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24.01.2013

15:58 Uhr

Netzwerkbauer

Nokia Siemens Networks verdient und spart mehr

Geht es für NSN doch noch an die Börse? Die Gemeinschaftsfirma schreibt bereits das dritte Quartal in Folge schwarze Zahlen und saniert sich erfolgreich. Nokia-Chef Stephen Elop : „Alle Optionen bleiben auf dem Tisch.“

Der Eingang zur Zentrale von Nokia Siemens Networks in Espoo, Finland. dapd

Der Eingang zur Zentrale von Nokia Siemens Networks in Espoo, Finland.

Helsinki/MünchenDer Netzwerkbauer Nokia Siemens Networks (NSN) hat erstmals drei Quartale hintereinander schwarze Zahlen geschrieben und heizt damit Spekulationen über einen Börsengang an. Im Weihnachtsquartal vervierfachte sich der operative Gewinn der Gemeinschaftsfirma binnen Jahresfrist auf 251 Millionen Euro, wie Nokia am Donnerstag mitteilte. Der Umsatz legte um fünf Prozent auf knapp vier Milliarden Euro zu. Die Mobilfunkanlagen von NSN waren zuletzt vor allem in Asien und Japan gefragt, hieß es.

Trotz der Erfolge und steigender Bruttomargen will NSN-Chef Rajeev Suri die Sparschraube noch fester anziehen. Sein Haus werde die Kosten über die bisher angepeilten Einsparungen von einer Milliarde Euro hinaus senken, kündigte er an. Vor allen in der Verwaltung, der EDV und im Einkauf sei noch etwas zu holen. Seine dritte Sanierungsrunde hat NSN zunächst weitgehend hinter sich.

Schneller als geplant seien weltweit 15.300 Stellen abgebaut worden, hieß es. Die Kosten für die Einschnitte seien mit 1,3 Milliarden Euro allerdings 100 Millionen Euro höher ausgefallen als vorhergesagt.

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Nokia-Chef Stephen Elop hielt die Zukunft der seit sechs Jahren mit Siemens betriebenen Tochter offen. „Alle Optionen bleiben auf dem Tisch“, sagte er. Siemens hatte sich zu seinen Plänen für das Joint Venture am Mittwoch auf der Hauptversammlung bedeckt gehalten. Die Finnen und die Münchner haben sich bis Frühjahr 2013 aneinander gebunden. Danach können sie ihre Anteile verkaufen, nachdem sie sich gegenseitig angeboten haben.

Nokias Baustellen

Konzern im Wandel

Es ist eine Zeitenwende für Nokia: Der finnische Konzern hat sein Kerngeschäft mit Handys an Microsoft verkauft. In den letzten Jahren hatte er an Marktanteilen verloren und rote Zahlen geschrieben. Das neue Nokia ruht auf drei Säulen.

Billig-Handys

Nokia ist immer noch einer der wichtigsten Hersteller günstiger Handys – sie finden vor allem in den Schwellenländern immer noch Käufer. Allerdings machen Hersteller wie Huawei und ZTE dem finnischen Unternehmen das Leben schwer, zudem können sich auch in Indien, China oder auf den Philippinen immer mehr Menschen Smartphones leisten. Auch diese Sparte verkauft der finnische Konzern nun an Microsoft.

Netzwerktechnik

Die wichtigste Säule des Konzerns ist jetzt die Netzwerktechnik. Im Juli 2013 kaufte Nokia den Partner Siemens für 1,7 Milliarden Dollar aus dem Joint Venture heraus, um das Geschäft wieder allein zu betreiben. Angesichts des Smartphone-Booms wirkt der Aufbau von Netzen der Mobilfunk-Anbieter auf den ersten Blick als sicheres Geschäft, doch in der Branche herrscht ein harter Wettbewerb. NSN konkurriert mit Ericsson, Alcatel-Lucent und den chinesischen Rivalen Huawei und ZTE. Der Preiskampf wird weiter anhalten, zumindest muss sich Nokia nicht mehr mit einem Partner über die Strategie streiten.

Landkarten

Das zweite große Nokia-Standbein sind die Kartendienste unter dem Markennamen Here. Hier kauften die Finnen bereits 2007 für gut acht Milliarden Dollar den Karten-Spezialisten Navteq und investierten seitdem massiv in den Aufbau eines vollwertigen Online-Angebots sowie Navigationsdiensten. Allerdings ist das Geschäft teuer und die Konkurrenz groß – gerade Google gibt viel Geld aus. Nokia will seine Kartendienste auf andere Betriebssysteme bringen, die Daten werden bereits in vielen Auto-Navigationssystemen genutzt. Zu einem großen Teil werden die Nokia-Kartendienste in Berlin entwickelt.

Patente

Nokia hält ein umfangreiches Patentportfolio – das Geschäft mit Lizenzen soll künftig die dritte Säule des neu ausgerichteten Konzerns werden.

Langfristig haben beide Partner aber kein Interesse daran, bei NSN investiert zu bleiben. Börsenpläne wurden immer wieder durchgespielt. Medienberichten zufolge ist NSN derzeit nach mehreren Kapitalspritzen durch die Mütter in den vergangenen Jahren dabei, den Anleihenkäufern einen Bond über 700 Millionen Euro schmackhaft zu machen.

Von

rtr

Kommentare (2)

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Maus

25.01.2013, 11:37 Uhr

Wann werden diese "Manager" endlich lernen, dass Sparen meist Einbußen bei Umsatz und Gewinn nach sich zieht (in einer Höhe weit über dem Wert der Ersparnis)?

vas

28.01.2013, 12:05 Uhr

ich denke mal dass die EU auch hier was von den USA lernen kann. Die vorgehensweise der chinesischen Konzerne ist fern von allen europaishen Wettbewerbsregeln. Hier kann man nur politisch durchgreifen.

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