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22.08.2014

09:45 Uhr

Neue Geschäftsfelder

Wie Google und Apple um die Firmen buhlen

Wenn Apple bald das neue iPhone vorstellt, will der Konzern nicht nur die Verbraucher begeistern: Firmenkunden werden immer wichtiger. Auch Google und Amazon wollen an die Budgets heran – und machen Microsoft Konkurrenz.

Arbeit oder Privatvergnügen? Apple will mehr Firmen für sein iPad begeistern. ap

Arbeit oder Privatvergnügen? Apple will mehr Firmen für sein iPad begeistern.

Es waren die Verbraucher, die Apple, Google und Amazon groß gemacht haben. Doch die Größen aus dem Silicon Valley setzen inzwischen immer stärker auf ein anderes Kundensegment: Unternehmen.

Die Konzerne haben zwar schon lange Produkte für Firmenkunden im Angebot, jetzt aber weiten sie ihre Palette aus und gehen bei der Vermarktung aggressiver vor. Die Vorstöße in die angestammten Reviere von Microsoft, Hewlett-Packard und Dell nehmen seit Jahresbeginn zu.

So baut Apple in das neue Betriebssystem für iPhone und iPad Management-Tools ein, die die Geräteverwaltung erleichtern. Im Juli gab der Konzern ein Abkommen mit IBM bekannt, um Produkte verstärkt an Unternehmen zu verkaufen. Google wiederum bietet seit Juni unbegrenzten Speicherplatz für Firmen an, nachdem bereits Amazon die Preise für Cloud-Computing-Dienste gesenkt hatte. Auch neue mobile Anwendungen für Unternehmen bietet der Suchmaschinenkonzern nun an.

Googles wichtigste Geschäfte

Vielzahl an Produkten

Google Suche, Gmail, Google Maps, der Online-Speicher Google Drive, das Smartphone-Betriebssystem Android mit dem App-Store Google Play und, und, und: Die Liste der Google-Dienste wird immer länger. Und in seinen geheimen Labs arbeitet der Konzern an einem selbstfahrenden Auto oder Ballons, über die entlegene Gegenden mit Internet-Zugängen versorgen sollen.

Hochprofitable Suche

Wenn es aber um das Geldverdienen geht, ist Google vom Geschäft mit Online-Werbung abhängig. Fast 90 Prozent des Umsatzes stammen aus diesem Segment, ein Großteil aus der Internet-Suche. In der Bilanz wird sonst nur noch ein Segment mit dem wenig aussagekräftigen Titel „Other“ (Anderes) aufgelistet.

Android

Googles Betriebssystem Android dominiert den Smartphone-Markt. Es hilft dem Konzern, seine Dienste fürs mobile Internet zu verbreiten, sorgt mit dem Play Store mit Apps, Filmen und Musik aber auch für wachsende Einnahmen. Experten vermuten, dass diese den Großteil des „sonstigen“ Umsatzes ausmachen.

Google Appsl

Um sich aus der Abhängigkeit aus den Werbeeinnahmen zu befreien, hat Google in den vergangenen Jahren immer wieder Initiativen gestartet, etwa kostenpflichte Anwendungen für Firmen. Das Office-Paket Apps for Business und die E-Mail-Plattform sind Kernbestandteile der Geschäftskundenstrategie. Google Apps generiert Umsatz aus monatlichen Gebühren.

Google+

Soziale Netzwerke sind viele Internet-Nutzer zum ersten Anlaufpunkt im Internet geworden. Facebook ist hier mit Abstand die Nummer 1, Google will dem Marktführer mit Google+ Paroli bieten. Dass der Konzern den riesigen Abstand aufholt, ist allerdings unwahrscheinlich.

Cloud Computing

Ob Gmail, Google Docs oder Google Drive: Google-Dienste laufen nicht auf dem lokalen Rechner, sondern im Rechenzentrum. Der Konzern hat eine große Expertise in Sachen Cloud Computing, die er auch vermarkten will: Firmen können Rechenleistung oder Speicher bei dem Konzern mieten.

