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15.06.2012

09:54 Uhr

Netzwerk will Umsätze steigern

Facebook geht bei Werbung in die Offensive

VonAxel Postinett, Astrid Dörner

Facebook will mit einer neuen Auktionsplattform die Anzeigenumsätze steigern. Die Nutzer sollen gezielter angesprochen werden. Das funktioniert allerdings nur, wenn Facebook-Kunden im Internet genau beobachtet werden.

Facebook: Die Aktie des Netzwerks ist derzeit wenig gefragt. Reuters

Facebook: Die Aktie des Netzwerks ist derzeit wenig gefragt.

San Francisco/New YorkFacebook geht auf seine Werbekunden zu. Das Soziale Netzwerk plant ein Auktionssystem, über das Anzeigen schneller und gezielter an die über 900 Millionen Nutzer vermarktet werden können. Dafür muss allerdings das Verhalten der Facebook-Kunden im Internet genau ausspioniert werden.

Die Plattform mit dem Namen „Facebook Exchange“ soll es vor allem Konzernen mit einem großen Budget für Internetwerbung erlauben, gezielt Facebook-Nutzer anzusprechen, die zuvor bereits die Internetseite des werbenden Konzerns besucht haben. Wenn ein Nutzer etwa auf der Website eines Autoherstellers war, bekommt er bei seinem nächsten Facebook-Besuch eine Anzeige des Autoherstellers eingeblendet.

So funktioniert die Facebook-Werbeplattform

Spur im Netz

Ein Facebook-Nutzer informiert sich auf einer Website über ein Produkt. Ein Werbenetzwerk, das mit Facebook kooperiert, installiert einen „Cookie“, eine winzige Datei, die den Besuch dokumentiert. Etwa so: Nutzer interessiert sich für ein bestimmtes Mobiltelefon.

Auktion

Beim nächsten Facebook-Besuch informiert das Unternehmen das Werbenetzwerk. Der Nutzer bleibt dabei anonym. Der Werbedienstleister leitet binnen Sekunden eine Auktion ein. Hersteller bieten dafür, eine Anzeige zu präsentieren. Das beste Gebot bekommt den Zuschlag.

Bietet allerdings ein Konkurrent einen besseren Preis, kann auch dessen Anzeige erscheinen. Derzeit schalten Werber Anzeigen auf Facebook basierend auf Aktivitäten, wie dem Drücken des „Like“-Buttons oder aufgrund eigener Angaben wie Vorlieben, Geschlecht, Alter oder Standort.

„Werbekunden können relevante Anzeigen schneller schalten und das in einer Bandbreite, die bislang nicht möglich war“, teilte ein Facebook-Sprecher mit.

Facebook in Zahlen

Transparenz dank Börsengang

Facebook war lange verschwiegen, wenn es um die Geschäftszahlen ging. Das hat sich mit dem Börsengang im Mai 2012 geändert – nun muss das Unternehmen die Börsianer genau informieren. Die Dokumente offenbaren zudem einen Blick in die ersten Jahre des Sozialen Netzwerks. Die wichtigsten Erkenntnisse auf einen Blick.

Schon früh profitabel

In den ersten Jahren verlor Facebook zwar Geld – wie fast alle Startups. Doch schon 2009 erreichte das Unternehmen mit einem Gewinn von 229 Millionen Dollar die schwarzen Zahlen. Im abgelaufenen Geschäftsjahr machte Facebook 7,9 Milliarden Dollar Umsatz aus Werbung und Online-Spielen und verdienten 1,5 Milliarden Dollar Gewinn. Damit hängt das Netzwerk Internet-Urgesteine wie AOL und Yahoo längst ab.

Werbung als wichtigste Geldquelle

Facebook macht sein Geld vor allem mit Werbung. Zuletzt lag der Anteil bei rund 90 Prozent. Der Rest resultiert vor allem daraus, dass Facebook an den Einnahmen aus Online-Spielen beteiligt wird. Im ersten Quartal 2014 schnellte der Umsatz um 72 Prozent auf 2,5 Milliarden Dollar hoch, der Gewinn verdreifachte sich auf 642 Millionen Dollar.

Beispielloses Wachstum

Facebook hat ein beispielloses Wachstum hinter sich: Binnen zehn Jahren ist die Zahl der aktiven Nutzer auf 1,28 Milliarden gewachsen, das entspricht grob der Hälfte der globalen Internet-Population.

Zuckerberg hat die Kontrolle

Gründer und Firmenchef Mark Zuckerberg hat Facebook auch nach dem Börsengang fest im Griff. Er hält Aktien der Klasse B, die zehn Stimmen haben, während Anleger beim Börsengang nur A-Klasse-Aktien mit einer Stimme bekommen haben.

Dominant in aller Welt

Fast die ganze Welt ist blau: In beinahe allen Ländern ist Facebook das größte Soziale Netzwerk – nennenswerte Ausnahmen sind Russland und China, wo lokale Unternehmen dominieren.

Keine Chance für StudiVZ

Auch wenn StudiVZ lange vorne lag, ist Facebook in Deutschland inzwischen die unangefochtene Nummer 1. Nach jüngsten Schätzungen des Portals allfacebook.com hat Facebook hierzulande 27 Millionen aktive Mitglieder.

Riese Datenmengen

Facebook ist ein Daten-Riese: Das Soziale Netzwerk verarbeitet (nach Zahlen aus dem August) jeden Tag mehr als 500 Terabyte. Einen großen Teil machen die 300 Millionen Bilder aus, die die Nutzer hochladen.

Neu ist die Idee nicht, Unternehmen wie Google, Yahoo oder AOL betreiben bereits erfolgreich Auktionsplattformen, über die Unternehmen ihre Anzeigen platzieren können. Google etwa bietet die Möglichkeit, Anzeigen zu schalten, die mit aktuellen Suchbegriffen verbunden sind. Wer bei der Google-Suche etwa „Kühlschrank“ eingibt, bekommt Werbung von dem Haushaltsgerätehersteller, der den höchsten Preis zahlen will.

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