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06.11.2012

14:57 Uhr

Neue Initiative fürs Urheberrecht

„Das geistige Eigentum ist in Gefahr“

In der Diskussion ums Urheberrecht meldet sich ein neuer Verein zu Wort: „enGAGE!“ kämpfe dagegen, dass der Wert geistigen Eigentums aufgeweicht werde, sagt der Vorsitzende Rolf Schwartmann. Der Gegner ist für ihn klar.

„Wir wollen ein Bewusstsein für das geistige Eigentum schaffen“, sagt Rolf Schwartmann von der FH Köln. Kölner Forschungsstelle für Medienrecht

„Wir wollen ein Bewusstsein für das geistige Eigentum schaffen“, sagt Rolf Schwartmann von der FH Köln.

Rolf Schwartmann leitet die Forschungsstelle für Medienrecht an der Fachhochschule Köln. Mit dem neuen Verein „enGAGE!“ will er das Urheberrecht stärken. Dass seine Initiative vor allem konservativen Politikern nahe steht, sieht er nicht als Problem.Neuer Lobbyverein gegen Google und die Netzgemeinde

Handelsblatt Online: Herr Schwartmann, Ihre Initiative will das „Bewusstsein für den Wert geistigen Eigentums“ stärken. Warum halten Sie das für notwendig?
Rolf Schwartmann: Das geistige Eigentum erfährt in der aktuellen Situation nicht die Wertschätzung, um der rechtliche Anker der Kultur zu bleiben. Das sieht man zum Beispiel daran, dass im Programm der Piratenpartei die deutliche Aufweichung des Wertes diskutiert wird. Für meine Begriffe ist das der politische Arm der Netzgemeinde, die das will. Es gibt spürbare Tendenzen im Extrembereich, die sagen, wir brauchen das geistige Eigentum nicht mehr. Wenn Sie vom geistigen Schaffen leben wollen, brauchen Sie eine Zuordnung dieses geistigen Wertes.

Aber sehr viele Nutzer sind doch bereit, für Inhalte im Netz zu zahlen, wenn es nur die richtigen Angebote gibt.
Ja, das stimmt. Aber trotzdem ist das Bewusstsein für den Wert von Inhalten bei vielen nicht ausgebildet. Das liegt auch daran, dass das Urheberrecht vergleichsweise kompliziert ist. Es gibt Bedürfnisse, das Recht anzupassen, aber den Wert zu erhalten.

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Die Bundesregierung unterstützt eine neue Initiative, die in der hitzigen Debatte ums Urheberrecht den „Wert des geistigen Eigentums“ fördern will. Abweichende Meinungen sind – vorerst? – nicht willkommen.

Was ist dann das konkrete Ziel der Initiative?
Wir wollen ein Bewusstsein für das geistige Eigentum schaffen, indem wir über Themen diskutieren, zum Beispiel über Geschäftsmodelle oder das Wissenschaftsurheberrecht. Oder die Kultur-Flatrate: Ist die verfassungsrechtlich in Ordnung, wie kann man die Einnahmen verteilen, ohne dass man massiv Daten erhebt? Es gibt jede Menge Themen die diskutiert werden, aber sehr polarisiert diskutiert werden. Wir wollen das bei vier Veranstaltungen im Jahr aus einer wissenschaftlichen Perspektive beleuchten. Damit bieten wir eine Alternative zu den von Unternehmen finanzierten Forschungseinrichtungen.

Meinen Sie damit das von Google finanzierte Humboldt-Institut in Berlin?
Die mangelnde Unabhängigkeit ist ein Problem einer jeden Drittmittel-Forschung. Wir bieten eine Alternative, weil wir nicht von einzelnen Unternehmen Kapital bekommen, sondern nur vom Kulturstaatsminister und der Fachhochschule.

Sie beklagen, dass es Drittmittel-Projekten an Unabhängigkeit mangelt. Allerdings erweckt Ihre Initiative den Eindruck, konservativen Politikern nahe zu stehen: Kulturstaatsminister Neumann ist in der CDU, die Abgeordneten Günter Krings und Ansgar Heveling sind es ebenso. Und einer Ihrer Mitarbeiter arbeitet auch für Krings. Wie gewährleisten Sie Unabhängigkeit?
Ich bin Beamter und bekomme von keinem Politiker Geld. Unabhängigkeit biete ich von innen heraus. Aber es ist wichtig, dass die Initiative im politischen Raum verdrahtet ist. Bei unserer ersten Podiumsdiskussion kommt auch Brigitte Zypries, die ist von der SPD. Wir haben auch bewusst Herrn Zimmermann und den Deutschen Kulturrat eingeladen, damit wir nicht eine Branche bevorzugen.

