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15.10.2015

04:32 Uhr

Netflix-Aktie auf Achterbahnfahrt

An der Wall Street liegen die Nerven blank

VonAxel Postinett

Das Mitgliederwachstum von Netflix in den USA bleibt weit hinter den Erwartungen zurück. Bis zu 14 Prozent sackte die Aktie im nachbörslichen Handel ab. Doch Finanzchef David Wells gelang es, die Analysten zu beruhigen.

Der schlechter als erwartet ausgefallene Kundenzuwachs im Heimatmarkt USA hat dafür gesorgt, dass die Aktie von Netflix zwischenzeitlich auf bis zu 14 Prozent herabsackte. ap

Netflix

Der schlechter als erwartet ausgefallene Kundenzuwachs im Heimatmarkt USA hat dafür gesorgt, dass die Aktie von Netflix zwischenzeitlich auf bis zu 14 Prozent herabsackte.

San FranciscoExtreme Kursschwankungen nach Quartalszahlen sind bei Netflix nicht unüblich. Und auch am Mittwoch gab es eine Achterbahnfahrt. Im Heimatmarkt USA kletterte die Abonnentenzahl nur noch um 880.000, erwartet worden waren eher 1,2 Millionen.

Die verwunderten Analysten sollten mit dem Hinweis getröstet werden, es habe mehr „unfreiwillige Kündigungen“ gegeben. In den USA wird das Kreditkartensystem auf Chip-Karten umgestellt - in Europa ist das seit Jahren normal.

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Vor einem Jahr startete der Streaming-Dienst Netflix sein deutsches Angebot. Die kritischen Stimmen zum Start waren laut – die Bilanz nach einem Jahr fällt positiv aus. Und verändert die Fernsehgewohnheiten.

Angesichts des irrsinnig hohen Kurs/Gewinnverhältnisses von 247 zeigten die Investoren Nerven und die Aktie sackte um 14 Prozent ab. Doch am Ende war das Minus dann auf gut drei Prozent eingedämmt.

Die Umstellung der Kreditkarten habe wohl dazu geführt, dass Zahlungsangaben veraltet waren und dann nicht direkt erneuert wurden. Das verwirrte die Sache noch mehr, denn eigentlich werden nur in Geschäften oder Restaurants die Lesegeräte ausgetauscht.

Kunden bekommen zwar neue Karten, aber nicht unbedingt neue Kartennummern. Was soll das, fragten Analysten in der Telefonkonferenz und Finanzvorstand David Wells räumte ein, es waren wohl „verschiede Faktoren“ ursächlich gewesen, aber die Umstellungsaktion sei „sicherlich nicht hilfreich“ gewesen.

Alles rund um Netflix

Alternative zu den Videotheken

Die Netflix-Gründer Reed Hastings und Marc Randolph wollte eine Alternative zu den Videotheken aufbauen. 1997 fingen sie an, DVDs online zu verleihen – ohne Säumnisgebühren, die viele Nutzer nervten. Später führte das Unternehmen eine Flatrate ein.

Online-Dienst als zweites Standbein

2007 führte das Unternehmen einen Online-Dienst ein, Nutzer konnten die Filme auch übers Internet streamen. Für dieses Nebenprodukt verlangt Netflix seit 2011 auch Geld – erst empörten sich die Nutzer darüber, dann arrangierten sie sich damit.

Den Vorlieben der Nutzer auf der Spur

Netflix hat einen Algorithmus entwickelt, um die Vorlieben der Nutzer genau erfassen und passende Genres vorschlagen zu können. Das Unternehmen wertet zudem aus, welche Serien und Filme besonders häufig illegal heruntergeladen werden.

Einladung zum „Binge Watching“

Der Online-Dienst bietet alle Folgen einer Serie auf einen Schlag an – wer will, kann beispielsweise ein ganzes Wochenende mit der neuen Staffel von „House of Cards“ verbringen. Experten sprechen vom „Binge Watching“, also einer Art „Koma-Gucken“.

Schlagzeilen mit Eigenproduktionen

Netflix bietet größtenteils bereits ausgestrahlte Filme und Serien an, bemüht sich aber verstärkt um Eigenproduktionen. Die bekannteste ist wohl die hochgelobte Politserie „House of Cards“ mit Schauspieler Kevin Spacey. Auch Anbieter wie Amazon gehen inzwischen diesen Weg.

Expansion jenseits der USA

Der Heimatmarkt ist nicht genug: Netflix expandiert seit einigen Jahren, der Dienst ist bereits in Kanada, Südamerika, Großbritannien und den Niederlanden verfügbar. 2014 kamen diverse Länder hinzu, darunter Deutschland.

Was die Anleger aber letztendlich friedlich stimmte, war der ungebrochene internationale Aufwärtstrend. Die 2,74 Millionen zusätzlichen Kunden lagen weit über den Erwartungen von rund 2,40 Millionen – im Vorjahresquartal waren es gar zwei Millionen.

Insgesamt reichte es für einen Umsatzanstieg auf 1,74 Milliarden Dollar - nach 1,41 Milliarden Dollar im Vorjahreszeitraum. Der Nettogewinn von 29,4 Millionen Dollar hat eher symbolischen Charakter. Was den freien Cash Flow angeht, dürfen Anleger in Netflix aber nicht dünnhäutig sein. Ein Minus von 252 Millionen Dollar zeigt die starken Mitteelabflüsse aufgrund hoher Investitionen in neue Programme, Filme und Serien.
Im Plan liegt laut Netflix die ehrgeizige internationale Expansion. Spanien, Italien und Portugal stehen derzeit auf dem Plan.

Das Unternehmen ist in über 50 Ländern vertreten und will bis Ende 2016 komplett global aufgestellt sein. Zuletzt hatte Netflix, bekannt für Serien wie „House of Cards“ oder „Marco Polo“, die Eigenproduktion „Narcos“ gestartet. Die zehnteilige Serie zeichnet den Aufstieg des kolumbianischen Drogenbarons Pablo Escobar nach.

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