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22.04.2013

17:34 Uhr

Netzreaktionen

Telekom legt sich mit dem Internet an

VonJonas Jansen

Die Telekom will die Internetgeschwindigkeit auch im Festnetz drosseln. Wer ein bestimmtes Datenvolumen überschreitet, soll draufzahlen. Das Netz protestiert und fürchtet ein Ende der Netzneutralität.

Im Internet verbreiten sich satirische Werbemotive zur Telekom-DSL-Entscheidung.

Im Internet verbreiten sich satirische Werbemotive zur Telekom-DSL-Entscheidung.

DüsseldorfDas Netz tobt. Denn für das Netz geht es um das Netz. Darum, dass es langsamer werden soll, wenn es nach der Deutschen Telekom geht. Die hat angekündigt, für Neukunden die Geschwindigkeit für das Festnetz-Internet zu drosseln, sobald diese ein gewisses Datenvolumen überschritten haben. Wer mehr als 75 Gigabyte Daten im Monat über die Leitung abruft (10 Filme in HD-Auflösung), dessen Verbindungsgeschwindigkeit wird auf 348 Kilobit pro Sekunde gedrosselt – oder muss draufzahlen.

Seit die Telekom ihre Pressemitteilung verschickt hat, tobt im Netz ein Sturm der Entrüstung. Auf der Facebook-Serviceseite der Telekom protestieren enttäuschte Kunden im Sekundentakt. So schreibt etwa Dennis Kröger: „Ihr habt soeben zwei Kunden verloren. Drosselungspolitik sei Dank.“ Zwar betrifft die Vertragsänderung nur künftige Kunden und sofort in Kraft treten soll sie auch nicht. Doch die Ankündigung reicht, dass einige Nutzer bereits ankündigen, ihren Vertrag zu beenden.

Pseudo-Flatrate der Telekom: Ein Fall für die Kartellwächter

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Die Telekom schafft die herkömmliche Flatrate ab und verstößt gegen die Netzneutralität.

Denn kaum etwas nervt Internetnutzer so sehr wie eine langsame Datenverbindung. Und die Zeit des Modems solle bitteschön vorbei sein. Bei Facebook schreibt Dennis Deutschkämer etwa: „Wenn ich mich nicht verrechnet habe, dann kann ich, wenn ich [einen] 200Mbit/s-Vertrag bei euch buchen würde, diese nur 9 Minuten am Tag voll nutzen, damit die Drosselung auf 348kbit/s nicht eintritt.“ Eine Antwort bekommt bislang keiner der Nutzer – das Serviceteam der Telekom scheint auf die Masse der Anfragen nicht vorbereitet zu sein.

Das sind die größten Telekommunikationsunternehmen

Platz 10

Deutsche Telekom - 37,05 Milliarden Euro

Platz 9

Telstra (Australien) - 42,84 Milliarden Euro

Platz 8

NTT (Japan) - 43,13 Milliarden Euro

Platz 7

Telefonica (Spanien) - 46,31 Milliarden Euro

Platz 6

NTT Docomo (Japan) - 47,99 Milliarden Euro

Platz 5

America Movil (Mexiko) - 66,96 Milliarden Euro

Platz 4

Verizon (USA) - 93,38 Milliarden Euro

Platz 3

Vodafone (Großbritannien) - 94,26 Milliarden Euro

Platz 2

AT & T (USA) - 145,27 Milliarden Euro

Platz 1

China Mobile - 177,02 Milliarden Euro

Ranking nach Marktkapitalisierung (Dezember 2012) - Quelle: Bloomberg

So lange das Internet noch schön schnell ist, sprudeln auch die sarkastischen Witze zügig durch die sozialen Netzwerke. So wirbt eine gefälschte Anzeige mit einer Schnecke für das „DSL für das 21. Jahrhundert.“ Und fügt hinzu: „Trenn dich! Es verbindet.“ Das Twitterkonto @metronaut nimmt auch in einer anderen Variante die Entscheidung der Telekom mit einer umgestalteten älteren Anzeige des Konzerns aufs Korn. „Mit Modemgeschwindigkeit durchs Netz humpeln“, steht neben einer lachenden Frau mit Gipsbein. Sie hält ein Schild vor sich mit der Aufschrift: „Ich bin gedrosselt.“

