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22.11.2012

06:30 Uhr

Netz-Reaktionen

Ein „Lovestorm“ für die Financial Times Deutschland

VonTina Halberschmidt

Das mögliche Ende der Financial Times Deutschland wird auch im Netz diskutiert. Viele Leser bedauern das drohende Aus der lachsrosa Wirtschaftszeitung und sprechen dem Redaktionsteam Mut zu.

Auch im Netz ist das Aus der Financial Times Deutschland Thema. dapd

Auch im Netz ist das Aus der Financial Times Deutschland Thema.

Düsseldorf.Ein „Love-„ oder „Candystorm“ ist das Gegenteil von einem „Shitstorm“. Statt einer Welle der Empörung bricht über die Betroffenen eine Welle der Empathie und des Wohlwollens herein.

Einen solchen „Lovestorm“ hat das Team der Financial Times Deutschland in den vergangenen Tagen erlebt – jedenfalls wenn es nach den Autoren des Social-Media-Blogs „Social Punk“ geht. Sie haben die Facebook-Seite der FTD beobachtet: Unlängst hatte die FTD-Redaktion hier ein Statement ihres Chefredakteurs Steffen Klusmann gepostet. Tatsächlich reagierten die Fans der Facebook-Page prompt auf die Stellungnahme zum FTD-Aus – und überschütteten die Redaktion mit Komplimenten.

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So schreibt ein Nutzer, die FTD sei „der einzigste Grund, auch mal die 60 Kilometer zur Uni mit dem Zug zu fahren“, ein anderer konstatiert: „Verdammt schade, mein meistgelesenes Printmedium. Ein herber Verlust für die Medienlandschaft, da eine der wenigen gut recherchierten Zeitungen.“

Auch auf der Facebook-Pinnwand der FTD mehren sich bedauernde Nutzer-Kommentare: „Schade, vermisse Euch jetzt schon. Damit geht ein gutes Stück Qualitätsjournalismus verloren. Nach all den Jahren wird sich der Morgen ohne FTD leer anfühlen“, meint ein FTD-Leser und erntet dafür mehrere Likes. Ein anderer schreibt: „Traurige Sache und ein absolutes Armutszeugnis für das deutsche Bildungssystem, wenn eine Zeitung wie die FTD vor der Bunten oder der Bild oder der Abendzeitung oder der tz eingestellt wird.“

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Währenddessen hat eine Leserin dem FTD-Team offenbar extra einen Kuchen bereitet und in die Redaktion gebracht. „Zum Durchhalten“, kommentiert die FTD auf ihrer Fanpage unter einem Foto des Gebäcks.

Einige FTD-Leser präsentieren bei Facebook ihre ganz eigene Idee zur Rettung der Finanzzeitung: Sie haben die Seite „Rettet die FTD“ erstellt. Ein wirkliches Konzept wird auf der Page bislang nicht erläutert. Kein Wunder, dass die Resonanz der Facebook-User bisher noch dürftig ist: Nur eine Handvoll haben auf „Like“ geklickt.

Auch bei Twitter ist die FTD Thema. „Noch so ein rabenschwarzer Tag: Ade, #FTD. Da arbeiten gute Leute, Daumen drücken für deren Zukunft“, zwitschert @evawolfangel. @TimoPetersen twittert: „Dass die #FTD noch im Bugwasser der Finanzkrise untergeht, sollte den Erzeugern von Printprodukten zu denken geben.“

Der Journalist und Blogger Christoph Jakubetz kann sich einen Seitenhieb auf die Verleger und Konkurrenten der FTD nicht verkneifen: „Bin gespannt, wie sich die Print-Retter das jetzt wieder schönreden“, schreibt er in die Runde.

Blogger Dirk Elsner hat der FTD einen eigenen Blog-Eintrag gewidmet. Überschrift: „Warum mich das (…) Aus der FTD wehmütig stimmt.“

Und auch Elsners Kollege „Egghat“ trauert um die FTD. Der Launch der Zeitung habe auch dem Handelsblatt gut getan, schreibt er, kritisiert aber auch die Naivität der Entscheider, die „wohl einen Markt gesehen haben, der groß genug für zwei ist“. In dieser Hoffnung habe man sich „vom ersten Tag an grandios geirrt“. Der Markt in Deutschland für Wirtschaftszeitungen sei „einfach nicht groß genug für zwei“. Die FTD auf den Markt zu bringen sei deshalb „mutig“ gewesen, schreibt „Egghat“. „Vielleicht zu mutig.“

Kommentare (1)

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VolkerKalisch

22.11.2012, 12:43 Uhr

Seit es die FTD gibt, bin ich privater Abonnent und lese Wirtschaftthemen ohne Lexikon und Gähn-Anfälle. Das Ende dieser Zeitung mit ihrem für mich beispiellos anregenden Journalismus wäre für mich ein schwer erträglicher Verlust. Wir müssen neue Formen finden, wie qualitativ guter Journalismus ohne die im Grunde sachfremde Subvention durch Anzeigen existieren kann. Darüber müssen die Beroffenen, nämlich Jouralisten und Leser selber nachdenken und handeln. Denn die Verlagsmanager haben ja schon bewiesen, dass ihnen dazu nichts einfällt und sie eigentlich niemand braucht.

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