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02.12.2015

07:44 Uhr

Netztest der Zeitschrift „Connect“

Telekom verteidigt den Mobilfunktitel

Immer gut verbunden? Die Fachzeitschrift „Connect“ hat in ihrem renommierten Test die Mobilfunknetze in Deutschland untersucht. Auf Platz 1 liegt wieder die Telekom. In einer Disziplin haben aber alle Nachholbedarf.

Die Tester fahren mit Messwagen durchs Land, um die Qualität von Anrufen und Datenübertragungen zu ermitteln.

Testaufbau

Die Tester fahren mit Messwagen durchs Land, um die Qualität von Anrufen und Datenübertragungen zu ermitteln.

DüsseldorfMorgens in der Bahn die Nachrichten scannen, mittags im Café WhatsApp-Nachrichten schreiben und abends auf dem Heimweg zu Hause anrufen: Immer mehr Deutsche nutzen unterwegs Telefon und Internet. Eine störungsfreie und schnelle Verbindung ist da wichtig. Der renommierte Netztest der Zeitschrift „Connect“ zeigt: Die Deutsche Telekom bietet weiterhin das beste Mobilfunknetz, für Telefonate wie für Datenverbindungen. Beim Empfang in Zügen hat aber auch der Testsieger noch Luft nach oben.

Schon in den vergangenen vier Jahren lag die Telekom vorn. Auch dieses Mal überzeugte der Rosa Riese die Tester. So gingen Downloads im Mittel doppelt so schnell vonstatten wie bei der Nummer zwei, Vodafone. Auch bei den Spitzengeschwindigkeiten war die Telekom besser als die Konkurrenz, wobei der Abstand in kleinen Städten noch deutlicher zutage trat als in Großstädten.

Kleines Mobilfunk-Lexikon

GSM

GSM, kurz für „Global System for Mobile Communication“, war der erste digitale Mobilfunkstandard. In Deutschland wurde er in den 1990er Jahren eingeführt. Heute noch ist GSM in vielen Ländern in Betrieb, auch hierzulande. Dank der guten Versorgung scheint der Standard momentan unverzichtbar.

Edge

Edge, kurz für „Enhanced Data Rates for GSM Evolution“, ist eine Erweiterung des GSM-Standards, die eine Datenübertragung mit bis zu 384 Kilobit/Sekunde erlaubt. Nach heutigen Maßstäben ist das langsam. Dafür steht der Satz „Ich habe nur Edge“, den man etwa auf Bahnreisen oft hört.

UMTS

„Universal Mobile Telecommunications System“ ist der Mobilfunkstandard der dritten Generation. UMTS ist in Deutschland und großen Teilen der Welt verbreitet und ermöglicht schnelle Datenübertragungen. Nutzer in einer Funkzelle müssen sich allerdings die Bandbreite teilen – trotz Erweiterungen beginnen die Netze, zu verstopfen.

HSPA

„High Speed Packet Access“ macht UMTS schneller: Statt Übertragungsraten von 384 Kilobit/Sekunde sind mit HSPA bis 14,4 Megabit/Sekunde möglich, der Upload wird auf bis zu 5,76 Mbit/s beschleunigt.

HSPA+

Und es geht noch schneller: HSPA+ ermöglicht Downloads mit bis zu 21 Megabit/Sekunde. Wenn Netzbetreiber und Endgerät zwei Verbindungen gleichzeitig aufbauen können, wird diese Rate noch einmal verdoppelt.

LTE oder 4G

Der Mobilfunkstandard der vierten Generation heißt LTE, kurz für „Long Term Evolution“. Er beschleunigt die Datenübertragung auf bis zu 100 Megabit pro Sekunde, die Weiterentwicklung Cat4 macht bis 150 Mbit/s möglich. 4G wird oft synonym für LTE benutzt.

Einzig bei Sprachanrufen in Städten erzielte Vodafone bessere Ergebnisse – dank der Einführung der Technologie Voice over LTE (VoLTE), bei der die Telefonate übers LTE-Netz laufen und so in deutlich besserer Sprachqualität erlauben. Nutzer seien insgesamt aber bei beiden Anbietern gut versorgt, meinen die „Connect“-Experten: „In Deutschland gibt es derzeit zwei Premium-Mobilfunkanbieter.“

Die Nummern drei und vier heißen O2 und E-Plus. Die Unternehmen gehören inzwischen zusammen und sind mit 42 Millionen gemeinsamen Kunden Marktführer, „Connect“ testete sie jedoch noch separat: Die Integration der Netze beginnt erst im Januar 2016. O2 habe in den Ausbau der LTE-Infrastruktur in Großstädten und kleineren Orten investiert, notiert „Connect“ – das mache sich bei der schnelleren Datenübertragung bemerkbar. Zudem haben das Unternehmen VoLTE einführt, was sich aber noch nicht so deutlich bemerkbar mache wie bei Vodafone.

E-Plus hat 2014 und 2015 sein Netz ausgebaut – trotz der absehbaren Zusammenlegung mit O2. Das machte sich im Test bemerkbar, etwa durch geringere Ladezeiten von Webseiten. Trotzdem zeigten sich die Experten noch nicht zufrieden: „Wer größere Datenmengen übertragen oder Streaming-Angebote nutzen will, ist mit der derzeit gebotenen Netz-Performance jedoch nicht optimal bedient.“ Auch das sogenannte National Roaming, durch das O2- und E-Plus-Kunden ohne Aufpreis das Netz des Partners nutzen können, habe keine sichtbaren Vorteile erbracht.

Auf Bahnfahrten sind Telefon- und Datenverbindungen häufig ein Problem. Große Verbesserungen haben sich nach Einschätzung der Tester innerhalb des letzten Jahres nicht ergeben. Selbst beim Testsieger Telekom lief mehr als jeder zehnte Anruf ins Leere, bei O2 sogar fast jeder dritte (knapp 30 Prozent). Beim mobilen Internet liegt der ehemalige Staatskonzern ebenfalls vorn, die drei Konkurrenten sind fast gleichauf. Fazit: „Bahn- und Netzbetreiber sind dringend aufgefordert, in die Mobilfunkqualität in Zügen zu investieren.“

Der „Connect“-Netztest ist für die Mobilfunkbranche ein wichtiger Gradmesser – wer gewinnt, schmückt sich in der Werbung gerne mit dem Prädikat „Deutschlands bestes Netz“. Die Tester betreiben einen enormen Aufwand: Bei der aktuellen Ausgaben legten sie nach eigenen Angaben rund 20.000 Kilometer in Deutschland, Österreich und der Schweiz zurück. Die Ergebnisse basieren auf der Bewertung von mehr als 8500 Anrufen, 20.000 Website-Aufrufen und 10.000 Dateiübertragungen. Den Test führte die Firma P3 Communications durch.

Von

chk

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