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14.10.2015

08:17 Uhr

Nacktfoto-Verzicht

Wie ein Hedgefonds den „Playboy“ prüde macht

VonStephan Degenhardt
Quelle:Handelsblatt Online

Der „Playboy“ wagt das Undenkbare und verzichtet in den USA bald auf Nacktfotos. Doch das Magazin steckt in einem noch größeren Umbruch – getrieben von Finanzinvestoren, die sich wenig um dessen DNA scheren.

Das Männermagazin verzichtet bald auf Nacktfotos. AFP

November-Ausgabe des US-„Playboy“

Das Männermagazin verzichtet bald auf Nacktfotos.

New YorkWeinroter Bademantel, Pfeife im Mund, blonde Schönheiten im Arm: Hugh Hefner war und ist der Inbegriff des Playboys. Auch mit 89 Jahren lebt er das Leben, von dem die Leser seines Magazins nur träumen können. Vor drei Jahren heiratete er die 60 Jahre jüngere Crystal Harris, ein ehemaliges Playmate. Im Laufe seines Lebens will Hefner mit mehr als tausend Frauen geschlafen haben.

Hefner liebt Frauen, Frauen lieben ihn. Die Entscheidung, ab Frühjahr nächsten Jahres keine komplett entblößten Frauenkörper mehr im amerikanischen „Playboy“ zu zeigen, muss ihm Bauchschmerzen bereitet haben. Sie zeigt, in welcher Existenzkrise sich das Magazin in einer Zeit befindet, in der pornografische Inhalte nur einen Mausklick entfernt sind – gratis. Und sie zeigt: Beim „Playboy“ hat nicht länger der Hefner-Clan das Sagen, sondern ein Management, das auf Druck von Inverstoren handelt.

Fakten über das „Playboy“-Magazin

Marilyn Monroe

1953 produziert Hugh Hefner die erste Ausgabe des Männer-Magazins „Playboy“. Darauf posiert Marilyn Monroe in einem tief ausgeschnittenen Kleid. Das Foto war ursprünglich für einen Kalender gedacht. Auf die Frage der Journalisten, was sie denn getragen habe, soll Monroe geantwortet haben: „Chanel No. 5.“

Quelle: schweizer-illustrierte.ch

1972

Das meistverkaufte Heft erscheint im November 1972 und wandert über 7 Millionen Mal über den Ladentisch. Auf dem Cover war das Model Pam Rawlings zu sehen. Die Ausgabe mit Farrah Fawcett auf dem Titel aus dem Jahr 1995 gilt mit über 4 Millionen verkauften Exemplaren als das bestverkaufte Heft der 90er-Jahre. Fawcett ist damals 48 Jahre alt.

Jimmy Carter

1976 sorgt das Interview mit Jimmy Carter für Furore. „Ich habe in meinem Herzen schon Ehebruch begangen“, gesteht der damalige US-Präsidentschaftskandidat.

Cindy Crawford

Cindy Crawford ist das erste Supermodel, das 1988 sich für den „Playboy“ auszieht.

Pamela Anderson

Pamela Anderson posiert insgesamt 14 Mal für das Cover des Magazins und hält somit den Rekord. 2010 spendet sie ihre Gage von 25.000 Dollar an die Charity-Organisation „Waves for Water“, die sich für sauberes Trinkwasser einsetzt.

Heidi Klum

Heidi Klum möchte sich 2003 trotz einer Gage von 885.000 Dollar nur unter der Bedingung, dass die Fotos schwarz-weiß sind, ablichten lassen. Hugh Hefner ist damit nicht einverstanden und zieht sein Angebot zurück. Seiner Meinung nach lassen sich farbige Bilder besser verkaufen.

Striptease im „Playboy“

Das neuseeländische Model Rachel Hunter kassiert 2004 für Striptease im Magazin die Rekordsumme von beinahe zwei Millionen Dollar.

