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05.07.2011

15:37 Uhr

Netzwerk-Ausrücter

Cisco hilft Chinesen bei der Überwachung der Bürger

Das China-Geschäft ist vor allem für IT-Konzerne eine Gratwanderung, schließlich kann die Technik auch für die Überwachung eingesetzt werden. Nun plant Cisco den Sprung auf den Markt. Ein Deal mit reichlich Geschmäckle.

Videoüberwachung muss seine Grenzen haben, sagen Datenschützer. Quelle: dpa

Videoüberwachung muss seine Grenzen haben, sagen Datenschützer.

New York/BerlinDer weltgrößte Netzausrüster Cisco prüft laut einem Zeitungsbericht die Teilnahme an einem gigantischen Kameraüberwachungsprojekt in China. Auch der Computerriese Hewlett-Packard könnte Server oder Speicher-Technik liefern, berichtete das „Wall Street Journal“ am Dienstag unter Berufung auf informierte Personen. Die Stadt Chongqing will mehr als 500.000 Videokameras auf Straßen und öffentlichen Plätzen installieren. Die Behörden betonen, sie seien lediglich zur Bekämpfung der Kriminalität gedacht. Kritiker warnen, dass das Netz auch zur Verfolgung Andersdenkender genutzt werden könne.

Cisco könnte zu dem Projekt mit dem Titel „Friedliches Chongqing“ die Netzwerk-Technik beisteuern, die für ein so großes und komplexes Kamera-System entscheidend sei, schrieb die Zeitung weiter. Der für die China-Strategie zuständige HP-Manager Todd Bradley sagte dem „Journal“, sein Konzern verlasse sich auf die Zusicherungen der Chinesen zum Zweck des Kamerasystems: „Wir nehmen sie beim Wort, was die Nutzung angeht.“

Laut der Spezialsoftware-Firma Intergraph, die ebenfalls an dem Kamera-Projekt teilnehmen könnte, sollen die Videobilder Polizeirevieren und anderen Behörden zugänglich gemacht werden. Ein aktuelles System sei so veraltet, dass die Polizei „lediglich“ die Bilder von 15.000 der bereits installierten 300.000 Kameras online abrufen könne.

Nach der blutigen Niederschlagung der Proteste auf dem Platz des Himmlischen Friedens in Peking 1989 ist es US-Unternehmen zwar untersagt, reine Sicherheitstechnik wie Fingerabdruck-Scanner nach China zu liefern. Geräte wie Kameras, die zu verschiedenen Zwecken verwendet werden können, fallen aber nicht darunter.

Das Geschäft westlicher Unternehmen in China wird immer wieder von Bedenken angesichts der Menschenrechtslage begleitet. So fährt Google in China nach einem Zensur-Streit mit den Behörden seit mehr als einem Jahr auf Sparflamme. Der Erzrivale Microsoft nutzt den Moment für einen Vorstoß ins Suchmaschinen-Geschäft in dem boomenden Markt.

Der Marktführer Baidu wird für englischsprachige Suchanfragen auf seiner Webseite auf Microsofts Bing zurückgreifen, wie das chinesische Unternehmen am Montag laut Medienberichten mitteilte. Dem „Wall Street Journal“ zufolge geht es dabei nur um einen Teil der Suchanfragen. Der Plan solle zum Jahresende umgesetzt werden, berichtete die „New York Times“.

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