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15.10.2014

23:28 Uhr

Netflix

„Wir haben zu viel versprochen“

VonAxel Postinett

Bis zu 26 Prozent verlor die Aktie des Videoanbieters Netflix nachbörslich. Hintergrund war eine böse Überraschung bei den Wachstumszahlen, neue Konkurrenz von HBO und auch in Deutschland braut sich was zusammen.

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San FranciscoReed Hastings hatte es schon geahnt. Vor einem Jahr warnte er vor "Momentum-getriebener Euphorie", die die Kurse von Netflix in problematische Regionen treibe. Das waren damals 400 Dollar. Aber in der von billigem Geld getriebenen Dauerparty an der Wall Street interessierte das niemanden. Netflix wanderte Richtung 500 Dollar. Doch an diesem Mittwoch war es soweit. Fluchtartig verließen die Spekulanten die Aktie des Online-Videoanbieters und prügelten den Kurs bis auf 329 Dollar nach unten.

Die Zahlen für das Mitglieder-Wachstum im Quartal mit 3,02 Millionen waren weit hinter den Prognosen von 3,69 Millionen zurückgeblieben. Zurückgeblieben hinter den Prognosen des Unternehmens selbst, wohlgemerkt. "Diesmal haben wir einfach zu viel versprochen", räumte Hastings ein. "Alles was wir bis jetzt sagen können deutet darauf hin, dass es an den höheren Preisen liegt", lautet die Analyse.

In den USA ist das Monats-Abo für neue Kunden von acht auf neun Dollar angehoben worden. Das sorgt für Panikattacken bei Anlegern. Nicht nur, weil schon geringe Preisanhebungen das Wachstum offenbar abwürgen. Es ist außerdem zu fürchten, dass Bestandskunden ebenfalls allergisch auf Preissteigerungen reagieren werden.

Die sollen aber in Zukunft helfen, die anämischem Gewinne zu steigern. Im 3. Quartal lag der Nettogewinn bei 1,41 Milliarden Dollar Umsatz. Der Gewinn pro Aktie von 0,96 Dollar wird sich im laufenden Quartal auf 0,44 Dollar halbieren, so Netflix. Das ist nicht viel für ein Unternehmen, das auch nach dem Kurssturz noch mit 20 Milliarden Dollar bewertet wird.
Gleichzeitig bahnt sich zunehmender Gegenwind in der Branche an.

Der in den USA beliebte Pay-TV-Kanal HBO verkündete am Mittwoch, er werde kommendes Jahr eine eigene App herausbringen, die ohne den Abschluss eines TV-Kabelvertrags Zugang zur den Erfolgsserien von HBO gewährt. Unter anderen Umständen wäre die Nachricht vielleicht entspannter aufgenommen worden. Aber bei der Wachstumsabschwächung und einem ohnehin labilen Aktienmarkt, der Dow schloss fast 180 Punkte tiefer, war die Geduld der Anleger erschöpft.
Zumal sich in Deutschland weitere Konkurrenz formiert.

Nach Informationen des Handelsblatts prüfen private Anbieter wie Brainpool eine eigene Videoplattform mit ARD oder ZDF. Das wäre relevant, weil Hastings auf mehr Kunden aus dem Ausland angewiesen ist. Bereits im abgelaufenen Quartal kamen auf jeden neuen Kunden in den USA zwei neue auf internationaler Ebene.

Hastings zeigt sich äußerlich unbeeindruckt von neuer Konkurrenz. Netflix werde "schneller HBO als HBO Netflix" verkündete er unlängst selbstsicher. Außerdem spreche man seit 2011 davon, dass HBO einer der längerfristigen Rivalen werde. Der Einstieg sei "vorhersehbar" gewesen. Aber das beruhigte am Mittwoch niemanden.
Zumal Hastings für Wachstum und Konkurrenzabwehr viel Geld in die Hand nehmen wird: Vier Filme mit dem Hollywood-Star Adam Sandler sind geplant und sogar der erste Netflix-Kinofilm. Ein Remake des Kung-Fu-Erfolgs "Crouching Tiger, Hidden Dragon." Es sieht aus, als ob Netflix ein wenig fernöstliche Magie und chinesische Zauberkräfte gut gebrauchen kann.

Kommentare (1)

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Herr Kolja Kuznecov

16.10.2014, 14:02 Uhr

Liebe Redaktion,

es macht gar keinen kompetenten Eindruck, wenn solche Sätze wie nachfolgender in Ihren Artikeln zu lesen sind:
*Im 3. Quartal lag der Nettogewinn bei 1,41 Milliarden Dollar Umsatz.* - ja was denn nun? Umsatz oder Nettogewinn? Das sind doch wohl "zwei verschiedene Paar Schuhe", oder?

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