsanspruch. „Wir wollen damit nicht nur ein Zeichen setzen, dass wir unsere Position nicht aufgeben, auch wenn wir unter Druck gesetzt werden“, so die Sprecherin. Der Konzern nehme bewusst Umsatzeinbußen in Kauf, wenn Google die Suchergebnisanzeige bei diesen Titeln wie angekündigt auf Überschriften beschränke. Viele Verlage befürchten, dass bei dieser stark verkürzten Anzeige weniger Leser auf ihre meist werbefinanzierten Internetseiten gelenkt werden.

Googles wichtigste Geschäfte

Vielzahl an Produkten

Google Suche, Gmail, Google Maps, der Online-Speicher Google Drive, das Smartphone-Betriebssystem Android mit dem App-Store Google Play und, und, und: Die Liste der Google-Dienste wird immer länger. Und in seinen geheimen Labs arbeitet der Konzern an einem selbstfahrenden Auto oder Ballons, über die entlegene Gegenden mit Internet-Zugängen versorgen sollen.

Hochprofitable Suche

Wenn es aber um das Geldverdienen geht, ist Google vom Geschäft mit Online-Werbung abhängig. Fast 90 Prozent des Umsatzes stammen aus diesem Segment, ein Großteil aus der Internet-Suche. In der Bilanz wird sonst nur noch ein Segment mit dem wenig aussagekräftigen Titel „Other“ (Anderes) aufgelistet.

Android

Googles Betriebssystem Android dominiert den Smartphone-Markt. Es hilft dem Konzern, seine Dienste fürs mobile Internet zu verbreiten, sorgt mit dem Play Store mit Apps, Filmen und Musik aber auch für wachsende Einnahmen. Experten vermuten, dass diese den Großteil des „sonstigen“ Umsatzes ausmachen.

Google Appsl

Um sich aus der Abhängigkeit aus den Werbeeinnahmen zu befreien, hat Google in den vergangenen Jahren immer wieder Initiativen gestartet, etwa kostenpflichte Anwendungen für Firmen. Das Office-Paket Apps for Business und die E-Mail-Plattform sind Kernbestandteile der Geschäftskundenstrategie. Google Apps generiert Umsatz aus monatlichen Gebühren.

Google+

Soziale Netzwerke sind viele Internet-Nutzer zum ersten Anlaufpunkt im Internet geworden. Facebook ist hier mit Abstand die Nummer 1, Google will dem Marktführer mit Google+ Paroli bieten. Dass der Konzern den riesigen Abstand aufholt, ist allerdings unwahrscheinlich.

Cloud Computing

Ob Gmail, Google Docs oder Google Drive: Google-Dienste laufen nicht auf dem lokalen Rechner, sondern im Rechenzentrum. Der Konzern hat eine große Expertise in Sachen Cloud Computing, die er auch vermarkten will: Firmen können Rechenleistung oder Speicher bei dem Konzern mieten.

Chrome OS

Google will mit Chrome OS ein neuartiges Betriebssystem für Computer etablieren – es setzt voll aufs Internet und ruft Daten und Dienste aus der „Wolke“ ab. Mit dem System will das Unternehmen seine Produkte verbreiten. Bislang ist die Verbreitung von Chrome OS allerdings noch überschaubar.

Bisher hatten die Verlage der VG Media wie Springer und Burda von Google gefordert, Ergebnisse der Nachrichtensuche in der gewohnten Länge anzuzeigen und auch dafür zu bezahlen. Sie beriefen sich dabei auf das sogenannte Leistungsschutzrecht, das Anbietern von Inhalten eine Vergütung auch kurzer Textteile garantieren soll, sowie auf das Kartellrecht, weil Google den Markt beherrsche. Das Bundeskartellamt teilt diese Auffassung jedoch bisher nicht. Springer sammelt mit seinem Schachzug nun Beweise, um die Kartellwächter doch noch umzustimmen.

Andere Verlage halten sich aus diesem Streit heraus und haben Google bereits die kostenlose Nutzung erlaubt. Sie halten den Verzicht auf Lizenzeinnahmen für das kleinere Übel im Vergleich mit dem möglichen Verlust vieler Leser.

Von

rtr

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