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30.11.2012

08:54 Uhr

Neue Konsole Wii U

Nintendo spielt um seine Zukunft

VonChristof Kerkmann

Der Spiele-Spezialist Nintendo braucht dringend einen Kassenschlager. Die neue Konsole Wii U soll die Fans mit einem ungewöhnlichen Konzept ködern. Aber verstehen die Spieler, wie das Gerät funktioniert?

Verkaufsstart

Nintendo Wii-U im Test

Verkaufsstart: Nintendo Wii-U im Test

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DüsseldorfNintendo hat mit der Wii Computerspiele zu einem Vergnügen für die Massen gemacht. Die Spielkonsole gewann dank intuitiver Bedienung und familienfreundlicher Titel außerhalb der Jugendzimmer viele Fans – selbst Frauen und Senioren schwangen beim virtuellen Tennis oder Kegeln den Controller. Ob die neue Gerätegeneration mit dem Namen Wii U ebenfalls so ein großer Verkaufsschlager wird? Heute wird zwar so viel gespielt wie nie zuvor, doch auch die Konkurrenz ist größer denn je.

Für Nintendo steht viel auf dem Spiel. Vom Erfolg der neuen Konsole hängt die Zukunft des japanischen Unternehmens maßgeblich ab. Zuletzt waren die Zahlen mies: Die Wii verkauft sich immer schlechter, das Unternehmen vermeldete kürzlich erstmals einen Verlust und kappte seine Gewinnprognose fürs laufende Jahr. Der Verkauf der Wii U im Weihnachtsgeschäft soll jetzt die Wende zum Besseren bringen.

Geschäftsmodelle der Spielebranche

Verkauf

Ein Entwickler arbeitet Monate oder Jahre an einem Spiel. Wenn es fertig ist, wird es zu einem festen Preis auf den Markt gebracht. Nach wie vor setzen viele Anbieter auf den klassischen Verkauf, ob Einzelkämpfer, die eine iPhone-App programmieren, oder große Studios mit Produktionen im Hollywood-Stil. Ob die Nutzer ins Geschäft gehen oder sich den Titel herunterladen, spielt dabei keine Rolle.

Abo-Modelle

Jede Stunde oder jeder Monat kostet – nach diesem Prinzip rechnen die Anbieter von Abo-Spielen ab. Wenn sie einen treuen Stamm von Spielern an sich binden können, schaffen sie einen stetigen Umsatzstrom. Dafür müssen sie allerdings auch ständig etwas Neues bieten, sonst sind die zahlenden Kunden weg. „World of Warcraft“ ist der Prototyp dieses Geschäftsmodells.

Free To Play

Das Spiel an sich ist gratis, aber die Extras kosten. Die Anbieter von Free-to-play-Spielen verdienen ihr Geld mit virtuellen Zauberstäben, Raumschiffen oder Rüstungen. Obwohl nur ein Bruchteil der Nutzer zahlt, kann das lukrativ sein. Da die Einstiegshürde niedrig ist, gewinnen die Anbieter viele Gelegenheitsspieler. Vorreiter sind Unternehmen wie Zynga und Bigpoint, doch auch viele Branchen-Dinos setzen inzwischen auf dieses Modell.

Werbung

Bandenwerbung im Fußballstadion, Aufkleber auf Rennwagen, gesponsorte Figuren: Computerspiele sind eine Plattform für Reklame. Der Anteil am Gesamtumsatz der Branche ist allerdings noch klein.

Crowdfunding

Wer keinen großen Geldgeber findet, fragt einfach viele Kleininvestoren. Beim Crowdfunding – der Schwarmfinanzierung – versorgen sich Unternehmen über Plattformen wie Kickstarter mit Kapital; Nutzer können kleine Beträge zur Verfügung stellen und bekommen im Gegenzug das fertige Produkt oder Extras.

In den USA ging das Gerät bereits vor zwei Wochen in den Handel, in Deutschland kommt es am heutigen Freitag auf den Markt – gerade rechtzeitig für den großen Geschenke-Einkauf. Ausgerechnet im Nintendo-Stammland Japan müssen Fans noch etwas Geduld haben.

