Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

13.01.2011

07:18 Uhr

Netzneutralität

BT forciert Zwei-Klassen-Netz

Das Netz ist ein neutraler Raum, in dem jeder User gleich ist. Das galt zumindest bislang. Mit einer neuen Technologie will BT genau diesen Netz-Grundsatz jetzt ins Wanken bringen. Wer auch in Zukunft nicht zahlt, könnte schlechtere Inhalte als sein Nachbar zu sehen bekommen. Und das auch noch langsamer.

Kommt aus verschiedenen Dosen bald verschiedenes Internet? Quelle: dpa

Kommt aus verschiedenen Dosen bald verschiedenes Internet?

Rein formal betrachtet hat der Mann recht: "Nein, wir verletzen nicht das Prinzip der Netzneutralität", sagt Simon Orme, Strategiechef der BT-Sparte Wholesale, die anderen Telekommunikations- und Internetanbietern Dienste verkauft. "Und wir führen auch keine Zweiklassengesellschaft im Internet ein. Die, die das behaupten, haben nicht so ganz verstanden, was hier passiert", sagt Orme im Gespräch mit dem Handelsblatt.

Allerdings schafft der britische Telekommunikationskonzern die Voraussetzungen dafür, dass andere Unternehmen eine Extragebühr auf die schnellere Übertragung spezieller Internetinhalte erheben und so das Ende der klassenlosen Gesellschaft im Online-Universum einläuten.

Die BT-Sparte Wholesale startet jetzt mit der Vermarktung eines neuen Produkts, das genau dies ermöglicht und hat sich damit auf dem heimischen Markt einiges an Kritik eingehandelt. Dies könnte der Anfang vom Ende des offenen Internets sein, wie man es bislang kenne, sagt Jim Killock von der britischen Verbraucherschutzorganisation Open Rights Group. "Denn künftig kann der Kunde bei seinem Internetanbieter eine schnellere Übertragung bestimmter Inhalte kaufen, als sie das Internet in seiner bisherigen Form bietet."

Die technische Lösung dahinter sieht folgendes vor: Die Anbieter von Internetverbindungen und von Web-Inhalten können künftig Kapazitäten auf neuen BT-Servern mieten, die deutlich näher an ihren Kunden dran sind als bislang. Der kürzere Weg zum Kunden ermöglicht das schnellere Herunterladen von Filmen oder die Übertragung von Fußballspielen in einer besseren Qualität als bislang. Wer diesen Dienst bei BT kauft, kann seinem Endkunden zusätzliche Gebühren für diesen extraschnellen Service in Rechnung stellen.

BT-Manager Orme wehrt sich gegen Kritik an diesem Angebot. Es habe in erster Linie Vorteile und sorge für eine weitere Demokratisierung im Netz. Schließlich hätten Inhalteanbieter wie Google bereits zahlreiche eigene Server an das Internet angeschlossen und könnten so die Übertragungswege ihrer Dienste zum Endkunden verkürzen und damit das Übertragungstempo erhöhen. Jetzt könnten auch kleinere und mittelgroße Unternehmen Speicherkapazitäten für ihre Inhalte auf BT-Servern mieten und so besser mit der Download-Geschwindigkeit von Google-Inhalten mithalten. "Wir haben im Internet jetzt schon eine Mehrklassengesellschaft", sagt Orme.

Kritiker wie Killock von der Open Rights Group widersprechen vehement. Ihr Hauptargument: Internetverbindungsanbieter behandeln bislang alle Inhalte gleich. Künftig aber würden sie in den Datenfluss eingreifen und bestimmen, welche Inhalte schneller zum Kunden kommen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×