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21.01.2015

07:39 Uhr

Netflix

Videodienst gewinnt Millionen neue Kunden

Nach einem enttäuschenden dritten Quartal gewinnt der Video-Streaming-Service Netflix im vierten Schlussquartal mehrere Millionen neue Kunden - vor allem dank Europa-Expansion. Nachbörslich schoss die Aktie nach oben.

Vor allem dank Europa-Expansion gewinnt der Videodienst viele neue Kunden. Reuters

Vor allem dank Europa-Expansion gewinnt der Videodienst viele neue Kunden.

New YorkDer Videodienst Netflix will in zwei Jahren in 200 Ländern aktiv sein und dann hohe Gewinne einfahren. Schon im vergangenen Jahr brachte die breit angelegten Expansion in Europa schnelles Wachstum. Im Schlussquartal 2014 gewann der Streaming-Service 2,43 Millionen neue Kunden außerhalb der USA und übertraf damit deutlich die Erwartungen der Börsianer. Mit weiteren 1,9 Millionen neuen Nutzern im amerikanischen Heimatmarkt kam Netflix zuletzt insgesamt auf 57,4 Millionen Kunden.

Die Aktie schoss nach diesen Zahlen und den ambitionierten Plänen nachbörslich um rund 16 Prozent hoch. Drei Monate zuvor hatte die Enttäuschung über die Entwicklung der Nutzerzahlen im dritten Quartal den Kurs zeitweise um ein Fünftel einbrechen lassen.

Auch die Geschäftszahlen fielen deutlich besser aus als vor einem Jahr. Der Quartalsumsatz sprang um mehr als 35 Prozent auf 1,3 Milliarden Dollar. Der Gewinn wurde mit gut 83 Millionen Dollar fast verdoppelt - allerdings auch dank einer Steuergutschrift. Für das laufende Quartal rechnet Netflix wieder nur mit etwa 37 Millionen Dollar Gewinn.

Alles rund um Netflix

Alternative zu den Videotheken

Die Netflix-Gründer Reed Hastings und Marc Randolph wollte eine Alternative zu den Videotheken aufbauen. 1997 fingen sie an, DVDs online zu verleihen – ohne Säumnisgebühren, die viele Nutzer nervten. Später führte das Unternehmen eine Flatrate ein.

Online-Dienst als zweites Standbein

2007 führte das Unternehmen einen Online-Dienst ein, Nutzer konnten die Filme auch übers Internet streamen. Für dieses Nebenprodukt verlangt Netflix seit 2011 auch Geld – erst empörten sich die Nutzer darüber, dann arrangierten sie sich damit.

Den Vorlieben der Nutzer auf der Spur

Netflix hat einen Algorithmus entwickelt, um die Vorlieben der Nutzer genau erfassen und passende Genres vorschlagen zu können. Das Unternehmen wertet zudem aus, welche Serien und Filme besonders häufig illegal heruntergeladen werden.

Einladung zum „Binge Watching“

Der Online-Dienst bietet alle Folgen einer Serie auf einen Schlag an – wer will, kann beispielsweise ein ganzes Wochenende mit der neuen Staffel von „House of Cards“ verbringen. Experten sprechen vom „Binge Watching“, also einer Art „Koma-Gucken“.

Schlagzeilen mit Eigenproduktionen

Netflix bietet größtenteils bereits ausgestrahlte Filme und Serien an, bemüht sich aber verstärkt um Eigenproduktionen. Die bekannteste ist wohl die hochgelobte Politserie „House of Cards“ mit Schauspieler Kevin Spacey. Auch Anbieter wie Amazon gehen inzwischen diesen Weg.

Expansion jenseits der USA

Der Heimatmarkt ist nicht genug: Netflix expandiert seit einigen Jahren, der Dienst ist bereits in Kanada, Südamerika, Großbritannien und den Niederlanden verfügbar. 2014 kamen diverse Länder hinzu, darunter Deutschland.

Zugleich verursacht der Fokus auf Eigenproduktionen hohe Kosten, das Budget dafür schwoll inzwischen auf 9,5 Milliarden Dollar an - um zwei Milliarden binnen eines Jahres. Netflix will sich für die Finanzierung im laufenden Quartal rund eine Milliarde Dollar neues Geld als langfristige Schulden holen. Im laufenden Jahr soll es mit 320 Stunden drei Mal soviel eigenes Programm wie 2014 geben. Auch die Rivalen wie Amazon setzen auf eigene Inhalte.

Innerhalb der kommenden zwei Jahre werde Netflix auch in China starten, zunächst mit moderaten Investitionen, kündigte Firmenchef Reed Hastings an. Netflix gehe in „jedes Land außer Nordkorea“, gab er die Marschrichtung in einem Interview mit dem Finanzdienst Bloomberg vor. In Deutschland war Netflix im vergangenen September im Zuge einer europäischen Expansion gestartet und ist aktuell in rund 50 Ländern vertreten. Der internationale Ausbau verschlingt aktuell noch viel Geld, ab 2017 will Netflix aber die Früchte mit „erheblichen Gewinnen“ ernten.

Von

dpa

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