Mit der Wii ging Nintendo 2006 ein großes Wagnis ein: Der Spiele-Spezialist stieg aus dem Wettrüsten um Prozessor- und Grafikleistung aus und überließ den Markt für Hardcore-Fans praktisch der Playstation 3 von Sony und der Xbox 360 von Microsoft. Die Wii erreichte nicht den klischeehaften jugendlichen Daddler, der im Halbdunkel auf virtuelle Fieslinge ballert, sondern neue Zielgruppen – Frauen und Familien etwa.

Die Wii verkaufte sich deutlich besser als die beiden Konkurrenzgeräte, bis heute 5,2 Millionen Exemplare in Deutschland. Und so mancher blickte erstaunt durchs Fenster der Nachbarn, die mit nicht vorhandenen Tennisrackets oder Boxhandschuhen vor dem Fernseher tobten.

Computerspieler in Deutschland

Raus aus der Nische

Computerspiele sind nicht nur etwas für jugendliche Daddler, laut einer Umfrage des IT-Branchenverbandes Bitkom spielen 35 Prozent der Menschen in Deutschland zumindest gelegentlich. Zum Vergleich: 2008 waren es noch 28 Prozent.

Mehr Frauen, mehr Ältere

Dank des vielfältigen Angebots spielen auch immer mehr Frauen: Es sind inzwischen 28 Prozent (2008: 22 Prozent). Auch in der Altersgruppe der 30- bis 49-Jährigen sind Computerspiele ein akzeptierter Zeitvertreib: 38 Prozent nutzen sie (2008: 27 Prozent).

Mehr Spiele, weniger Umsatz

Es wird zwar so viel gespielt wie nie, trotzdem macht die Branche weniger Umsatz – laut Bitkom-Prognose im laufenden Jahr 3,7 Prozent weniger als 2011. Das hat viel damit zu tun, dass die Anbieter mit den beliebten Smartphone-Apps, Social Games wie „Farmville“ oder Browser-Spielen weniger Geld erwirtschaften als mit 60-Euro-Titeln. Am meisten wird für klassische Computerspiele ausgegeben, wie sie etwa auf DVD verkauft werden.

Das Internet als Marktplatz

Das Netz krempelt die Spielebranche um. Die Apps fürs Smartphone werden allesamt über die Online-Plattformen der Anbieter heruntergeladen, Browser-Spiele und Social Games funktionieren ohne Internetverbindung erst gar nicht. Auch ein Viertel der Konsolenspieler nutzt Online-Dienste, beispielsweise Online-Videotheken.

Datenträger weiter wichtig

Viele Spieler kaufen sich nach wie vor DVDs und Blu-rays – knapp zwei Drittel (65 Prozent) decken sich damit im stationären Handel ein, 45 Prozent bestellen sie online (Mehrfachnennungen möglich).

Bei der Wii U setzen die Japaner ebenfalls auf ein ausgefallenes Bedienkonzept. Im Mittelpunkt steht das Gamepad, ein Controller mit Touchscreen, wie man ihn von Tablet-Computern kennt. Es dient zum einen als Steuerung – dafür hat es zwei Analogsticks, ein Steuerkreuz und die üblichen Knöpfe, außerdem Bewegungssensoren und den berührungsempfindlichen Bildschirm.

Zum anderen ist das Gamepad ein zweites Display. Im Horror-Shooter „Zombi U“ werden darauf beispielsweise die Waffen angezeigt, die der Spieler in der Tasche hat. Weitere Einsatzmöglichkeiten werden sich die Entwickler sicher ausdenken. Bis zu zwei dieser Geräte lassen sich an die Wii U anschließen.

Kommentare (1)

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EURO

30.11.2012, 09:27 Uhr

Es sollte doch bestimmt in der Überschrift richtig heißen „Die Bundesregierung verspielt heute die Zukunft der Deutschen“ in dem wieder alle dem Griechenland Paket zustimmen. Trauen Sie sich heute nicht an das Thema heran?

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