Jennifer Aniston

2008 lehnt Jennifer Aniston – sie zieht sich zuvor für die Zeitschrift „GQ“ aus – das Angebot von vier Millionen Dollar für ein Shooting ab. Ihre Begründung: „GQ ist Kunst, Playboy ist Sex.“

Sila Sahin

Im Mai 2011 lösen die Bilder der deutschen Ausgabe eine bundesweite Debatte aus: Sila Sahin, die noch zu der Zeit täglich in der Soap „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ zu sehen ist, ziert als erste Deutsch-Türkin nackt das Cover.

Verkaufsverbot

Die Zeitschrift darf in China, Malaysia, Thailand, Indien, Singapur und Brunei nicht verkauft werden. Ebenfalls verboten sind die Magazine im Iran, in Saudi-Arabien und in Pakistan. Aufgrund massiver Proteste in Indonesien werden in den „Playboy“-Ausgaben keine komplett nackten Frauen abgebildet – der Schwerpunkt liegt auf einer hohen Textqualität.

2011 überzeugte das „Playboy“-Management Hefner, das über vier Jahrzehnte an der Börse gelistete Unternehmen wieder in eine private Gesellschaft umzuwandeln. Für viele Beobachter war klar: Hefner erhält dadurch wieder die Kontrolle über sein Baby. Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Denn Hefner konnte die Unternehmensanteile nur mit Hilfe eines finanzkräftigen Investors zurückkaufen. Rizvi Traverse Management – gegründet vom Silicon-Valley-Financier Suhail Rizvi – pumpte den Großteil des Geldes in den über 200 Millionen US-Dollar schweren Deal.

Pläne für einen erneuten Börsengang

Hefner ist in dieser Beziehung der „Junior-Partner“, wie es das US-Magazin „Forbes“ formuliert. Er hält 30 Prozent der Anteile, die Investmentfirma 60 Prozent – der Rest gehört dem „Playboy“-Management. Hefner ist nur Angestellter des Unternehmens, in seinem Vertrag wird ihm aber eine volle redaktionelle Kontrolle über das Magazin garantiert. Für seinen Job bekommt er eine Millionen Dollar Gehalt im Jahr. Außerdem darf er weiter im „Playboy Mansion“ wohnen, für eine symbolische Miete.

Wie jeder Investor erwartet auch Rizvi Traverse Management eine Rendite für sein Investment. „Playboy“-Vorstandschef Scott Flanders treibt daher Pläne für einen erneuten Börsengang voran, eigentlich war er schon für Ende 2014 geplant. Flanders, seit 2008 an Bord, ist der erste „Playboy“-Chef ohne den Nachnamen Hefner. Er ist ein erfahrener Medienmanager. Auch bei seinen vorherigen Stationen hatte er es mit Medienhäusern zu tun, die zum Teil im Besitz von Private-Equity-Gesellschaften waren.

Im Unternehmen gilt Flanders als rauer Charakter. Mitarbeiter beschweren sich laut einem Bericht des „Wall Street Journal“ über seine verbalen Attacken, klagen über die schlechte Arbeitsatmosphäre. Seit seinem Antritt hat Flanders das Unternehmen radikal verändert: Er strich die Belegschaft um 75 Prozent zusammen und veranlasste den Umzug der Zentrale vom Gründungsort Chicago nach Los Angeles. Außerdem gliederte er große Teile des Geschäfts aus, zum Beispiel den Erotiksender „Playboy TV“.

Kommentare (25)

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Herr Fred Meisenkaiser

14.10.2015, 09:36 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich. 

Herr aus NRW

14.10.2015, 09:42 Uhr

Wow. Das nenne ich mal Journalismus auf höchstem Niveau. Das ist ja mal ein Thema, was wirklich unter den Nägeln brennt. Ach ja, Kommentare zu anderen Themen natürlich nicht möglich.

Herr C. Falk

14.10.2015, 09:43 Uhr

Nun, das ist doch wunderbar, dass der kritische Leser dieses "Weltereignis im HB noch kommentieren kann und darf, ansonsten fährt die verehrungswürdige Redaktion wohl die Strategie,ihren Kunden und Lesern das Kommentieren von anderen "Weltereignissen" paternalistisch und vorsorgend abzugewöhnen.

Ok, wir haben verstanden.

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