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25.01.2010

15:38 Uhr

Netzwerkausrüster

Ericsson gehen die Aufträge aus

VonHelmut Steuer

Ericsson hat das vergangene Jahr mit einem Umsatz- und Gewinneinbruch anschließen müssen. Der Netzwerkausrüster hat vor allem in der zweiten Jahreshälfte gelitten.

Ein Fachmann von Ericsson bei der Arbeit. dpa

Ein Fachmann von Ericsson bei der Arbeit.

STOCKHOLM. Der deutlich gebremste Investitionswillen der großen Telekom-Konzerne zwingt den weltweit größten Mobilfunknetz-Hersteller Ericsson zu einem fortgesetzten Sparkurs: Insgesamt hätten im vergangenen Jahr 6500 der 82 500 Mitarbeiter das Unternehmen verlassen müssen. Für das laufende Jahr wurden zwar keine neuen Stellenstreichungen avisiert, doch der neue Ericsson-Chef Hans Vestberg kündigte gestern in Stockholm an, dass der Konzern wegen der schwierigen Wirtschaftslage weiter auf die Ausgabenbremse drücken werde. Ericsson hatte bereits im Herbst mitgeteilt, ab Mitte 2010 jährlich 15 bis 16 Mrd. Kronen sparen zu wollen.

„Im vergangenen Jahr haben sich die Telekom-Unternehmen vor allem in Mitteleuropa, im Nahen Osten und Afrika sehr mit Investitionen sehr zurückgehalten“, begründete Vestberg die vorsichtige Haltung. Sein Konzern leidet wie die Konkurrenten Nokia Siemens Networks (NSN) und Alcatel Lucent unter dem gebremsten Investitionswillen der großen Telekom-Gesellschaften und der stärker werdenden Konkurrenz der chinesischen Anbieter Huawei und ZTE. Diese beiden Unternehmen haben im vergangenen Jahr mehrere große Aufträge in Europa dem schwedischen Weltmarktführer vor der Nase weggeschnappt.

Telekom-Experten nennen als Begründung für den Erfolg der Chinesen deren Niedrigpreis-Strategie. Beispielsweise konnte sich Huawei in Norwegen und Schweden prestigeträchtige Aufträge von Telenor und Tele 2 über den Bau von 4G-Netzen sichern. Ericsson gewann dagegen zusammen mit NSN den Auftrag von Telia Sonera, ein länderübergreifendes 4G-Netz in Dänemark, Norwegen, Schweden und den baltischen Ländern zu bauen.

Doch die bislang vergleichsweise geringen Investitionen in neue Techniken wie dem Mobilfunkstandard der vierten Generation, 4G, können den wegen der globalen Finanzkrise gebremsten Investitionswillen in den Ausbau der bestehenden UMTS-Netze nicht kompensieren. Eine Ausnahme bilden nach Angaben von Vestberg China, Indien und die USA, wo die Telekom-Unternehmen auch im vergangenen Jahr deutlich in den Ausbau ihrer Netze investiert haben. Auch das Geschäft mit Service und Dienstleistungen, die Ericsson für Telekom-Konzerne übernimmt, läuft weiterhin gut. Finanzchef Jan Frykhammar sprach von „einer großen Nachfrage“ und glaubte, dass sich das auch nicht in diesem Jahr verändern werde.

Die weiterhin angespannte Investitionslage spiegelt sich auch in der Ericsson-Bilanz wieder: Im vierten Quartal vergangenen Jahres sank der Umsatz des Unternehmens gegenüber 2008 um 16 Prozent auf 58,3 Mrd. Kronen (5,7 Mrd. Euro). Im Gesamtjahr 2009 setzte Ericsson 206,5 (208,9) Mrd. Kronen um. Der Vorsteuergewinn gab im vierten Quartal auf 6,7 (9,0) Mrd. Kronen nach. Im Gesamtjahr betrug der Gewinn 18,8 (24,8) Mrd. Kronen.

Damit entsprach das Ergebnis in etwa den Prognosen der meisten Analysten. Dennoch gab die Ericsson-Aktie an der Börse in Stockholm zwischenzeitlich um 1,6 Prozent nach. „Es war enttäuschend, dass Ericsson keinen Ausblick auf 2010 abgegeben hat“, sagte Greger Johansson, Analyst beim Stockholmer Marktforschungsunternehmen Redeye.

Während Ericsson keinen Ausblick geben wollte, hatte Alcatel Lucent vor Kurzem erklärt, dass der Markt in diesem Jahr höchstens um fünf Prozent wachsen werde. NSN geht von einem unveränderten Markt aus. Obwohl der Gewinn je Aktie im zurückliegenden Jahr auf 0,10 (1,21) Kronen einbrach, dürfen sich die Ericsson-Aktionäre freuen: Der Konzern will die Dividende auf 2,0 (1,85) Kronen je Aktie erhöhen.

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