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26.09.2013

09:17 Uhr

Netzwerktechnik

Nokia ist an Alcatel-Lucent interessiert

Nokia baut weiter kräftig um: Nach dem Verkauf der Handysparte denkt der finnische Konzern über einen Zusammenschluss mit dem Netzwerkausrüster Alcatel-Lucent nach. Leisten könnte er sich das locker.

Nokia will Menschen verbinden – aber nicht mehr per Handy: Der finnische Konzern verkauft das Geschäft und setzt künftig auf Netzwerktechnik. dapd

Nokia will Menschen verbinden – aber nicht mehr per Handy: Der finnische Konzern verkauft das Geschäft und setzt künftig auf Netzwerktechnik.

Nach dem Verkauf seines Handygeschäfts an Microsoft erwägt Nokia offenbar einen Zusammenschluss mit dem französischen Telekom-Ausrüster Alcatel-Lucent. In der finnischen Konzernzentrale werde gerade über das Für und Wider einer solchen Fusion diskutiert, sagten mehrere mit dem Vorgang vertraute Personen den Nachrichtenagenturen Reuters und Bloomberg. Neben einem Zusammenschluss sei auch eine Übernahme von Alcatel-Lucent denkbar. Es gebe aber noch keine formellen Gespräche mit dem französischen Rivalen. Die Unternehmen lehnten eine Stellungnahme ab.

Nokia hatte Anfang September mitgeteilt, dass es seine kriselnde Mobilfunk-Sparte an den Software-Riesen Microsoft verkaufen wird. Die Amerikaner legen für das Handygeschäft des einstigen Weltmarktführers 5,44 Milliarden Euro auf den Tisch. Der finnische Handy-Pionier hat den Wandel hin zu den boomenden Smartphones verpasst und ist daher hinter die neuen Platzhirsche Samsung und Apple zurückgefallen.

Ein Zusammenschluss mit Alcatel-Lucent würde Nokia im Wettbewerb mit dem Marktführer Ericsson und den schnell wachsenden chinesischen Rivalen Huawei helfen. Der französische Netzwerkausrüster beliefert die US-Mobilfunker Verizon Wireless and AT&T – in diesem Markt hängt Nokia der Konkurrenz hinterher.

Nokias Baustellen

Konzern im Wandel

Es ist eine Zeitenwende für Nokia: Der finnische Konzern hat sein Kerngeschäft mit Handys an Microsoft verkauft. In den letzten Jahren hatte er an Marktanteilen verloren und rote Zahlen geschrieben. Das neue Nokia ruht auf drei Säulen.

Billig-Handys

Nokia ist immer noch einer der wichtigsten Hersteller günstiger Handys – sie finden vor allem in den Schwellenländern immer noch Käufer. Allerdings machen Hersteller wie Huawei und ZTE dem finnischen Unternehmen das Leben schwer, zudem können sich auch in Indien, China oder auf den Philippinen immer mehr Menschen Smartphones leisten. Auch diese Sparte verkauft der finnische Konzern nun an Microsoft.

Netzwerktechnik

Die wichtigste Säule des Konzerns ist jetzt die Netzwerktechnik. Im Juli 2013 kaufte Nokia den Partner Siemens für 1,7 Milliarden Dollar aus dem Joint Venture heraus, um das Geschäft wieder allein zu betreiben. Angesichts des Smartphone-Booms wirkt der Aufbau von Netzen der Mobilfunk-Anbieter auf den ersten Blick als sicheres Geschäft, doch in der Branche herrscht ein harter Wettbewerb. NSN konkurriert mit Ericsson, Alcatel-Lucent und den chinesischen Rivalen Huawei und ZTE. Der Preiskampf wird weiter anhalten, zumindest muss sich Nokia nicht mehr mit einem Partner über die Strategie streiten.

Landkarten

Das zweite große Nokia-Standbein sind die Kartendienste unter dem Markennamen Here. Hier kauften die Finnen bereits 2007 für gut acht Milliarden Dollar den Karten-Spezialisten Navteq und investierten seitdem massiv in den Aufbau eines vollwertigen Online-Angebots sowie Navigationsdiensten. Allerdings ist das Geschäft teuer und die Konkurrenz groß – gerade Google gibt viel Geld aus. Nokia will seine Kartendienste auf andere Betriebssysteme bringen, die Daten werden bereits in vielen Auto-Navigationssystemen genutzt. Zu einem großen Teil werden die Nokia-Kartendienste in Berlin entwickelt.

Patente

Nokia hält ein umfangreiches Patentportfolio – das Geschäft mit Lizenzen soll künftig die dritte Säule des neu ausgerichteten Konzerns werden.

Aus Sicht des Merrill-Lynch-Analysten Didier Scemama ergäbe ein Zusammenschluss Sinn. Die Geschäftsaktivitäten der beiden Unternehmen ergänzten sich, zudem hätten sie zusammen das wahrscheinlich weltweit größte Patentportfolio in der Geschichte der Netzwerkausrüster. Stemmen könnte Nokia die Übernahme ohne große Probleme: Alcatel-Lucent ist an der Börse 5,9 Milliarden Euro wert.

Der finnische Konzern selbst hatte erst im August den Anteil von Siemens am gemeinsamen Netzwerkausrüster NSN übernommen. Nach dem Verkauf des Handygeschäfts wird die Sparte mehr als 90 Prozent des Umsatzes der Firma erlösen.

Der Markt ist sehr umkämpft: NSN schrieb nach der Gründung 2007 jahrelang rote Zahlen und strich mehr als 20.000 Jobs. Erst seit kurzem ist das Geschäft profitabel. NSN konkurriert mit Ericsson und Alcatel-Lucent, zudem setzen die chinesischen Anbieter Huawei und ZTE den Markt mit niedrigen Preisen unter Druck.

Kommentare (3)

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Account gelöscht!

26.09.2013, 10:57 Uhr

Zwei Blinde sollen einen Sehenden ergeben?
Hat noch nie funktioniert.
Da kann man getrost short gehen, sowbald die Übernahmephantasie weg ist, ist sicher verdientes Geld.

Cmonfeelthenoise

26.09.2013, 14:23 Uhr

Ein Looser interessiert sich für den nächsten? Alcatel ist schon seit 2000 ein Sorgenkind und kommt auf keinen grünen Zweig. Das weiß man aber in der Branche. D.h. Nokia sieht in die Zerlegung von Alcatel-Lucent einen Strohhalm, um sich wie Münchhausen aus dem Sumpf zu ziehen...

Habe ich etwa gerade einen Timewarp gemacht und heute ist der 1.April?

Baerenmarke

27.09.2013, 00:31 Uhr

Da ist der Name eindeutig Programm, denn der Inhalt lässt nicht gerade auf viel Qualität deuten.
Was mir bedauerlicherweise auch nicht das erste mal aufgefallen ist!
Es wäre mir neu, dass es sich bei den beiden Konzernen um zwei Blinde handelt...
Wenn man keine Ahnung von der Thematik hat, sollte man sich besser zurückhalten, denn beispielsweise auf dem IPD Markt bietet Alcatel-Lucent mit Abstand die besten Produkte an. Und wenn man sich das restliche Portfolio mal anschaut, dann findet man da auch nicht gerade Schrott...
Das die Firma die letzten Jahre nicht sehr erfolgreich war, lag da eher am Management, was nicht wirklich das gelbe vom Ei war, was der neue kann wird sich allerdings noch zeigen!
Bzw. was wurde denn aus der Bosch Bürotelekommunikation? Stimmt die gibt es ja nicht mehr und heißt jetzt Avaya und bei denen sieht es absolut nicht gut aus...

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