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13.01.2011

06:00 Uhr

Netzneutralität

Was BT und France Télécom planen

VonHolger Alich, Katharina Slodczyk

Frankreichs Telekomanbieter scharren mit den Hufen, um die Spielregeln im Internet zu ändern. Am offensivsten tritt France-Télécom-Chef Stéphan Richard dafür ein, Inhalteanbieter wie Youtube oder Google an den Netzinvestitionen zu beteiligen. In England wird das Ende der klassenlosen Gesellschaft im Online-Universum eingeläutet.

PARIS/LONDON. Frankreichs Telekomanbieter scharren mit den Hufen, um die Spielregeln im Internet zu ändern. Am offensivsten tritt France-Télécom-Chef Stéphan Richard dafür ein, Inhalteanbieter wie Youtube oder Google an den Netzinvestitionen zu beteiligen. „Statt Netzneutralität spreche ich lieber von Netzoffenheit“, sagt Richard. Und die sei gefährdet, da der zunehmende Datenstrom die Leitungen verstopfe, allen voran im mobilen Internet. Daher fordert Richard: „Die großen Emittenten von Datenverkehr müssen in Abhängigkeit der von ihnen ausgelösten Datenströme für die Netznutzung zahlen.“

Die Nummer zwei in Frankreichs Telekommarkt, die Vivendi-Tochter SFR, stößt ins selbe Horn. „Wir wollen nicht am Prinzip des freien Netzzugangs rütteln“, meint ein hochrangiger SFR-Manager, „aber wir überlegen, mehrere Serviceklassen einzuführen. Entweder der Nutzer oder der Verursacher soll dann für eine garantierte Übertragungsqualität ein höheres Entgelt zahlen.“

Auch in England denken die Telekomanbieter über schnellere Netze nach, streiten aber über Begrifflichkeiten. „Nein, wir verletzen nicht das Prinzip der Netzneutralität“, sagt Simon Orme, Strategiechef der BT-Sparte Wholesale, die anderen Telekommunikations- und Internetanbietern Dienste verkauft. „Und wir führen auch keine Zweiklassengesellschaft im Internet ein. Die, die das behaupten, haben nicht so ganz verstanden, was hier passiert“, sagt Orme im Gespräch mit dem Handelsblatt.

Allerdings schafft der britische Telekommunikationskonzern die Voraussetzungen dafür, dass andere Unternehmen eine Extragebühr auf die schnellere Übertragung spezieller Internetinhalte erheben und so das Ende der klassenlosen Gesellschaft im Online-Universum einläuten.

Die BT-Sparte Wholesale startet jetzt mit der Vermarktung eines neuen Produkts, das genau dies ermöglicht, und hat sich damit auf dem heimischen Markt einiges an Kritik eingehandelt. Dies könnte der Anfang vom Ende des offenen Internets sein, sagt Jim Killock von der britischen Verbraucherschutzorganisation Open Rights Group. „Denn künftig kann der Kunde bei seinem Internetanbieter eine schnellere Übertragung bestimmter Inhalte kaufen, als sie das Internet in seiner bisherigen Form bietet.“

Die technische Lösung dahinter: Die Anbieter von Internetverbindungen und von Web-Inhalten können künftig Kapazitäten auf neuen BT-Servern mieten, die deutlich näher an ihren Kunden dran sind als bislang. Der kürzere Weg zum Kunden ermöglicht das schnellere Herunterladen von Filmen oder die Übertragung von Fußballspielen in einer besseren Qualität.

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