Es fällt aber auf, dass bei der ersten Podiumsdiskussion niemand teilnimmt, der eine kritische Haltung zum derzeitigen Urheberrecht hat.
Wir wollen zeigen, dass wir eine Gefahr für das geistige Eigentum sehen. Kontroverse Diskussionen folgen später. Ich stehe für den Wert des geistigen Eigentums, da habe ich ein offenes Visier. Aber ich streite mich gerne mit jemandem, der sagt, dass wir das Urheberrecht nicht mehr brauchen.

Auch mit Mitgliedern der Piratenpartei?
Auch mit denen.

Von

chk

Kommentare (6)

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Account gelöscht!

06.11.2012, 15:13 Uhr

"Wir wollen zeigen, dass wir eine Gefahr für das geistige Eigentum sehen. "

Heute regnets in Spanien.
Steht auch im Wetterbericht, habe ich jetzt ein Urheberrecht verletzt? Theoretisch ja, denn es steht auch auf einer Wetterseite im Web. Aber ich brauchte heute morgen den Schirm, bin also Amateur-Zeitzeuge.
Muß ich also jetzt diesen Regen als Zitat kennzeichnen?

Die meisten Webserver laufen auf Apache, einem kostenlosen Open-Source-Programm. Würden hier die Autoren Urheberrechte kostenpflichtig einfordern, wäre da Web heute nicht da, wo es ist.

In England gab es das Urheberrecht schon eher als in Deutschland. Dafür war der Bildungsstand der Deutschen deutlich höher, es wurden mehr Bücher aufgelegt und mehr kopiert, sie waren außerdem billiger - zur Wissensaneignung. Trotzdem waren die Verlage nicht ärmer, aber die Engländer "dümmer".

Es gibt Millarden Dokumente im Web, Millarden Dateiarten und Millarden Gedanken, auf die niemand Rechte beansprucht. Und trotzdem verdienen sich einige daran dumm und dusselig.
Irgendwas stimmt da nicht mit dem "Rechts-Bewusstsein"?

AxelSiegler

06.11.2012, 15:14 Uhr

Piratenpartei ist ja nun diejenige linke Gruppierung, die ihre Raubabsicht ganz unverhohlen im Namen trägt - dass überhaupt dieser Begriff offenkundig derart positiv besetzt ist, dass er zum Parteinamen taugt, ist bezeichnend für die Anstandslosigkeit des omnipräsenten linken Zeitgeists. Zum Glück aber ist von dieser Piraterie ja in erster Linie der links-verseuchte Kulturbetrieb betroffen, der ja auch nur immer nur allzu ein parasitäres Dasein an den Staatströgen fristet. Wer als Linker das Eigentum anderer nicht achtet, darf sich dann auch nicht beschweren, wenn seines geraubt wird!

Account gelöscht!

06.11.2012, 15:37 Uhr

"Wer als Linker das Eigentum anderer nicht achtet, darf sich dann auch nicht beschweren, wenn seines geraubt wird!"

lol, und als Rechter braucht man sich dann auch nicht wundern?
Man kann Werke und Patente schützen, für eine gewisse Zeit. Wer diese dann unter anderem Namen verkauft, ist natürlich ein Dieb.
Aber allein eine "Gemavermutung" ist schon sowas von pervers, als ob eine Gema die Weisheit und jedes Recht gepachtet hätte, hinter meinem geistigen Eigentum eine Urheberrechtsverletzung zu vermuten, und mir schon allein für das Vorhandensein meines Ladens Geld abknöpft.
Aber ich denke hier hat mal wieder jemand ein Profilfeld entdeckt, auf dem man sowieso spielen kann wie man will, Hauptsache man wird gedruckt, und die Medienindustrie kann sich Pfründe sichern, wo eigentlich keine sind.
Währenddessen schaut man sich die "Kunst" über einen Proxy an, weil die Gema die Weisheit mit Schöpflöffeln gefressen hat.

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