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07.06.2013

14:23 Uhr

Netzreaktionen zur NSA

Der Staat macht den Backup

VonJonas Jansen

Barack Obama macht es wie sein Vorgänger Bush: Er überwacht seine Bürger. Doch er spioniert viel umfangreicher. Im Netz schwanken die Reaktionen zwischen Sorge und Spott.

Von dort wird überwacht: Das Gebäude des Geheimdienstes NSA ap

Von dort wird überwacht: Das Gebäude des Geheimdienstes NSA

DüsseldorfDer US-Geheimdienst NSA schnüffelt in den Nutzerkonten von Internetdiensten. Darunter sind Unternehmen wie Facebook, Yahoo, Google, AOL und Skype - die großen Dienstleister, die viele Menschen täglich nutzen. Wer also etwa Dateien in Apples iCloud speichert, E-Mails verschickt oder Fotos bei Facebook teilt, lässt auch immer den großen Bruder Staat mitlesen.

Obamas Überwachungsstaat kam ans Licht, weil dem britischen Guardian ein vertrauliches Dokument des Foreign Intelligence Surveillance Courts (FISC), einem geheimen US-Gericht, zugespielt wurde. Besonders pikant: Noch vor zwei Wochen sagte Keith Alexander, Chef der NSA, bei einer Tagung, dass der Geheimdienst „mit dem Schutz der Amerikaner viel zu beschäftigt ist, um sie zu überwachen“. Das Netz ist empört.

So schreibt etwa Anja Schwarzmeier auf der Facebook-Seite von Handelsblatt-Online: „Schachern sich die Unternehmen nicht eh schon die ganze Zeit unsere Daten zu? Und jetzt auch der Regierung! Kein Wunder, das beim Thema Datenschutz die Regierungen (und nicht nur in den USA) so träge reagieren!“

Der Facebook-Nutzer Michael Auksutat kommentiert lakonisch: „Deswegen ist es auch als deutsches Unternehmen ganz wichtig, seine Daten in einer amerikanischen Cloud zu halten. Da schauen sie nicht nach. Ganz ehrlich.“ Ein anderer Kommentator nimmt die Nachricht mit Humor: „Alle Daten in die KLAUT.“

Wer seit wann beim Schnüffelprogramm PRISM mitmacht

Microsoft

11. September 2007

Yahoo

12. März 2008

Google

14. Januar 2009

Facebook

3. Juni 2009

Paltalk

7. Dezember 2009

YouTube

12. März 2008

Skype

6. Februar 2011

AOL

31. März 2011

Apple

Oktober 2012

Dropbox

„Coming soon“

Auch bei Twitter ploppen die Nachrichten zur Abhöraffäre im Sekundentakt auf. Viele Nutzer fühlen sich hilflos, man könne sich auf nichts mehr verlassen, beklagen einige. Doch einige mahnen, wie Philippe Wampfler:

Die Abhängigkeit von Seiten wie Facebook oder Googlemail lässt viele Nutzer hilflos dastehen: Man möchte schließlich seine Dateien nicht auch mit dem Staat teilen. Dabei hat die Überwachung auch Vorteile, wie dieser Nutzer (nicht ganz ernst gemeint) schreibt:

Michael Seemann nimmt mit seinem Kommentar auch die Facebook aufs Korn. Denn die haben schließlich den Geheimdiensten gestattet, ihre Augen und Ohren in private Nachrichten zu stecken.

Facebook widerspricht der Darstellung übrigens auf dem firmeneigenen Blog, auch die anderen Unternehmen dementieren die Vorwürfe von Washington Post und dem Guardian.

Doch Kim Schmitz, der als Kim Dotcom mit Filesharing-Seiten zuerst berühmt und dann berüchtigt wurde, drückt mit seinem Tweet aus, was das Problem des Staates und vor allem der Unternehmen geworden ist. (Obwohl Schmitz freilich selbst nicht als der ehrbarste Geschäftsmann gilt)

Das Vertrauen ist weg. Vielleicht ist es auch deshalb für die meisten Nutzer einfacher, die Situation mit Humor zu nehmen. So schreibt dieser Twitter-Nutzer, dass er sein Wifi-Netzwerk umbenennen wird, um die Nachbarn zu ärgern.

Und nicht zuletzt sind die Top-Secret-Folien des Geheimdienstes zum Überwachungsprogramm mit dem Namen Prism auch nicht gerade professionell gestaltet. Was Spott hervorruft:

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