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25.02.2016

12:30 Uhr

Neue Ausrichtung bei Smartphones

Byebye Motorola, Ni hao Lenovo!

VonChristof Kerkmann

Eine lange Vergangenheit garantiert keine Zukunft: Lenovo lässt den Namen Motorola verschwinden. Der Mutterkonzern verkauft Smartphones künftig unter eigenem Namen – und will dafür sorgen, dass sie jeder kennenlernt.

In diesem Jahr bringt Lenovo die Vibe-Smartphones auch in Deutschland auf den Markt. AP

Lenovo-Smartphone Vibe X

In diesem Jahr bringt Lenovo die Vibe-Smartphones auch in Deutschland auf den Markt.

In Deutschland hat der Name Motorola noch viel Klang. Das hält den chinesischen Mutterkonzern Lenovo nicht davon ab, ihn verschwinden zu lassen: Der Elektronikhersteller druckt künftig auf alle Smartphones seinen eigenen Namen. „Lenovo ist eine Marke mit starkem Zuspruch und großer Verbreitung“, sagte Lars-Christian Weisswange, Deutschlandchef der Mobilsparte, dem Handelsblatt.

Das Erbe des Handyerfinders verschwindet allerdings nicht vollständig. Unter der Dachmarke Lenovo wird es künftig die Moto-Linie mit hochwertigen Smartphones geben. Bald hinzukommen soll die Vibe-Linie mit günstigen Geräten, die der Konzern im Laufe des Jahres auch in Deutschland auf den Markt bringen will. Lenovo hatte Motorola 2014 von Google übernommen.

Weisswange, zuvor bei Samsung, HTC und Huawei tätig, will massiv investieren, um den Namen bekannter zu machen: „Wir werden mit Vibe großflächig angreifen.“ Die Geräte sollen bald bei Elektronikhändlern und Netzbetreibern im Angebot sein, außerdem in Online-Shops. Derzeit führe er die Verhandlungen. Großes Wachstum erwartet er in der 200-Euro-Klasse.

30 Jahre Lenovo

1984: Gründung

Eine Gruppe von elf chinesischen Wissenschaftlern gründet die Firma unter dem Namen Legend. Die Chinesische Akademie der Wissenschaften hilft mit einem Darlehen und Räumen. Anfangs verkauft die Firma die Geräte anderer Hersteller, 1990 baute sie eine eigene Fertigung auf.

1994: Börsengang in Hongkong

Im Februar 1994 geht Lenovo in Honkong zu einem Preis von 1,33 Hongkong-Dollar pro Aktie an die Börse, Börsenkürzel: LNVGY.

2003: Namensänderung

1997 ist Legend der größte PC-Hersteller in China. Doch das Unternehmen will international expandieren. Da der Name Legend in einigen Märkten bereits besetzt ist, benennt es sich um in Lenovo. Darin steckt noch etwas vom alten Namen, es deutet aber auch auf das Neue.

2004: Kauf der PC-Sparte von IBM

Das Thinkpad ist der Favorit der Manager, dennoch will sich IBM von seiner PC-Sparte mit dem legendären Laptop trennen. Lenovo übernimmt das Geschäft für 1,75 Milliarden Dollar.

2011: Übernahme von Medion

Auch in Deutschland suchte sich Lenovo Verstärkung: Der Konzern übernahm den Elektronikhersteller Medion, der sich vor allem durch den Verkauf beim Discounter einen Namen gemacht hat. Kaufpreis: 630 Millionen Euro.

2014: Übernahme von Motorola

Lenovo stellt bereits unter eigenem Namen Smartphone und Tablets her, mit Motorola kauft der Konzern einen Hersteller hinzu, der auch im Westen einen bekannten Namen hat – wenn auch nicht mehr viel Marktanteil. Zusammen sind sie drittgrößter Smartphone-Hersteller der Welt.

2014: Kauf der Serversparte von IBM

Und wieder übernimmt Lenovo ein schwieriges Geschäft von IBM: Das chinesische Unternehmen kauft die Serversparte. Die Mainframes behält IBM aber.

Die Aufholjagd ist nötig. „Die Qualität unserer Produkte spiegelt nicht wieder, wo wir sein müssten“, sagt Weisswange. „Wir werden in diesem Jahr massiv wachsen.“ Sein Ziel: In Deutschland binnen zwölf Monaten einen ähnlich hohen Marktanteil zu erreichen wie international – im vierten Quartal 2015 stammten fünf Prozent aller Smartphones vom chinesischen Hersteller, der im PC-Markt die Nummer 1 ist.

Auch mit der internationalen Position ist der Konzern nicht zufrieden. Seit der Übernahme von Motorola hat Lenovo Marktanteile verloren. „Unser Ziel ist, so bald wie möglich unter die Top 3 zu kommen“, sagte COO Gianfranco Lanci auf dem MWC. Größe sei in der Smartphone-Branche wichtig. Lenovo müsse dort zulegen, wo es bisher noch nicht stark sei: In Westeuropa, aber auch in einigen schnell wachsenden Schwellenländern wie Indonesien.

Der Konzern hat indes mit hartem Wettbewerb zu kämpfen. „Traditionelle Hersteller wie Samsung oder Lenovo stehen an beiden Enden des Marktes unter Druck – und es ist schwer zu sagen, wie sie effektiv mithalten und vernünftige Margen verdienen können“, sagt Jan Dawson, Analyst bei Jackdaw Research dem Handelsblatt. Den Premiumbereich dominiert Apple, im unteren und mittleren Bereich drängen neue Anbieter mit günstigen Geräten in den Markt.

Der chinesische Konzern will seine starke Position im PC-Markt nutzen, etwa beim Einkauf und der Produktion in den eigenen Fabriken. „Damit sind wir bei den Kosten wettbewerbsfähiger als andere“, betonte Lanci.

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