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05.04.2006

09:53 Uhr

Neue digitale Angebote

Pro Sieben Sat 1 steigt ins Bezahlfernsehen ein

VonH.-P. Siebenhaar

Der Fernsehkonzern Pro Sieben Sat 1 startet eigenes Pay-TV. Im Juni gehen die beiden Bezahlkanäle „Kabel Eins Classics“ und „Sat 1 Comedy“ an den Start. Die Sender sind über das Kabel nur gegen eine Gebühr zu empfangen.

CANNES. „Die digitalen Sender sind Teil unserer Diversifikationsstrategie“, sagte Dirk Kleine, Chef des neuen Angebots, auf der Fernsehmesse Mip-TV in Cannes. Die größte deutsche Sendergruppe (Sat 1, Pro Sieben, Kabel 1, N 24, Neun Live) will mit den neuen Bezahlangeboten ihre Abhängigkeit vom weiter schwierigen Werbemarkt verringern. Bis nächstes Jahr will Pro Sieben Sat 1 bereits 15 Prozent des Umsatzes mit neuen Zusatzgeschäften machen.

Der Start der zwei Pay-TV-Kanäle ist der Auftakt zu neuen digitalen Angeboten. In der Konzernzentrale in Unterföhring liegen nach Angaben von Unternehmensinsidern bereits Pläne für weitere Angebote im Bezahlfernsehen in der Schublade. So soll auch Pro Sieben, der rentabelste Kanal der Sendergruppe, einen digitalen Schwesterkanal erhalten. Außerdem will Pro Sieben Sat 1 seine neuen Bezahlangebote nicht nur über das Kabel gegen Geld anbieten, sondern auch über das schnelle Internet (DSL) und per Satellit. Doch noch sind keine Verträge unterzeichnet. „Übertragungswege wie IP-TV sind in Planung“, sagte Geschäftsführer Thomas Schultheis. Unter IP-TV versteht man Fernsehangebote über das Breitband-Internet. Der Bezahlsender Premiere beobachtet die Offensive von Pro Sieben Sat 1 mit großer Aufmerksamkeit. Denn nach dem Verlust der Bundesliga-Rechte muss Premiere-Chef Georg Kofler nun auch gegen eine verstärkte Konkurrenz bei Spielfilmen und Serien im Bezahlfernsehen kämpfen.

Die neuen Spartenkanäle „Kabel Eins Classics“ und „Sat 1 Comedy“ werden bei Kabel Deutschland (KDG) und Kabel Baden-Württemberg im Pay-TV-Angebot „Kabel Digital Home" und bei Unity Media im „Tividi“-Paket zu sehen sein. Pro Sieben Sat 1 ist an den Erlösen der Bezahlangebote der Kabelkonzerne beteiligt. Zu Umsatz- und Ergebniszielen wollte sich das Management auf Anfrage nicht äußern. Unternehmensinsider gehen aber davon aus, dass die Kanäle in zwei bis drei Jahren die Gewinnzone erreichen müssen.

Der Betrieb der beiden Digitalsender ist relativ preiswert. Denn das Programm besteht aus alten Filmen und Serien, die auf den frei empfangbaren Sender längst gelaufen sind. Mit dem Start der neuen Kanäle baut Pro Sieben Sat 1 seinen Vorsprung gegenüber den Konkurrenten RTL aus. „Wir gehen mit einer starken Wettbewerbsposition an den Start“, sagt Geschäftsführer Schultheis selbstbewusst. Denn neben „Kabel Eins Classics“ und „Sat 1 Comedy“ startet die Sendergruppe gemeinsam mit dem Internetunternehmen United Internet demnächst das Video-on-Demand-Portal „Maxdome“. Über einen Computer mit Breitband-Anschluss als auch über eine Set-Top-Box können Kunden dann Filme und Serien empfangen. RTL, die Fernsehtochter des Medienkonzerns Bertelsmann, hatte trotz mehrfacher Ankündigung noch keine neuen Bezahlangebote ins Leben gerufen. Ihr vor über einen Jahr gegründete Kennenlern-Kanal „Traumpartner TV“ hat bisher die Erwartungen nicht erfüllt.

Der Einstieg ins Bezahlfernsehen der beiden großen Sendergruppen wurde erst vor wenigen Monaten möglich. Sowohl Pro Sieben Sat 1 als auch RTL legten Anfang des Jahres einen zweijährigen Streit mit den Kabelkonzernen über die Einspeise-Konditionen ihrer Programme bei.

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