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04.12.2011

09:32 Uhr

Nachzügler

SAP versucht Befreiungsschlag in der Cloud

VonAxel Postinett

SAP hat den Trend Cloud-Computing bislang verschlafen. Nun soll eine Milliarden-Übernahme die Walldorfer auf Kurs bringen. Im Frühjahr soll der Deal abgeschlossen sein.

SAP-Logo: Der Software-Riese plant eine Milliraden-Übernahme. dapd

SAP-Logo: Der Software-Riese plant eine Milliraden-Übernahme.

San FranciscoAls letztes der großen traditionellen Softwareunternehmen versucht jetzt auch SAP massiv in das Geschäft mit Internet-basierter Software einzusteigen. Das Unternehmen aus Walldorf übernimmt für 3,4 Milliarden Dollar die kalifornische Softwarefirma SuccessFactors. Der Trend zu Internet-basierter Business-Software, Cloud Computing genannt, hat sich den vergangenen zwei Jahr massiv beschleunigt. SAP steht unter Zugzwang, das eigene Angeot war bislang halbherzig und erfolglos.

Pro Aktie von SuccessFactors bietet SAP eigenen Angaben vom Samstag zufolge 40 Dollar, ein Aufpreis von 52 Prozent auf den Schlusskurs von Freitag. Das Unternehmen aus San Mateo wird damit mit 3,4 Milliarden Dollar (rund 2,5 Milliarden Euro) bewertet. Der Verwaltungsrat von SuccessFactors habe dem Angebot bereits zugestimmt. Es steht allerdings unter dem Vorbehalt, dass SAP mindestens die Mehrheit der ausstehenden Aktien angedient bekommt. Die Transaktion soll im ersten Quartal 2012 abgeschlossen werden.

Um die Akquisition zu stemmen muss ein Darlehen von rund einer Milliarde Dollar aufgenommen werden, der Rest wird aus liquiden Mitteln finanziert. SuccessFactors ist auf Software im Bereich Personalmanagement spezialisiert und setzte 2010 rund 206 Millionen Dollar um bei einem Nettoverlust von 12,5 Millionen Dollar. Die Wachstumsraten sind nach eigenen Angaben jedoch hoch, außerdem weist SuccessFactors einen Kundenstamm von 3500 Kunden in 168 Ländern auf. Der Zusammenschluss mit SAP werde die Entwicklung des jungen Unternehmens „um zehn Jahre beschleunigen“, so der Gründer Lars Dalgaard, der voraussichtlich in den SAP-Vorstand aufrücken wird.

Bereits heute werde 80 Prozent des Umsatzes mit Produkten erzielt, die es vor fünf Jahren noch nicht gegeben hat. Die Software wird in Zukunft integrierter Bestandteil von SAPs Cloud-Ansatz Business ByDesign werden. Business byDesign wurde 2007 angekündigt, hat sich aber bislang im Markt nicht durchsetzen können. Damals hieß es bis 2010 wolle man 10.000 Kunden haben, heute räumte Co-CEO Jim Hagemann Snabe in einer Telefonkonferenz ein, dass man bis Jahresende bei 1.000 Kunden sein wolle.

Beim Cloud Computing wird Unternehmenssoftware nicht mehr auf Großrechnern im Unternehmen oder in angemieteten Rechenzentren installiert, sondern auf Rechnern im Internet, auf die Mitarbeiter dann Online-Zugriff haben. Diese Art von IT-Infrastruktur erfreut sich steigender Beliebtheit, weil in der Regel erhebliche Kostenersparnisse mit ihrer Einführung verbunden sind. Start-Up-Unternehmen im Silicon Valley werden praktisch nur noch mit Software und Hardware aus der Cloud betrieben, und Großunternehmen greifen bei Erweiterungen ihrer Infrastruktur vermehrt auf diese Technik zurück.

Im Oktober erst hatte der kalifornische SAP-Erzrivale Oracle nach langem Zögern auf seiner Hausmesse in San Francisco den Start von diversen Softwareprodukten angekündigt, die nur im Internet funktionieren, Anfang des Jahres hatte HP unter seinem damaligen CEO Leó Apotheker den Strategiewandel hin zu Internet-basierten Businessprogrammen angekündigt.

Apotheker musste mittlerweile gehen, die Strategie ist geblieben. Anbieter wie SAP, Oracle, aber auch Microsoft sehen sich jedoch dem Problem gegenüber, dass sie ihre bestehenden Softwareangebote durch eigene Cloud-Software kannibalisieren. Der Aufstieg von neuen Konkurrenten wie salesforce.com oder Righnow.com zwingt sie jedoch zu handeln. Auch der Webhändler Amazon und Internetgigant Google drängen mit Macht in das Geschäft mit Großkunden und Internet-basierter Software.

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

04.12.2011, 20:46 Uhr

„Business byDesign wurde 2007 angekündigt, hat sich aber bislang im Markt nicht durchsetzen können. Damals hieß es bis 2010 wolle man 10.000 Kunden haben, heute räumte Co-CEO Jim Hagemann Snabe in einer Telefonkonferenz ein, dass man bis Jahresende bei 1.000 Kunden sein wolle.“

SAP meldete bereits im April 2008, dass die Markteinführung von Business by Design wegen unerwartet großer Problemen verschoben werde und dass auch das Erreichen der Zielmarke von 10.000 Kunden wesentlich länger dauern würde. Produkt-Launch für das Massengeschäft war erst am 31. Juli 2010, und bedingt durch die Zielgruppe und den disruptiven Charakter jener Technologie wird für Business by Design vermutlich ein eigenes Vertriebsnetz aufgebaut.
An 1.000 Kunden bis Jahresende vermag ich noch nicht so recht zu glauben, aber mit SuccessFactors wird die Plattform erheblich gestärkt und dies passend zu den eigenen Kernwerten. Zweck der eigenen Produkte sei eine effizientere Ressourcen-Nutzung, so SAP. 'SAP helps companies of all sizes and industries run better.'

„Beim Cloud Computing wird Unternehmenssoftware nicht mehr auf Großrechnern im Unternehmen oder in angemieteten Rechenzentren installiert, sondern auf Rechnern im Internet, auf die Mitarbeiter dann Online-Zugriff haben.“

Zu Cloud Computing gehört auch die Private Cloud und für die trifft die zitierte Aussage nicht zu.

„Anbieter wie SAP, Oracle, aber auch Microsoft sehen sich jedoch dem Problem gegenüber, dass sie ihre bestehenden Softwareangebote durch eigene Cloud-Software kannibalisieren.“

Ob – bei vergleichbaren Anwendungen – mit SaaS-Subskriptionsmodellen über die Jahre per se weniger verdient wird als mit dem einmaligen Verkauf von Lizenzen, ist m. E. zweifelhaft. Entscheidend dürfte hier der Grad der Kommoditisierung sein. Kannibalisiert werden die reinen Wartungs- und Serviceerlöse, und davon sind die einen mehr und andere weniger betroffen.

Account gelöscht!

04.12.2011, 22:24 Uhr

Einige Applikations eigenen sich besser für SaaS als andere, speziell in frühen Jahren.
Vielleicht ist heute die Zeit gekommen, auch diese Anwendungen besser in ERP zu integrieren, sowohl on-demand als auch on-premise.

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