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16.04.2015

00:32 Uhr

Netflix

„House of Cards“-Anbieter begeistert die Wall Street

VonAxel Postinett

Mit rasant steigenden Kundenzahlen in aller Welt beeindruckt der Streaming-Dienst Netflix seine Anleger. Doch der starke Dollar trübt die Gewinnzahlen. Was sagt das Abonnentenwachstum über den Wert von Netflix?

Netflix breitet sich aus: Der Streaming-Pionier sendet in mehr als 50 Ländern außerhalb der USA. Reuters

Netflix

Netflix breitet sich aus: Der Streaming-Pionier sendet in mehr als 50 Ländern außerhalb der USA.

San FranciscoMit vier Millionen wäre er ja schon zufrieden gewesen. So viele neue Kunden hatte Netflix-Vorstandschef Reed Hastings für die ersten drei Monate des laufenden Jahres erhofft. Geworden sind bei der Endabrechnung des 1. Quartals aber 4,88 Millionen zusätzliche Abonnenten, und die Wall Street kann es nicht fassen: Innerhalb weniger Minuten nach Börsenschluss stand die Aktie über 57 Dollar, oder 12 Prozent, im Plus. Damit sind die alten Rekordmarken jenseits von 500 Dollar pro Aktie wieder erreicht.

Alles rund um Netflix

Alternative zu den Videotheken

Die Netflix-Gründer Reed Hastings und Marc Randolph wollte eine Alternative zu den Videotheken aufbauen. 1997 fingen sie an, DVDs online zu verleihen – ohne Säumnisgebühren, die viele Nutzer nervten. Später führte das Unternehmen eine Flatrate ein.

Online-Dienst als zweites Standbein

2007 führte das Unternehmen einen Online-Dienst ein, Nutzer konnten die Filme auch übers Internet streamen. Für dieses Nebenprodukt verlangt Netflix seit 2011 auch Geld – erst empörten sich die Nutzer darüber, dann arrangierten sie sich damit.

Den Vorlieben der Nutzer auf der Spur

Netflix hat einen Algorithmus entwickelt, um die Vorlieben der Nutzer genau erfassen und passende Genres vorschlagen zu können. Das Unternehmen wertet zudem aus, welche Serien und Filme besonders häufig illegal heruntergeladen werden.

Einladung zum „Binge Watching“

Der Online-Dienst bietet alle Folgen einer Serie auf einen Schlag an – wer will, kann beispielsweise ein ganzes Wochenende mit der neuen Staffel von „House of Cards“ verbringen. Experten sprechen vom „Binge Watching“, also einer Art „Koma-Gucken“.

Schlagzeilen mit Eigenproduktionen

Netflix bietet größtenteils bereits ausgestrahlte Filme und Serien an, bemüht sich aber verstärkt um Eigenproduktionen. Die bekannteste ist wohl die hochgelobte Politserie „House of Cards“ mit Schauspieler Kevin Spacey. Auch Anbieter wie Amazon gehen inzwischen diesen Weg.

Expansion jenseits der USA

Der Heimatmarkt ist nicht genug: Netflix expandiert seit einigen Jahren, der Dienst ist bereits in Kanada, Südamerika, Großbritannien und den Niederlanden verfügbar. 2014 kamen diverse Länder hinzu, darunter Deutschland.

Netflix blickt auf eine Geschichte voller dramatischer Kursschwankungen. Im Oktober 2013 warnte Vorstandschef Hastings persönlich noch vor einer "momentum-getriebenen Euphorie", die den Kurs in problematische Regionen treibe. Das waren damals 400 Dollar, nachdem im Sommer 2012 die Aktie ganze 54 Dollar wert war.

Aber in der von billigem Geld getriebenen Dauerparty an der Wall Street interessierte das niemanden. Netflix wanderte in Richtung 500 Dollar, nur um krachend wieder auf unter 300 einzubrechen. Jetzt zeigt die Kurstafel 531 Dollar. Ein neuer Rekord.

Den Hype treiben allein die Wachstumszahlen bei den Abonnenten. Der um 24 Prozent zum Vorjahr gestiegene Umsatz von 1,57 Milliarden Dollar rechtfertigt solche Kurskapriolen ebenso wenig wie der schwindsüchtige Gewinn von 38 Cents pro Aktie nach 86 Cents im Vorjahr. Hier schlagen sich die "hohen Investitionen in eigene Inhalte" nieder, wie Hastings im Aktionärsbrief erklärt. Netflix produziert Serien wie "House of Cards" und ist auch in die Spielfilmproduktion eingestiegen.

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Doch das Kundenwachstum hat es in sich. Zum einen ist das Interesse in den USA nicht wie befürchtet wegen Marktsättigung eingebrochen. Zum anderen geht die internationale Expansion mit voller Fahrt weiter. 2,6 Millionen Zugänge nach 1,75 Millionen im Vorjahr lautet das internationale Ergebnis. Selbst in Kuba wird der Service jetzt verkauft.

Allerdings bringt der internationale Erfolg neue Bauchschmerzen mit sich: Der starke Dollar kostete das Unternehmen beim Umtausch 48 Millionen Dollar Währungsverluste. Zusammen mit hohen Kosten für die Auslandsexpansion verlor die Sparte International im Quartal 65 Millionen Dollar und damit fast doppelt so viel wie im Vorjahr.

Doch Hastings hat volles Vertrauen in die Strategie: Im laufenden Quartal lautet die Prognose 600.000 Neuzugänge in den USA, aber 1,9 Millionen im Ausland. Weltweit sind es jetzt zusammen 59,6 Millionen zahlende Kunden, im Vorjahresquartal waren es 46,1 Millionen.

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