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14.01.2015

09:13 Uhr

Neue Ausgabe von „Charlie Hebdo“

Die Kämpfer

VonDana Heide, Lisa Hegemann

Heute ist unter schwierigsten Bedingungen die erste Ausgabe von „Charlie Hebdo“ nach dem verheerenden Anschlag auf das Satiremagazin erschienen. Einmal mehr trotzt die Redaktion Extremisten.

„Charlie Hebdo“-Zeichner Luz zeigt die neueste Ausgabe des Satiremagazins. dpa

„Charlie Hebdo“-Zeichner Luz zeigt die neueste Ausgabe des Satiremagazins.

Sie wurden bedroht, verklagt, beleidigt, ihre Redaktionsräume wurden angezündet. Und nun kann selbst ein Terroranschlag, bei dem acht Redaktionsmitglieder des Magazins - darunter auch Mohammed-Karikaturist und Redaktionsleiter Stéphane Charbonnier (47) alias Charb - getötet wurden, die Redaktion nicht davon abhalten, ihre Meinung zu malen.

"Wenn wir nicht mehr publizieren, sind wir tot. Wir können nicht im Gefängnis leben" - für diese markigen und mutigen Worte war Stéphane Charbonnier, der Chefredakteur des Satiremagazins "Charlie Hebdo", bekannt. Und die Redaktion stand hinter ihm.

Auch an diesem Mittwoch liegt wie gewohnt eine neue Ausgabe in den Kiosk-Regalen Frankreichs. Spätestens am Samstag soll sie auch in Deutschland erhältlich sein. Auf dem Cover: Eine Zeichnung des Propheten Mohammed, der weinend ein Schild mit der Aufschrift „Je suis Charlie“ (deutsch: Ich bin Charlie) in den Händen hält. Über der Zeichnung steht in großen Buchstaben „Tout est pardonné“ (deutsch: Alles ist vergeben).

Die offenen Fragen zu den Paris-Anschlägen

Gehen noch mehr Anschläge auf das Konto der Islamisten?

Amédy Coulibaly (der Supermarkt-Geiselnehmer) verübte womöglich noch zwei weitere Anschläge: Am vergangenen Mittwochabend wurde in Fontenay-aux-Roses südlich von Paris ein Jogger durch Schüsse verletzt. Die Ermittler bringen eine im von ihm überfallenen jüdischen Supermarkt gefundene Pistole der Marke Tokarew mit den Schüssen auf den Jogger in Verbindung.

Am Donnerstag detonierte zudem in Villejuif bei Paris eine Autobombe, ohne dass es Verletzte gab. In einem mutmaßlichen Bekennervideo Coulibalys ist unter anderem von einem „Sprengsatz“ an einem Auto die Rede, laut Ermittlern gibt es bei der Tat noch mehr Hinweise für eine Verbindung zu dem Islamisten.

Hatten die Attentäter Komplizen?

Premierminister Manuel Valls sprach am Montag von vermutlich mindestens einem Komplizen. Coulibaly habe "wahrscheinlich einen Komplizen" gehabt, sagte der Regierungschef. Darauf deutet auch das Bekennervideo des Islamisten hin: Dort ist von der Geiselnahme im jüdischen Supermarkt die Rede, bei der Coulibaly am Freitagnachmittag von Elite-Einheiten erschossen wurde. Das Video wurde also von einem Dritten angefertigt. Möglich ist auch, dass ein Komplize mit der später bei Coulibaly gefundenen Tokarew-Pistole auf den Jogger in Fontenay-aux-Roses schoss.

Auch bei den Kouachi-Brüdern war immer wieder die Rede von einem möglichen dritten Beteiligten beim Anschlag auf „Charlie Hebdo“. Ein junger Mann, der zwischenzeitlich als Fahrer verdächtigt wurde, wurde aber entlastet.

Woher hatten die Attentäter Geld und Waffen?