Chrome OS

Google will mit Chrome OS ein neuartiges Betriebssystem für Computer etablieren – es setzt voll aufs Internet und ruft Daten und Dienste aus der „Wolke“ ab. Mit dem System will das Unternehmen seine Produkte verbreiten. Bislang ist die Verbreitung von Chrome OS allerdings noch überschaubar.

Dass sich das lohnt, lässt sich an Apple festmachen: Bis 2016 dürften die Firmenkunden mehr als 15 Prozent zum Umsatz beitragen, schätzen die Analysten von Evercore Partners und International Strategy & Investment – heute sind es weniger als zehn Prozent. Bei Amazon soll der Anteil bis 2019 auf rund zehn Prozent steigen, doppelt so viel wie 2013.

Die Anbieter wollen sich eine größere Scheibe von den Unternehmensetats für Hardware, Software und IT-Dienste abschneiden. Ein lukrativer Markt: Er erreicht in diesem Jahr ein Volumen von 1,6 Billionen Dollar (1,2 Billionen Euro), wie der Markforscher IHS prognostiziert. Auf diesem Weg können die Firmen auch das abflauende Wachstum in ihren größeren Geschäftsbereichen ausgleichen. „Manche dieser Firmen müssen ihre Ertragsbasis verbreitern“, sagt Danielle Levitas, Analystin beim Marktforscher Gartner.

Apple, Google und Amazon müssen allerdings schon bedeutende Etats anzapfen, wenn sich bei ihren bereits enormen Umsätzen spürbare Auswirkungen ergeben sollen. Zusammengenommen hatten die drei Unternehmen einen Umsatz von 305 Mrd. Dollar im Geschäftsjahr 2013. Das ist mehr als die Wirtschaftsleistung von Singapur.

Kommentare (1)

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Herr Michael Herkens

25.08.2014, 12:52 Uhr

Sehr geehrte Handelsblatt Redaktion,

das Go-to-Market-Modell von Google lässt sich nicht so einfach auf eine Preisschlacht reduzieren. Es ist durchdachter. Ein gutes Beispiel ist Chromebook Phänomen. Chromebooks entwickeln sich von einem Nischenprodukt immer mehr zu einem Produkt für den Massenmarkt. Gartner erwartet, dass sich die weltweiten Verkäufe der auf Googles Chrome OS basierenden Notebooks bis 2017 nahezu verdreifachen werden. Im laufenden Jahr soll der Chromebook-Absatz auf 5,2 Millionen Geräte steigen, was einem Plus von 79 Prozent gegenüber 2013 entspräche.

Wie gelingt Google jetzt der Sprung aus der Fläche ins Unternehmen? Mit dem Erwerb der "Chrome for Business Management Console" können Administratoren die Chrome-Geräte Ihrer Organisation über diese Verwaltungskonsole per Remote-Zugriff komplett verwalten. Chromebooks for Business entsprechen den Chrome-Geräten für Privatanwender, mit folgendem Unterschied: Es lassen sich über die Management Console rund 120 Sicherheits- und Geräterichtlinien konfigurieren. Administratoren können jede Einstellung auf eine Organisationseinheit oder auf die gesamte Organisation anwenden.

Aus meiner Sicht trifft das Prinzip "einfach starten und schnell wachsen" die DNA des Go-to-Market-Modells von Google besser also der Begriff "Preisschlacht". Das echte Cloud-Lösungen der großen Enterprise SaaS Anbieter wie Google, IBM, Microsoft,... günstiger als vergleichbare On-Premises-Lösungen sind, liegt in der Natur von Cloud Computing.

Auch in Deutschland gibt es Beispiele, die Chrome for Business bereits erfolgreich eingeführt haben, weil die Lösung innovativ, effizient aber auch günstig ist.

Mit besten Grüßen aus Köln,
Michael Herkens

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