Grenzen fürs Datenvolumen: Telekom bittet Festnetzkunden zur Kasse

Grenzen fürs Datenvolumen

Telekom bittet Kunden zur Kasse

Die Deutsche Telekom plant ein Tempo-Limit für Internet-Surfer: Ab einer bestimmten Datenmenge sind Kunden in Zukunft langsamer unterwegs. Bis zur Umsetzung könnten aber noch Jahre vergehen.

Der Spaß hat einen ernsten Kern: So wirft das Blog Netzpolitik der Telekom vor, dass sie durch die Drosselung die Netzneutralität verletze, da das Unternehmen auch die eigenen Dienste gegenüber der Konkurrenz bevorzuge. So wird etwa das Telekom-Produkt Entertain nicht in das monatliche Datenvolumen eingerechnet, andere Videoportale wie Youtube oder Zattoo hingegen schon.

Auch der Blogger Carsten Knobloch wittert schon eine eigene Telekom-Einstellung für Youtube:

Auf der Facebook-Seite von Handelsblatt Online kommentiert Andreas Jupe: „Mal gespannt wie der Wettbewerb reagiert!!! Im Endeffekt könnten jetzt die Kabelnetzbetreiber gewaltig punkten, wenn sie die Unzufriedenheit der Telekom-Kunden zu nutzen wissen. Die anderen DSL-Anbieter müssen ja, dank der Einmietung ins Telekom-Netz, mitziehen.“ Die Frustration bei den Kunden ist groß.

Cihan Celik drückt mit seiner Nachricht bei der Telekom das ganze Elend aus: „Hallo Telekom. Ich habe einen Mobilfunkvertrag bei euch. Aufgrund eurer DSL-Flatrate Tarifneuregelung heißt es bald auch für mich: Tschüss Telekom. Möge der Shitstorm beginnen.“ Dabei hat er längst begonnen – und könnte für den Bonner Konzern schmerzhaft werden.

Kunden empört

Telekom drosselt Netzgeschwindigkeit

Kunden empört: Telekom drosselt Netzgeschwindigkeit

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Kommentare (26)

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pool

22.04.2013, 18:35 Uhr

Die IT-Propagandamedien vereinnahmen das Netz immer mehr, bis der letzte private User rausgedrängt worden ist, frei nach dem Motto: nur ein schweigender User, ist ein guter User.
Ich habe gar nichts gegen die aggressive Netzübernahme, dann machen die User aus Langeweile vielleicht eine Revolution?

(...)

Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette



Account gelöscht!

22.04.2013, 18:56 Uhr

Telekom legt sich mit dem Internet an : Wieder so ein angeblicher Monopolist, der glaubt, die Verbraucher gängeln zu können. Die Konzerne haben immer noch nicht begriffen, das der Verbraucher " die Marktmacht hat " und entscheidet, was er will. Wenn die Telekom das Netz drosselt, dann wechselt man halt zu einem anderen Anbieter, und gut.

obermannsche_landschaftspflege

22.04.2013, 19:24 Uhr

Obermann will einfach nur unser Bestes als Netzbetreiber...
Kaum glaubt man sich der Telekom entronnen, kommt Obermann in Bundespost-Manier daher und will ätschibätsch sagen.
Kann er und tut er.
Sein Feldjägermützchen braucht er dafür nichteinmal abzunehmen, es reicht schon aus, was sich darunter verbirgt: ein kleiner Matrosenanzugträger, dem die Zunge schon bis zu den Knien hängt angesichts "satter Umsatzsteigerungen" samt Netz, das der Steuerzahler auch heute munter weiterbezuschußt.
Und was dabei herauskommt?
Ganz einfach: in Klein-Knobelsdorf, dass immer noch auf Satellitenverbindungen angewiesen ist, wenns mal halbwegs schneller gehen sollte, wundert alle schon garnichts mehr.

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