Die Islamisten hatten ein wahres Arsenal an Waffen und Sprengstoff bei sich. Ein Experte schätzt den Schwarzmarkt-Preis der bei den Kouachi-Brüdern gefundenen Waffen auf 7000 Euro, bei Coulibaly auf 6000 Euro. Unklar ist, woher das Geld kam und wie die Attentäter sich die Waffen besorgten. Zumindest Coulibaly war als Wiederholungstäter bei Straftaten wie Diebstahl, Raub und Drogenhandel bekannt.

Bildeten die Attentäter eine Terrorzelle?

Die Ermittler gehen der Frage nach, ob die Islamisten eine durchorganisierte Terrorzelle bildeten - und ob sie womöglich sogenannte Schläfer waren, die von Al-Kaida aktiviert wurden. Chérif Kouachi gab an, von Al-Kaida auf der Arabischen Halbinsel (Aqap) beauftragt worden zu sein. Coulibaly bezeichnete sich als Mitglied des IS. Weder Al-Kaida noch der Islamische Staat haben sich aber zu der Anschlagsserie von Paris bekannt. Die Ermittler untersuchen auch die Verbindungen, die die Kouachi-Brüder und Coulibaly mit anderen Islamisten in Frankreich hatten.

Wie oft reisten die Attentäter ins Ausland?

Chérif und Said Kouachi reisten 2011 beide in den Jemen, zumindest Said wurde dort offenbar von Al-Kaida im Umgang mit Waffen ausgebildet. Said soll auch 2009 und 2013 in dem Land gewesen sein, das als Hochburg von Islamisten bekannt ist. Bestätigt ist dies aber nicht. Bei Coulibaly sind dagegen keine Auslandsreisen in gefährliche Gebiete bekannt, wie Premier Valls sagte.

„Ich habe geschrieben 'Alles ist vergeben' und ich habe angefangen zu weinen“, erklärte Zeichner Luz am Dienstag mit Tränen in den Augen. „Wir haben uns gefragt, wie wir uns selbst treubleiben können, wie wir weiterlachen können“, sagt Chefredakteur Gérard Biard über die schwierigen Vorbereitungen für die jüngste Ausgabe. Ziel es gewesen, ein Titelbild zu kreieren, das die Leute trotz der Geschehnisse zum Lachen bringe.

Der Geist von „Je suis Charlie“ bedeute auch ein „Recht auf Blasphemie“, sagte der Anwalt des Magazins, Richard Malka bei der Vorstellung der neuen Ausgabe. Seit 22 Jahren habe es keine Ausgabe des Magazins gegeben, in dem nicht der Papst, Jesus Christus, Bischöfe, Rabbiner, Imame oder der Prophet Mohammed karikiert worden seien.

Kommentare (16)

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Frau Ute Umlauf

14.01.2015, 09:28 Uhr

Haben die nichts aus dem Anschlag gelernt? Was sollen diese weiteren Provokationen? Wo das hin führt ist klar!

Herr Edmund Stoiber

14.01.2015, 09:35 Uhr

Von 60.000 auf 3.000.000 per Wochenfrist

Ist das ein riesen Marketing-Aktion?

PS: Satire (die ist erlaubt)

Herr C. Falk

14.01.2015, 09:46 Uhr

Also noch einmal, die Abbildung des Propheten ist laut islamischer Doktrin verboten und kann unter Umständen mit dem Tod bestraft werden.

Die Dschihadisten, Islamisten und Salafisten kennen da kein Pardon. In Saudi-Arabien wurde kürzlich ein islamkritischer Blogger zu tausend Petschenhieben verurteilt. "Humaner Weise" wird diese Bestrfung in Etappen verabreicht, damit er diese blutige Prozedur überleben kann.

Kein Wort des Protestes von unserem Oberhumanisten Gauck zu diesem Urteil. Ist eben Saudi-Arabien.

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